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KC-Blätter · 1920-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1920) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 6-8 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 79 (sequence 21)
Language
German
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nicht verschont von dem rückschrittlichen Geist, der sich von jeher zuerst gegen die Juden richtet. — Zunächst begnügten sich diese Zierden der Wissenschaft damit, die Versammlungen Andersdenkender zu stören und zu sprengen, die Hetzzettelchen des Dei-tschvöMschen Lug- und Trugbundes (wenn's niemand sieht, natürlich) überall aufzukleben und in ähnlich edler Weise ihre Gesinnung zu bekunden. Aber der Ruhm anderer, noch judenfeindlicherer Hochschulen ließ die Herren deutfchnationalen Studenten nicht ruhen. So mußte Unfriede und Verhetzung in die Universität selbst getragen werden. Mit den ausländischen Juden begann man, die Juden schlechthin meinte man. Die Fülle in einigen medizinischen Vorlesungen wurde zum Vorwand genommen, die Studierenden fremder Staatsangehörigkeit, deren Immatrikulation doch das Ministerium gestattet Hatte, hinauszuwerfen. Die Klinikerschast beschloß, die Ausländer — lies: Juden — vom Studium auszuschließen: als der „Beschluß" nicht anerkannt wurde, drohte man mit Streik, mit Gewalt! Damit ging die zielbewußte Ausschließung jüdischer Studierender deutscher Staatzugehörigkeit aus der Klinikerschaft Hand in Hand. Bei diesen Vorgängen zeichneten sich übrigens einige Damen (!) durch besonders radikale Haltung aus.^Die Vorkliniker eiferten dem edlen Beispiel der älteren Semester narb Als alles mtfU-3 half, versuchte man es mit Petitionen. Hatte man vorher die geschmackvolle Begründung gehabt: „Damit nicht schließlich alle Mediziner einen Kaftan tragen," dürfe man keine Ausländer mehr aufnehmen, so müßten jetzt die hohen Schlagworte von „Gefährdung der Ostmark", „Schutz vor Polonisierung" usw. herhalten. Mer damit nicht genug. Der Studentenausschuß, das Sprachrohr der deutschnationalen Kreise, berief eine allgemeine Studentenversammlung auf den 6. Juni geschickt so ein, daß dort zwar die nationalistischen Farbenstudenten geschlossen, die weit zahlreicheren freien Studenten fast gar nicht vertreten waren. Da erstattete dann der Vorsitzende des Asta Bericht über den Dresdener Studententag. Me Meinung der Dresdner Tagung, zur Studentenschaft hätten Reichsangehörige und „Ausländer deutscher Abstammung und Muttersprache" zu gehören, war diesem Gremium nicht deutschvölkisch genug. Ein stuck, phil. Knappke brachte einen Antrag ein: „Deutsche Saatsbürger jüdischen Glaubens sind nur im Prozentsatz ihrer Bevölkerungsziffer zum Studium zuzulassen." Dazu die famose Begründung, an der Universität Jena sei der gleiche „Beschluß" angenommen worden! Der Antragsteller begründete seinen würdigen Antrag nicht; der Versammlungsleitende, Vorsitzende des Asta, wies ihn nicht etwa zurück, sondern in schönster Objektivität Lab .er seinen Zuhörern einige „statistische Angaben" zur Judenfrage, die er aus dem „Deutschen Wochenblatt" zu schöpfen schien. Bedauerlicher war schon, daß der anwesende Rektor der Universität es nicht für nötig hielt, die Studenten auf das gesetz- und verfassungswidrige ihres, offenbar schon lange verabredeten Antrages Hinz uw eisen.(! D So wurde der Antrag gegen die Stimmen der wenigeil Juden und Republikaner begeistert angenommen. Ein wahrhaft erhebender Anblick, wie die akademische Jugend hier geschlossen wie ein Mann für dieses hohe Kulturideal eintrat! Es ist eigentlich selbstverständlich, daß der Rektor," als ihm dieser „Beschluß" vorgelegt wurde, die .Angelegenheit mit Zustimnlung des Senats als verfassungswidrig ack acta legte. So blieb die Sache eine Anrempelung, die sich würdig an ähnliche deutschvölkische Demonstraionetn schließt. Sunfc pneri . Ein kommendes Geschlecht wird dies zu den übrigen derartigen Kulturdokumenten legen und danach das Deutschland unserer 'Tage und diejenigen, die es da führen wollten, bewerten! Aber die Gründe von alledem? In erster Linie Neid; dann Angst um die Vormachtstellung des Akademikers; Haß gegen das „neue System" und die Regierung; mißverstandene Schlagworte. — Und doch ein erfreuliches Ergebnis : Die an der Albertina studierenden Inden aller Richtungen haben sich zur Abwehr zusammengeschlossen und werden allen Angriffen zu. begegnen wissen, Tagung ^der Medizinerfchaften. Vom 7—9. Juli tagten die Medizinerfchaften fast aller deutschen Universitäten auf Dem Berbandstag der Medizinexschaften zu Leipzig. Von Bedeutung für uns ist der Beschluß, nach welchem Politik und rassenpolitische Fragen auszuschatten sind, so daß also der Ausschluß von Juden aus der Klinikerschaft und Vorklinikerschaft im Verbandl nicht mehr statthaft ist. Selbstverständlich hüben auf dem Studententag auch die Herren Österreicher ihre judenfeindliche Extrawurst gebraten bekommen. Sie nehmen nach wie vor Juden nicht auf. Die Medizinerschaft Graz erklärte^ sie könne sich dem Verbände mcht anschließen, well dieser auch Nichtarier vertrete!!! Dieser Vorgang wurde von dem Marburger Vertreter mit lautem Bravo begrüßt!!! ' » Hakenkreuz. Es ist erreicht! Die Wehrschaft Askania im Teutoburger V. Tzu Hamburg, die am 10. März begriindet wurde, hat als offizielle Farben: „Schwarz-weiß-rot mit goldenemHakenkreuz und goldener Perkussion"! Sie erzieht ihre Mitglieder zu „r a f s e b e w u ß t e n M a n n e r n" und will „das Bewußtsein vom Wert reiner Rasse" wecken. Hoffentlich haben die Herren ein untrügliches Mittel, um herauszubekommen, wer romanisches, slavisches oder gar — semitisches Blut in den Wern hat. W. A. Klausner, der geistreiche Spötter, sagte einmal sehr hübsch, daß über ihre Rasse mit Sicherheit nur die Menge derer spreche, die ihren Urgroßvater nicht kennen. Oder ist das.Hakenkreuz von wundertätiger Wirkung? Bietet das auffällige Tragen dieses Zeichens einen Ersatz für den fehlenden Nachweis der Rafsenreinheit? VomL. C. Die Deutsche Hochschul-Zeitung vom 14. August 1920 meldet, daß der Pfingstkongreß der Landsmannschaften, der in Coburg stattfand, folgenden Beschluß gefaßt habe: „Jüdischen! Korporationen (paritätischen B. C. wie Tendenzkorporationen) soll grundsätzlich keine Genugtuung gegeben werden. Die Judenbestimmung des Coburger L. C. wird wie bisher vom Rassenstandpunkt aus gehandhabt." Tagung der „Vereine Deutscher Studenten". Vom 9. bis 13. August fand in Kelbra am Kyffhäuser die '35. Tagung des K y f f tz ä u s e r v e r b a nd e s der Vereine Deutscher Studenten statt. Hindenburg und Ludendorff wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Fragen des bedrohten Deutschtums in den Grenzmarken und im Auslande. Der Verband stellt als Ziel auf: kulturelle und-staatliche Einigung aller Deutschen, Unterstützung der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei in ihrem Kampfe? für die Erhaltung ihrer deutschen Eigenart, wärmstes Einsetzen für den Anschluß Deutschösterreichs an das Reich. In den studentischen Fragen will der Verband hinwirken auf eine Einigung aller deutschvölkischen

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