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KC-Blätter · 1920-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1920) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 6-8 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 76 (sequence 18)
Language
German
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WMM8;* :■ £v, ^führenden Geister Israels in immer reinerer Weise Meschant,' alsdeneinigen"' Gottaller Völker des Kxdkreises, den Schöpfer und Erhalter des „Welt- Klls, den Höchsten Gesetzgeber und gerechten Richter der Menschheit". Urck man sage nicht etwa, das sprach der Delitzsch , von 1914 und die „große-Täuschung" spiegelt sein Heutiges Denken wieder. Nein, die große Täuschung ist ra, wie er im Vorwort sagt, 1914 schon fertig gewesen? So voller Widersprüche ist der Mann, der die Heiligkeit der Bibel um der Wahrheit willen in Zweifel zieR. Was liegt eigentlich dem Buch zu Grunde? Sage» wir es nur deutlich, es ist eine einfache bewußte antisemitische Tendenzschrist. Der Welt sollen in dem Augenblick, da die Judenstage wieder als Zeichen der Hohen Kultur unseres Geschlechts eine Rolle spielt, die Augen geöffnet werden, was für ein gemeines, grausames verlogenes Volk die Juden sind; daß es — das ins Stammbuch der Zionisten — eine Frechheit ist, zu sagen, in Palästina würde Israel gemäß ferner alten Kultur Lin Leben in Würde und Hoheit führen. Nie habe Israel Hoheit und Würde gehabt. Zu diesem Zweck wird aller Kohl der Nassentheoretiker oufgewarmt, vor allem der, daß Jesus kein Jude gewesen sei. Der Beweis ist der übliche aller Rassentheoretiker dieses Schlages, deren Akrobatenkunststücke Ehre und Anschen der deutschen Wissenschaft schärcken. In Jesus war Hoheit und edelste Gottesauffassung, in einem Juden kann nichts Gutes sein, also darf Jesus kein Jude gewesen sein; und damit die Sache einen wissenschaftlichen Anstrich hat, wird noch rasch erwähnt, daß Jesu's Heimat Galiläa ttüwgermanische Elemente hatte, der arische Ursprung kann möglich sein, also ist er sicher. Wers jetzt noch nicht glaubt, dem ist eben nicht zu helfen. Die Juden, sägt Delitzsch, sind eine Gefahr, denn sie sirck vaterlarckslos, nicht bloß aus Zwang, soickern aus eigenem Wollen. Als Chrus die Rückkehr nach Palästina gestattete, „da blieben viele Juden in Babylon zurück, einzig und allein angelockt durch die in dem unermeßlich reichen babylonischen Lande sich darbietenden Möglichkeiten leichten Gelderwerbs (Delitzsch kennt natürlich die Gründe der Handelnden vor Jahrtausenden ganz genau). Diese freiwillige Nichtheimkehr des weitaus größten Teils des jüdischen Volkes . .... blldet einen nicht abzuwaschenden Schandfleck auf der Geschichte des jüdischen Volkes und enthüllt gleichzeitig in nacktester Weise dessen ureigentlichen Charakter." Daß viele nicht heimkehrten, weil das verödete Palästina nicht so viel Menschen auf einmal fassen konte, dafür hat Delitzsch kein Verständnis. Man ziehe einmal folgende Parallele: .Deutschland ist heute In großer Not, es braucht jeden Volksgenossen, wo immer er bisher wohnte. Aber leicht ist les heute nicht in Deutschland zu leben. Was würde wohl Delitzsch sagen, wenn man von Ausländsdeutschen, die nicht heimkehren, sagen wollte: „Diese freiwillige Nichtheimkchr so vieler bildet einen nicht abzuwaschenden SchandflÄ auf der Geschichte des deutschen Volkes und enthüllt gleichzeitig in nacktester Weise dessen ureigenllichen Charakter, denn jene blieben zurück in ihrer neuenHeimat einzig und allein angelockt durch die im fremden Lande sich darbietenden Möglichkeiten» leichten Gelderwerbs?" Man müßte dann nach Delitzsch überhaupt jü>en Auswanderer als vaterlandslos und charakterlos bezeichnen, und was. das für seltsame Konsequenzen hätte, kann sich jeder selbst ausdenkeui. Die Juden, sagt Delitzsch, sind eine Gefahr; wie begründet er das? „Es liegt auf der Hand, daß ein solch absichtlich vaterlarwsloses Volk für alle übrigen Völker eine große Gefahr darstellt." „Es liegt auf der Hand", das rst der Beweis. Sprach man nicht einst mtt Stolz von der Gründlichkeit des deutschen Professors, und sieht das nach Gründlichkeit aus? Für den deutschen Christen, meint Delitzsch, sei die Verbindung mtt dem alten Testament ganz zu lösen. Statt seiner solle treten — es ist schwer nickt zu lachen — Schwaners „Germanen-Bibel". In die germanische Heldensage soll er sich vertiefen und dm \ deutsche Tugend lernen. Rasch einen Aemen Auszug aus der germanischen Heldensage: „Brunhildläßt Siegfried meuchlings ermorden, Krimhild lockt ihre BrAder und deren Mannen in 'Etzels Hof, um sie zu verderben; will sie veranlassen, ihre Waffen abzugeben, um sie wehrlos niÄermetzeln zu lassen, zürwet den Saal über ihren Köpfen an, um sie zu ersticken, und läßt ihrem eigenen gefesselten Bruder Günther den Kopf Abschlägen". (Friedrich Caro: Vom Judengott, Philo-Berläg, Berlin.) . In seiner Verblendung scheut Delitzsch nicht vor Entstellungen zurück Ohne Erröten fügt er von sich aus dem Satz der Bibel „Du sollst deinen Nächsten lieben wie Dichselbst" den Zusätzen: „das ist den Volksgenossen", um so in dem Leser den Eindruck zu erwecken, daß die Bibel selbst diese einschränkende Erklärung gebe und also die umfassende Nächstenliebe gegen jedermann nicht kannte. Wen» das irgend ein Antisemit - sagt, kann man ihm noch guten Glauben zugestehen, Delitzsch aber ist Sprachforscher und muß wissen, daß das hebräische Wort „rea" mehr bedeutet als den Volksgenossen, daß es ständig verwandt ^wird in der Phrase: „isch lereehu einer dem andern" und also den anderen schlechtweg bedeutet, daß es in Cx. 11,2 von dem - Ägypter gebraucht wird, also dem notorischen Nichtvolksgenoisen. Darüber hinwegzugehen heißt, den Tatsachen ins Gesicht Magen. Und nicht anders ist es mit seiner Übertragung von „ger" als Schützling. Ohne sich zu bedenken, übersetzt er jedesmal, wo davon die Rede ist, daß man 'den ger, den Fremdling, nicht bedrücken dürfe, dies Wort mit „Schützling". Warum das? Nun, ganz einfache Wenn in der Bibel stünde, daß man den Fremdling lieben müßte, dann wäre doch in dem Juden Hohen und Reinheit, und das darf . doch nicht sein, denn er, Delitzsch, hat doch dekretiert, daß die Bibel nichts taugt und die Juden nichts taugen, «und Was ein Professor lagt, muß doch wahr sein. Also wird flugs aus dem Fremdling ein Schützling, d. h.: „die innerhalb Israels lebenden und gleich den Israeliten beschnittenen Abkömmlinge jener Wüstenstamme, die sich schon bei Israels Auszug aus Ägypten diesen angeschlossen". Und also übersetzt er Mnz lustig: „.Einen Schützling sollst Du nicht bedrängen, Ihr wißt ja, wie es einem Schützling zumute ist, denn Schützlinge wart ihr im Lande Ägypten," und merkt gar nicht, wie unsinnig diese Übersetzung ist. Es Hatte einen Sinn, zu befehlen: Ihr sollet nicht den Fremden bedrücken, denn ihr wißt ja, wie dem Fremden zumute ist, wart ja selbst als Fremde dem Drucke ausgesetzt in Ägypten; mit dem. Worte Schützling aber verliert des Gesetzes Begründung nicht bloß!ü»en Duft und 'Reiz, sondern vor allen Dingen jünn Sinn. Der Wahrheit will Delitzsch dienen, aber das heißt nicht der Wahrheit dienen, die Dinge verzerren, nur das sehen, was zur eigenen vorgefaßten' Meinung paßt oder passend gemacht werden.kann, und alles andere übergehen und nicht sehen, das ist nicht Wissenschaft, das ist, .... nun, das ist einfach antisemitisch! Die „große Täuschung" wild damit zu einer Schrift im Stile Fritschs und Dinters, und dazu sollte sich Delitzsch, der einen Ruf, und noch dazu einen deutschen Gelehrtenruf, zu verlieren hat, doch zu gut

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