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KC-Blätter · 1920-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1920) · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 6-8 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 69 (sequence 11)
Language
German
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schaft werfen, und nicht eine breite Schicht unseres Volkes geradezu minderwertig hinstellen." „Wir brauchen beute keinen Antisemitismus, keinen Sozialistenhaß usw. Was uns bitter nottut, ist die sich in positiver Arbeit bekundende Vaterlandsliebe. Unserem Volke gebt es zu schlecht, als daß wir etwas anderes tun dürsten als ihm zu Helsen. (Deshalb.. sind ja auch die Marburger Vorgänge so entsetzlich traurig.) Jeder, auch der alte Burschenschafter, hat dabei das Rechtnach bestem Wissen und Gewissen selbst zu urteilen, auf welchem Wege er dies am besten tun zu können glaubt. Treibt ihn sein Weg in die Arme z. B. der unabhängigen Sozialdemokratie, so kann man ihn mit sachlichen Gründen bekämpfen. Aber ein Interdikt gegen ihn loszulassen, ist nicht die einer freiheitlichen Gesinnung entsprechende Kampfesweise, entspricht auch nicht den heldenhaft großen Traditionen der Deutschen Burschenschaft, deren erste Vorkämpfer unter schweren Verfolgungen ihre Ideen vertreten haben. Man versuche doch nicht aufs neue, Ideen mit Gewalt totzuschlagen! Die Burschenschaft sollte stolz sein, in ihren Reihen Männer zu haben, die sich nicht damit begnügen, im engeren Rahmen ihres Berufes zu wirken, sondern deren Gesichtskreis eine große Gedankenwelt umspannt, die sich von ihrer Jugend auf eine tiefe.Begeisterung für den Fortschritt der Menschheit bewahrt haben und die mit Martin Luther sagen: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!" . Wo aber das Verständnis für solche Auffassung der Dinge geschwunden, .wo man nicht mehr Verehrung oder mindestens Achtung vor einem Kampfer empftndet, auch wenn man seine Auffassung nicht zu teilen vermag, da beginnt das Reich des Philistertums, das. der echte Bursche bis in den Grund seiner Seele hassen muß. Und deswegen glaube ich auch nicht, daß die Beschlüsse des.Burschentages, die wohl in der Erregung der Zeit gefaßt smd, von langer Dauer sein können. Schon jetzt kann gesagt werden, daß die Resolutionen ganz, gewiß nicht die Mehrzahl derjenigen Burschenschafter Sinter sich haben, deren Einfluß über die studentischen Kreise hinausgeht und das politische Leben der ganzen Nation umspannt." D alle Burschenherrlichkeit. Die „Freie Welt", illustrierte Zeitschrift der unabhängigen Sozialdemokraten brachte in ihrem Heft 23 drei Abbildungen des Studentenklosetts der Universität Rostock, die für den geistigen Tiefstand mancher Kreise unserer deutschnationalen Jugend sehr bezeichnend sind. Die unflätigstenjudenfeindlichen Bemerkungen, die man an dieser Stelle inhaltlich nicht wiedergeben kann, bedecken alle Wände, und es packt einen geraden ein Ekel, wenn neben! ‘ gemeinen Ferkeleien wieder pathetische Worte zur Verherrlichung des deutschen Vaterlandes stehen, die in einer solchen Umgebung sich wie Blasphemieen ausnehmen. Diese Veröffentlichung zeitigte nun das aus dem alten Preußen bekannte Ergebnis. Wenn nämlich, früher einmal beispielsweise die Verfehlung eines Beamten oder eines Amtes in einer Zeitung gebrandmarkt wurde, pflegte man nicht etwa die Angelegenheit zu untersuchen und den schuldigen Beamten zur Rechenschaft zu ziehen, sondern man leitete ein strenges Verfahren gegen jene ein, die der Zeitung das Material geliefert halten! So bat denn der Rektor die Erstchargierten unserer K. B. Hansea und der zionistischen Verbindung in seiner Sprechstunde zu erscheinen und richtete an die Herren die persönliche Bitte, dem Asta zu erklären, daß beide Korporationen der Sache fernständen und sie bedauerten! Dies wurde sofort abgelehnt unter Hinweis auf alle, die WZ vielen Fälle, in denen die jüdischen. Studenten aufs Schamloseste angegriffen und angepöbelt worden waren, ohne daß jemals eine Mißbüligung laut geworden wäre. Zwei Tage spater fand eine neue Unterredung statt, in der die beiden Verbindungen dem Rektor-eine längere Erklärung überreichten. Diese Erklärung bietet ein geradezu trostloses Bild von den Zuständen, die sich in Rostock herausgebildet haben, und spätere Generationen werden vielleicht mit tiefer Beschämung, ein solches Zeugnis von der geistigen Unkultur mancher Teile der deutschen Jugend lesen. Wir geben aus dem Dokumente einige bezeichnende Abschnitte wieder. „Korporationsstudenten scheuten sich nicht, sowohl Zivilals auch Militärpersonen auf offener Straße auf ihre jüdischen Kommlltionen. zu hetzen; dabei kam es im Juli v. Js. als sich jüdische Studenten gegen die aller studentischen Würde hohnsprechende illustrierten Flugblätterdie von Studenten am Palais angeklebt waren, wandten, am hellen Tage aus dem Blücherplatz zu Zusammenstößen. Kein Wort der Mißbüligung wurde seitens des Asta oder der Universitätsbehörden laut. Infolge verschiedener anderer Vorgänge war schließlich das Verbreiten aufhetzender Flugblätter innerhalb und im Schatten der Universität . verboten worden. Dieses Verbot blieb auf dem Pajner, und eine dem damaligen Herrn Rektor vorgetragene. Beschwerde hatte keinen Erfolg. Über die Schwierigkeiten, die einer Beteiligung der unterfertigten Verbindungen seitens des Asta anläßlich der-Jubiläumsfeierlichkeiten bereitet wurden, soll gär nicht erst gesprochen werden. Erwähnenswert bleibt immerhin, daß beim Festzug durch die Stadt die mitunterzeichnete Verbindung im K. C. Hansea in wüstester Weise angepöbelt, ausgepfiffen und. mit ganzen Stapeln von anttsemittschen Flugblättern beworfen wurde. Dabei wurden Studenten von der. Polizei festgestellt. Beim Festkommers in der Tonhalle erhielt dieselbe Verbindung einen abenteuerlichen Platz im Nebensaal am Ausgang neben den Pedellen. Die Verbindung verließ daher, nachdem sie bei dem anwesenden Vertreter des Asta protestiert hatte, den Saal. Beim Kapp-Putsch wurden die jüdischen Mitglieder des Zeitfreiwilligen Batl., dem sie seit Gründung angehört hatten, nachdem sie ein Student dem Führer Hauptmann Blüchow gegenüber als Juden bezeichnet hatte, ohne weiteres enllassen. Satisfaktion wurde jüdischen Studenten mit der Begründung verweigert, Juden gebe man keine Genugtuung. Dies, sowie die Erklärung der Mehrzahl der nichtjüdischen Studenten in einer allgemeinen Studentenversammlung, jüdische Studenten könnten nicht in studentischen Ehrengerichten sitzen, zeigen das Bestreben, die Juden als Menschen minderer Ehre hinzustellen. Wie sonst in Wort und Schrift an allen Orten Rostocks gegen die jüdischen Studenten gekämpft wurde, wie sie beschimpft, verhöhnt, besudelt wurden, unter dem Jubel fast der gesamtest Studentenschaft, davon geben die Studentenversammlungen, das blöde Gescharre während der Vorlesungen, sobald das Wort Jude fällt, die beschmietten.und beklebten Häuser Rostocks und nicht zuletzt die Bilder aus dem Rostocker Studenklosett beredte Auskunft. Nie und an keiner Stelle ist über alle diese schamlosen Vorgänge von irgend einer dazu berufenen Seite, sei es die Universitätsbehörde, sei es der Asta, öffentlich eine Mißbüligung oder gar ein Bedauern ausgesprochen worden. Eine einzige Ausnahme davon macht der Anschlag des Asta betr. der Inschriften I auf den Klosetts.. Dieser erfolgte jedoch nicht aM

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