KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 68 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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OS '• .V* VK* „Man" Hatte nach dem recht geheim gebliebenen Beschluß, in -Großmut Len K. C. gewarnt und ihm: geraten, dem Beschluß zuvoizukommen. Und händeringstd mußte man erleben, wie der gutgemeinte Rat »mißachtet wurde. Wer ist dieser besorgte „man", der Mas Vo^ehen des ach so klugen K. I. B. zu rühmen wÄß? Wir vermuten, daß er der famosen „Liste ^Wischer Studenten" nicht fern steht, und das Hamburger Israelitische Familienblatt, das dem Wolf im Schafskleide Gehör schenkte und die Notiz ver- Lffentlichte, mag sich damit trösten, daß so etwas schon noch klügeren Leuten passiert ist. Für diese Zeitung mag die einzige GenMtuung! bei dem Remfall darin bestehen, daß man in seinen Spalten schon lange dem K. C. nichts ausgeiwischt hatte. Was aber die „schwierige Lage" der Berbiwung anbetrifft, so ist das allerschwierigste - daran, daß kein Mensch von ihr etwas weiß. Hat sie doch bei ihrem dreißigsten Stiftungsfeste mit ihrer außerordentlich starken Aktivitas recht erhÄliche Zeichen eines sehr kräftigen und um die Zukunft wenig besorgten Lebens von sich gegeben. Die deutsche Burschenschaft, g-.|g Vom 4.—T^Äugust tagte in Eisenach die Deutsche Burschenschaft, und nahm u. a. folgende Beschlüsse an: 1. Die bisher geübte Ablehnung der Aufnahme von Nichtariern in die Deutsche Burschenschaft wurde in den Grundsätzen der neuen'Befassung in folgender Form zum Ausdruck gebracht: „Mit aller Kraft tritt die Deutsche Burschensch aft für die Erhaltung und Pflege Deutscher Eigenart, Sprache und Sitte ein. Die Deutsche Burschenschaft steht auf dem Rassestandpunkt, deshalb dürfen nur deutsche Studenten arischer Abstammung in die Deutsche Burschenschaft ausgenommen werden. Me Deutsche Burschenschast verpflichtet sich aufs neue, ihre Mitglieder zu völkischem Bewußtsein zu erziehst." 2. „Die Deutsche Burschenschaft erkennt an, daß Mitglieder, die internationale oder separatistische Parteien unterstützen, nicht mehr Angehörige der Deutschen Burschenschaft., sein können." Nach Zeitungsnachrichten ist der zweite Beschluß gegen den Unabhängigen Dr. Breit scheid gerichtet, der noch immer das Band «einer D. B. Burschenschaft trägt. Aus absolut sicher erscheinender Quelle erfahren wir aber, daß die Sache ganz anders liegt. Es Handelt sich um einen Putschversuch in Frankfurt am Main, bei dem unter Beteiligung oder wenigstens stillschweigender Billigung von Burschenschaftern die Hauptwache gestürmt worden ist und das Publikum zur Teilnahme an dem Aufruhr gegen die Regierung aufgefordert wurde. Glücklicherweise ohne Erfolg. Derartige revolutionäre Gesinnung darf sich natürlich die Burschenschaft nicht gefallen lassen. Sollten die Beteiligten nicht von selber die Burschenschaft verlassen, so liegt für den nächsten kVerbandstag ein Antrag auf ckümssio o. i. vor. Da freilich der Putsch, bas Frankfurter Attentat, bereits aM 3. April 1833 stattfand, sind die-Verbrecher tot und werden von allein nicht austreten. Deshalb schwebt gegen sie das Verfahren, um die Burschenschaft von diesem MaM zu befreien. Und unter andern wird das Band den Burschenschaftern Friß Reuter und Heinrich Laube wegen revolutionärer Gesinnung abgesprochen werden. Auch der Raczek Ferdinand Lassalle wird der Einfachheit halber bei dieser Gelegenheit c. i dimittiert werden. Eine nachträgliche renge Untersuchung der skandalösen revolutionären Zvrgänge beim Wartburg feste wird erwogen.. - Ja, ja, es ist ein wahres (Haken-) Kreuz mit einer großen Vergangenheit! Urw die Burschenschaft würde froh sein, wenn-man sie endgültig mit dem Eisenacher Beschluß von 1920 zu Grabe getragen hätte. Nur hat sie leider die Unangenehme-Eigenschaft, daß sie sich schwer umbringen läßt, und so ist zu fürchten, daß sie der Burschenschast noch manche unangenehme Stunde bereitet. . . Dieser zweite Beschluß wirkt mehr lächerlich als tragisch. Wilhelm Liebknecht besaß .bis zu seinem Tode das Band seines Korps- Und in Form der üblichen Annonce zeigten seine jungen Korpsbrüder den Tod Mes alten Herren an. Und wie viel vornehmer und klüger mutet uns solches Vorgehen an, wie schwach muß sich die deutsche.Burschenschaft fühlen, wenn sie einen einzigen Breitscheid_nicht ertragen kann! Der erste Beschluß, der das Wort „Jude" angeblich meidet, ist der Schlußstein einer Entwicklung, die sich lange angebahUt hatte. Sie drückt das Siegel unter ein längst geschriebenes und ausgeübtes Statut. Jetzt sind Liberalismus, freiheitliche Tradition und politische Einsicht auch offiziell abgeschafft, die Konkurrenz des A. «D- B. — sie ist der wahre Grund für den Beschluß — hat bewirkt, daß die Deutsche Burschenschast sich der antisemittschen Parole auch satzungsgemäß verschreibt. Zum Scherze ist in einer Zeitung gefragt worden, ob nicht auch das Hakenkreuz zum offiziellen Erkennungszeichen der D. B. bestimmt werden witd. Wir vermögen darin keinen Scherz zu erblicken.! Alte Burschenschaster, die noch politischen Blick und Verständnis für das Wesen der Burschenschaft haben, wenden sich gewiß mit schwächlichen Protesten gegen diese Beschlüsse. Vrel Sinn hat das Protestieren und die Berufung auf Vernunft, Gerechtigkeit und Tradition nicht. Heute beherrscht der ungezügelte Hatz gegen den Juden die jungen Seelen und bewahrt sie vor jedem Eindringen der alten.burschenschaftlichen Tendenzen. Immerhin seien einige Sätze aus einem Artikel des Burschenschafters Dr. Hans Wehberg im „Berliner Tageblatt" (dorthin mußte er sich flüchten!) vom 20. .8. 20 abgedruckt: „Man wird verstehen, daß in den Kreisen alter Burschenschaster, die von -der Notwendigkeit einer wahren Kultur- und Rechtspolitik erfüllt sind, die jüngsten Eisenacher Beschlüsse des Burschentages, der Anfang August getagt hat, nicht ohne starke Bedenken ausgenommen worden sind. Man hatte gehofft, daß sich die Deutsche Burschenschast nach Iden politischen Erfahrungen der letzten Jahre unter starker Betonung wahrer Vaterlandsliebe von einer einseitig völkischen Orientierung und der Unterstützung nationalistischer Verbände freigemacht und ihre Grundsätze den Erfordernissen der Gegenwart angepaßt hätte. Leider ist das nicht der.Fall. Zunächst Hat die Deutsche Burschenschast, die in früheren Jahrzehnten zahlreiche Juden unter ihren Mitgliedern hatte, erneut den Grundsatz der -Ausschließung von „Nichtariern" betont. Wie verfehlt der Antisemitismus ist, hat noch kürzlich der rechtsstehende Politiker v. Oppeln-Bronikowski in" seiner Schrift „Antisemitismus?" (Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte) bewiesen, und hat noch kürzlich der Austritt des alten Burschenschafters v. Gierke aus der Deutschnationalen Bolkspartei dargetan. In einer Vaterlandes zu einigen, sollte man nicht eine neue Saat des Hasses in die Kreise der Studenten- - - "vA* "fr - Jr