KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 67 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Waffe in der Hand zu erziehen, hat die eben begründete Einstellung zur Folge, daß unsere Bundesbrüder sich daran gewöhnen, Beleidigungen, antisemitische Pöbeleien usw. einfach zu überhören, mit der Begründung, es sei zwecklos, irgendwie sich für solche Dinge zu exponieren. Diese Stellungnahme hat verhängnisvolle Folgen für die Erziehungsarbeit. Es dürfte ein kaum zu bestreitendes Urteil sein, daß, wo nicht strenger Sportbetrieb an die Stelle getreten ist, , unsere Bundesbrüder durchaus schlapper und energieloser als früher sind. Das hat dann wieder Folgen für die ganze Auffassung der Bundesbrüder von Disziplin, Unterordnung und Gemeinschaft. Es wäre hier die Frage zu stellen: Ist unsere Erziehung in diesem Punkte falsch, hatte nicht die Satisfaktion (bei ihrer selbstverständlichen Unmöglichkeit, von der gar nicht zu reden ist (!!!) das eine Gute, daß sie unsere Bunoesbrüder mannhafter und disziplinierter machte? Wie kann man, wenn man die Richtigkeit der zionistischen Deduktion einsieht zu anderen Resultaten kommen? Es bleibt nur übrig, das persönliche Ehrgefühl des Einzelnen anzustacheln. Wirllich starke und kraftvolle Menschen (und die zu erziehen ist uns erste -Aufgabe) reagieren auf Ehrbeleidigungen jeder Art instinktiv, und es kann nur ein arger Rückfall sein, wenn unsere Bundesbrüder sich mit derartigen logischen Erwägungen betäuben. Wie in allen anderen Dingen greift , auch hier eins in das andere über. Machen wir in diesem Punkte unsere Bundesbrüder stärker und natürlicher, so. werden sie auch zionistisch zielbewußter, in der Gemeinschaft disziplinierter sein. Es ist in diesem Punkte recht viel zu ändern." . Der Verfasser steht mit der Grammatik auf gespanntem Fuße, und er hat darum in Bezug auf die Satisfaktion genau das Gegenteil von seiner eigentlichen Meinung zu Papier.gebracht. (Er wollte Wohl sagen: „... die Satisfaktion, von der bei ihrer selbstverständlichen Unmöglichkeit gar nicht zu reden ist".) Er scheint aber. dahinter gekommen zu sein, daß in der Satisfaktion insbesondere für den jüdischen Studenten mehr steckt als Nachahmung einer äußerlichen studentischen Sitte. Er kennt ja die Zustände im K. J.V. besser als wir- Wenn sich aber tatsächlich die von ihm gerügte Stellung gegen antisemitische Angriffe und Beleidigungen auch nur bei einzelnen findet,und wenn er diesen bedauerlichen Zustand auf die Aufhebung der Satisfaktion zurückführt, so liegen die logischen Schlüsse ziemlich nahe. Der „Jüdische Wille" das bisherige öffentliche Organ des K. I. Vstellt nach der nächsten Nummer sein Erscheinen bis zum Kartelltag ein. Humor. In der „Jüdischen Turn- und Sportzeitung" (Dezember 1919) lesen wir folgende hübsche Stilblüte, die wir nur unter der Rubrik „Humor" verzeichnen können. „Was wir aber nicht fassen können, ist, wie heute ein Jude antizionistisch sein rann. Hat man.sich das überlegt? Hat man sich überlegt, daß dies Abfall bedeutet. Hochverrat, nationale Taufe!" In diesem Stile geht der giftige Artikel, der sich gegen die „Kameraden" wendet Und für die Geistesverfassung mancher Leute bezeichnend ist." Da sind doch andere Leute in der Bekämpfung ihrer Gegner, bedeutend witziger. Der vom Rabbiner vr. Emil Eohn herausgegebene zionistische ,,Jüdische Bote vom Rhein" veröffentlicht folgenden Vertrag: ' Im Religionsunterricht zu D—dorf -geschah es kürzlich, daß der Lehrer den Sekundanern die Entstehung der „schädlichen Sekte der Karäer" schilderte und in der nächsten Stunde ein Schüler, zum Wiedererzählen aufgefordert, von seinem Sitze emporschnellte und dem verdutzten Lehrer entgegenschrie: „Damals entstand die schädliche Sekte der K. E.ev" Wenn n u n der K.C. nicht ausgerottet ist, dann muß es doch noch bestimmt an etwas anderem liegen,' als an der geistigen Kraft des Herrn Verfassers dieser fulminanten Leifttrng. Hoffentlich hat er sich nicht ganz verausgabt. Oder ist er vielleicht der Verfasser eines wundervollen Flugblattes, das in Heidelberg zur Wahl der „Liste jüdischer Studenten" aufforderte und folgenden Satz enthielt: „Der K. C- (Liste deutscher S tudenten jüdischen Glaubens) hat ein. gemeinsames Zusammenarbeiten unter nichtigen Gründen abgelehnt." Aus „nichtigen Gründen"! Kurz vorher hatte nämlich Herr Nach um Goldmann in Heidelberg einen Vortrag gehalten und bei dieser Gelegenheit in wahrhaft rührender Bescheidenheit nicht nur tfür sich — er als Russe hat das Recht dazu — sondern der Einfachheit halber gleich für alle deutschen Juden die Erklärung abgegeben, sie seien keine Deutschen und hätten darum in deutschen Dingen nicht mitzureden. So ähnlich wie in Götttngen, wo ein Zionist namens Dr. Perser unter frenetischem Beifall aller Antisemiten, denen zu gefallen manchen Leuten die Krönunechten Judentums zu sein scheint, dieselben Gedankengänge produzierte. Ja, ja die bösen K.C.er! Lehnen gemeinsame Arbeit mit solchen -selbstlosen Freunden ab. Unter „nichtigen Gründen"! Es gibt eben noch Leute, die Sinn für gesunden Humor haben. . Beixdieser Gelegenheit eine Frage! Man liest.so viel von dem „freien Bekenntnis zur jüdischen Nation", von der „Offenheit" und „Aufrichtigkeit", mit der man auftrete, daß man nichts anderes zu sein vorgeben dürfe als man wirllich ist. Und donnernde Worte aus Herzen, die ob der Unehrlichkeit der Assimilanten, der „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" tief erschreckt sind, suchen sich besonders gern den Weg zur nichtiüdischen Welt. Woher mag es denn nur kommen, daß die Zionisten bei den. Astawahlen in Heidelberg, aber auch anderswo (so in Freiburg) nicht den Mut haben, sich offen und ehrlich als N atio naljuden zu bekennen, sondern verschämt eine „Liste jüdischer S t u d e n t e n" a u f st el e n? Oder hört hier der Humor auf und handelt sich es vielleicht gar um einen einfachen Wahltrick, eine Spekulation auf die Unerfahrenheit derer, die nicht alle werden? Tritt der Bekennermut zurück, wenn es sich um die Ergatterung eines Mandats handelt? \ Doch zurück zum echten Humor! Eine jüdische Zeitung brachte jüngst folgende Notiz: . „Heidelberg. Die im Waffenring vereinigten schlagenden Verbindungen haben nach ihrem ersten Beschluß, der Juden für . Rasse- und Religionsbeschimpfung der Satisfaktion verweigerte, nunmehr generell alle Juden für satisfaktionsunfähig erklärt. Da der Beschluß vorauszusehen war, hatte man von jüdischer Seite versucht, die K. C.-Beröindung zur Abschaffung der Satisfallion, die die K. I. V. Verbindungen längst vollzogen hatten, zu bewegen, um so dem Beschluß zuvorzukommen, jedoch vergeblich. Die Lage der Verbindung ist auf diese Weise sehr schwierig geworden." Hätte man einen Preis dafür ausgesetzt, möglichst viel Unsinn auf.einen möglichst geringen Raum zusammenzüpressen, diese Leistung verdiente ihn.