KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 63 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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behauptet hat, die aber doch vorhanden war, den Angehörigen gewisser studentischer Korporationen nicht inehr so hold sein werde, und man weiß auch, daß die Geltendmachung der Persönlichkeit in diesen schweren Zeiten, die nach der jetzt lebenden noch einige kommende Generationen durchleben werden, ganz andere Forderungen an den Einzelnen stellen muß, als sie vordem gestellt wurden. Diese im Unterbewußtem heute jedem akademischen Bürger vorschwebenden Tatsachen^ erbittern ihn, machen ihn blind und unfähig, vorhandene Umstände zll begreifen. Das nationale Unglück des deutschen Volkes komnrt dazu. Gerade die besten werden am tiefsten erschüttert. Aber gemachte Fehler, welche die eigene Klasse und Kaste betreffen, gibt man nicht gern zu, noch weniger, wenn man davon überzeugt ist, daß am deutschen Wesen die Welt genesen müsse. Daher kommt der, wie überall so auch hier so verhängnisvolle Gebrauch von mißverstandenen Begriffen: „Die Juden sind nicht Deutsche, weil sie kein deutsches Blut in ihren Adern aufweisen!" Als wenn es überhaupt ein deutsches Blut gäbe! Als wenn es auch nur germanisches Blut gäbe! Warum waren die Juden vor 50 und 60 Jahren in dem Urteile derselben akademischen Kreise gute Deutsche, als Corps und Burschenschaften gern Juden aufnahmen? Warum hat man sich damals an der Blutzusammensetzung nicht gestoßen? Sind etwa neue Entdeckungen in Bezug, auf der Blutmischung gemacht worden? Nein! Nur Gobineau ist wieder erstanden und mit ihm eine Romantik des Unglücks. Wer von den Herren, -die jetzt den Mund so voll mit ihrem Deutschbewußtsein nehmen, ist sich darüber klar, daß Gobineau in der wissenschaftlichen Welt niemals ernst genommen wurde und daß nur einige wenige Außenseiter seine zweifellos geistvollen Theorien als anderes angesehenhaben denn als unterhaltsame Phantasie? Professor Goldstein in Darmstadl hat in einer jüngst veröffentlichten Studie*) kurz und treffend in wissenschaftlicher Weise zum tausendsten Male diesen Nationalismus ab gefertigt. Es unterliegt k einem Zweifel, daß dieser Nationalismus sich bald überleben wird, wie alle Romantik einem gefährlichenRausche gleicht, welchem der Kater, wenn auch vielfach langsam, so in doch starker Heftigkeit zu folgen pflegt. Eines haben wir Juden aus unserer Geschichte gelernt: Leid in seinen Ursachen zu würdigen und aus dem Leide zu lernen. Darum können uns die Angriffe unserer Kommilitonen im Grunde genommen völlig kalt lassen. Die Anerkennung durch Waffenringe ist kein geschichtliches Zeugnis von irgendwelchem Werte. Daß wir gute Deutsche sind, brauchen wir uns weder von ^unfern Gegnern bescheinigen zu lassen, noch kann ims an der Anerkennung dieses *) Rassentheorie und Nationalismus. Schlächter, Neuwerkoerlag. Umstandes von einer Seite, die die Kriegspsychose noch nicht ganz überwunden hat, etwas liegen. Lassen wir sie in ihren Versammlungen uns herabsetzen. Mögen sie uns in unserm deutschen Werte schmähen und verleumden. Solches wird und kann uns nicht stören, die wir die Begriffe von Ehre, Freiheit und Vaterland in ihrem reinsten Inhalte von jeher vertreten haben und auch in Zukunft vertreten werden. Wir bedauern und beklagen nur die Unwahrhastigkeit der Agitation. Der Jünger wird lernen müssen, geistige Bewegungen auf die Grundlage der Wahrheit einzustellen. III. Nur bei schwachen Naturen können diese Angriffe Unhell anrichten. Leider muß festgestellt werden, daß der jüdische Nationales mu s immer mehr die Begriffsverwirrung des deutschen Nationalismus in sich aufnimmt und sich die falschen Beweismittel der Gegner 511 eigen macht. Von chm gilt dasselbe wie vom deutschen Nationalismus, nur mit der Maßgabe, daß der Kater, der diesem Rausche folgen wird, den Organismus des Judentrnns erheblich mehr erschüttern wird, als der deutsche Nationalismus dem deutschen Volke schadet. Wer Gelegenheit hatte, die jüdisch-nationalistische Literatur in den letzten Jahren zu verfolgen, wird dieselbe Romantik und dieselbe Unklarheit der Begriffe im Blätterwalde namentlich der nationaljüdischen Jugend wiederfinden. Allerdings wird da von deutschen Werten nicht gesprochen. Die sind wohl völlig aufgegeben und wehe dem Ketzer, der es wagen würde, irgendwelches deutsche Interesse etwa im „Jüdischen Willen" zu vertreten. Das. würde ja Verrat am jüdischen Volle bedeuten. Was die großen jüdischen Deutschen über Deutschtum und Judentum im Laufe des letzten Jahrhunderts in reicher Fülle und in tiefer Wissenschaftlichkeit geschrieben haben, wird entweder nicht berührt oder bei jeder Gelegenhell als längst überwunden hingestellt. Mynner wie Gabriel Rießer, wie Samson Raphael Hirsch, wie Moritz Lazarus, wie Abraham Geier, wie Hermann Steinthal scheinen nicht gelebt zu haben. Me die tiefgründigen Untersuchungen, welche die Begründer der Völlerpsychologie Lazarus und Steinthal auf Grund rastloser Denkarbeit uns hinterlassen haben, sollen in den Staub getreten werden. Da man sie nicht widerlegen kann, schweigt man sie tot. Schriften, wie die ewig junge Abhandlung „Was ist National?" von Moritz Lazarus werden als lächerliche Oberflächlichkellen hingestellt und die Sammlung „Treu und ftei" desselben Verfassers als Geistesfutter für das charakterlose und bornierte Assimllantengesindel gekennzeichnet. Ist es anders, meine Herrn Fuchsmajore vom B. I. St? Dieses Geschlecht ist ungeschichllich geworden und läßt sich von Judenhassern Derckatt und^ Gesinnung vorschreiben. Im 2. Jahrgang des „Jüdj-