KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Vas Llserne kreus I. Klasse erbleit: $8. Dr. meid. Emil Lömisohn (Thur.) Fuß-Art.- Reg. 26 (vor längerer Zeit). Vas Eiserne kreuz II. Klasse erhielt: Referendar Kurt Laser (Frib.). SerlMlgUNg: vr. Fritz W o l ff (Ghib., Thur.), dessen Eisernes 5kreuz II. Klasse in der Nr. 1/2 gemeldet wurde, ist nicht vr. meck. sondern vr. iur. Notizen. Bon vr. Ludwig Holländer (Lieariae^, Vorsitzenden des Geschästsführenden Ausschusses des K. C. I. Die häufig an mich gerichtete Frage, ob nicht die fortgesetzte Lektüre judenfeindlicher Schriftwerke ein Gefühl des Ekels und des Abscheus zur Auslösung brächte, muß ich in der Allgemeinheit verneinen. Die nicht ganz seltenen, geistvollen Äußerungen politischer Gegner lese ich gern und mit dem Bewußtsein, daß man nie genug vom Feinde lernen kann. Was heute ein Mann wie Stapel in Hambrtrg, oder Plenge in Münster über die Juden schreibt, bietet geistvolle Konstruktionen von Menschen und Verhältnissen, aber eben nichts anderes als Konstruktionen, künstliche Gebilde, die mit den vorhandenen Menschen ebensowenig rechnen wie mit den Tatsachen der Vergangenheit und Gegenwart. Man macht hier wie anderwärts die Beobachtung, daß die bürgerliche Gesellschaft und deren einzelne Schichten im Laufe der Entwicklung immer wieder Anlaß zur Schaffung, einer Art Romanliteratür gegeben hat, welche den wirklich vorhandenen . Menschen nicht entspricht und die zwar der Phantasie, aber nicht dem Wirklichkeitssinn der Verfasser Ehre macht. Bor etwa 70 Jahren hat WUhelm Heinrich von Riehl in seinem stilvollen und heute noch so lesenswerten Werk „Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Sozialpolitik" uns solche Visionen dargestellt. Man sieht in seinem Werk über die Famllie wie in dem über.die Arbeit den feinsinnigen Phantasten, der« viele Einzelheiten richtig gesehen, aber doch im Großen und Ganzen ein Gebäude geschaffen hat, das rein theoretisch genommen, einmal geschaffen werden könnte, aber die Wirklichkeit niemals gesehen hat. In gleicher Art hat der Instinkt unterdrückter und leidender Bevölkerungsilassen sich stets Trugbilder über diejenigen bürgerlichen Verhältnisse und deren Träger, welche zu Klagen Unlaß gegeben haben, gemacht. Darum ist die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte voll von Bewegungen, die sittlich begründet, menschlich verständlich, durch Verwechslung von Ursache und Wirkung, durch Verkennung von Persönlichkeiten, durch mangelnde Einsicht in die treibenden Kräfte, insbesondere aber durch falsche Fragestellungen zu den schwersten Verheerungen geführt haben. Ein fleißiger Geschichtsforscher sollte sich einmal der Person des Führers im Bauernkriege Thomas Münzer annehmen. Er wird uns darstellen, wie diese Persönlichkeit Tausende von Menschen in den Tod gehetzt hat lediglich aus den oben geschilderten Gründen. Und wenn wir heute an den deutschen Hochschulen Haß und Erbitterung gegen die jüdischen Kommllitonen Triumphe feiern sehen, so ist auch hier der Beweis geliefert, wie eine durch die Verhältnisse erklärbare, aber doch durch eine mißgeleitete Phantasie geschaffene Bewegung vorläufig scheinbar unaufhaltsame Fortschritte macht. II. An den meisten deutschen Hochschulen haben in irgend der einen oder andern Form die „deutschen" Studenten sich gegen ihre jüdischen Kommilitonen gewandt, um ihnen die Rechte der akademischen Bürger und die Gleichachtung zu entziehen. Auf den Grad der Intensität der Bestrebungen kommt es nicht an. In der Hauptsache findet sich fast überall dieselbe Behauptung in verschiedenen Verbrämungen wieder: „Ihr seid nicht Deutsche. Die deutschen Hochschulen sind nur für Deutsche bestimmt! Infolgedessen geben wir Euch keine Satisfaktion und erkennen Euch somit nicht als gleichberechtigte Söhne der alrnu raater an, die ihr von der schwarz-rot-goldenen Internationale seid. Waren die Farben „schwarz-rot-gold" auch damals schon Judenfarben, als die alte Burschenschaft das Lied erklingen ließ: „Das Band ist zerschnitten, war schwarz, rot und gold. Und Gott hat es gelitten, wer weiß, was er gewollt?" Wie ungeschichtlich ein großer durch Krieg und Revolution aus dem seelischen Gleichgewicht gebrachter Tell insbesondere der farbentragenden Studentenschaft ist, geht daraus hervor, daß gerade von dieser Seite die neuen Reichsfarben beschimpft und bespöttelt werden, und vornehmlich von solchen Kreisen, denen diese Farben auf Grund einerlangen, ehrenvollen geschichtlichen Entwicklung heilig jein sollten. Im Grunde wird diese Abneigung gegen die „Judenfahne" von anderen Gesichtspunkten getragen als sie in der Öffentlichkeit zugegeben werden: von der Empfindung urw dem Bewußtsein, daß die Revolution — ob mit Recht oder mit Unrecht, mag an dieser Stelle nicht erörtett werden — mit alten Rechten und Vorrechten aufgeräumt hat und daß für das Verschwinden so vielex angenehmer Attribute des menschlichen Lebens, die gerade dem akademischen Bürger wintten, irgend ein Sündenbock gefunden, werden müsse. Man fürchtet in der akademischen Jugend, daß die neue Zeit und damit das Verschwinden der alten Protektionswirtschast, die sicherlich nicht so schlimm gewesen ist, wie man