KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 46 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Akademische und allgemeine Nachrichten. Antisemitismus ' in den „Berliner Hochschnlnachrichten". Die „Berliner Hochschulnachrichten" werden vom Nachrichtenamt der Studentenpertremng der Friedrich-Wilhelms-Universität herausgegeben, und so dürste man denn eigentlich verlangen, daß sie die Interessen oller Studierender vertreten und nicht einem Teile gegenüber seindselig entgegentreten. Die Nummer 3 vom 1. Februar 1920 benutzt nun eine Kritik des Arnold Zweigschen Dramas: „Die Sendung Samaels" zu einem Angriff aus das Judentum, der an Gehässigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Zweigs Stück wendet sich gegen das Ritualmordmärchen, und bekanntlich sind die in ihm verwerteten Vorgänge Wahrheit, buchstäbliche Wahrheit! Höhnisch schreiben aber die Hochschulnachrichten: „Nun wissen wir's: das auserwählte 'Volk des Herrn ist edel, hilfreich und gut, die'Christen -dagegen sind Wüstlinge, Rechtsverdreher, Dummköpfe u. dgl." Hierbei handelt es sich nicht umeine Kritik des künstlerischen Wertes des Stückes, sondern um eine., Stellungnahme zu den ihnen zugrundeliegenden Tatsachen! Und man darf sehr wohl sagen, daß eine solche Verbeugung vor dem schlimmsten Aberglauben und der dümmsten Gehässigkeit den Geist, aus' dem diese Zeilen entspringen, genügend charakterisiert. Und wenn vielleicht über die unverhüllte antisemitische Stellung noch Zweifel obwalten könnten, der Leitartikel, der die Wahlen zur Studentenvertretung behandelt, wird noch deutlicher. Er wirft einfach »Sozialisten und Juden" als die „links" stehenden Gruppen der Studentenvertretung zusammen, und erklärt dann, daß es sich bei „rechts" und „links" in der Hauptsache „um die mehr oder minder große Interessiertheit in völkischen Fragen" handele! Es wäre wohl nicht überflüssig, daß sich die Berliner Kommilitonen jüdischen Glaubens ein wenig näher mit diesem „amtlichen" Organe beschäftigten. Bernfsveratnng der Akademiker. Zu den Maßnahmen, die eine Besserung derNotlage des Akademikerstandes herbeiführen sollen, gehört notwendig auch die Berufsberatung. Die Berufsberatung hat die Aufgabe, den Schülern höherer Lehranstalten und den Abiturienten, wie auch den Studenten und den fertigen Akademikern in der Berufswahl mit Rat und Tat zur - Seite zu stehen, insbesondere ihnen die Zustände und Aussichten in den verschiedensten akademischen Berufen zu zeigen,, sie vor allem auf die sich herausbit» denden neuen Berufsmöglichkeiten hinzuweisen u. a. m. Sie übt damit gleichzeitig einen allmählich regulierenden Einfluß auf die Gestaltung des akademischen Arbeitsmarktes aus. Der Akademikerstand hat deshalb ein sehr großes Interesse daran, daß die Deutsche Zentralstelle für Berufsberatung der Akademiker, Berlin NW. 7, Georgenstr. 441*. dauernd lebensfähig und zur Erfüllung ihrer Aufgaben in der Lage bleibt. Die Zentralstelle, die ja schon auf. eine zweijährige Tätigkeit zurückblickt, steht , vor einer bedeutenden Erweiterung ihrer Arbeiten. Um lebensfähig zu bleiben, müssen jedoch die erforderlichen Geldmittel durch regelmäßige feste Mitgliederbeiträge iichergestellt sein. Die-Zentralstelle hat sich in diesen Tagen an alle Stadt- und Landkreise Deutschlands, - sowie an alle akademischen Verbände gewandt mit -der Bittet die Mitgliedschaft bei ihr zu erwerben. Sie . bittet die Akademiker, überall an den maßgebenden Stellen —den Stadtverordnetenversammlungen, Kreistagen, Provinziallandtagen, den Parlamenten der Bundesstaaten und des Reiches — für den Antrag nach Kräften einzutreten. Die -Akademiker erreichen damit, daß die Berufsberatung in den Beratungsstellen auf Grund zuverlässigen Materials ausgeübt wird, und sie beugen jener oberflächlichen Beratung vor, die gefährlich und schädlich ist. Sie sichern durch die Unterstützung der Bestrebungen der Zentralstelle den Angehörigen des Akademikerstandes die Möglichkeit, sich auf 'Grund der Veröffentlichungen ohne wesentliche Kosten über einzelne Berufe und ihre Aussichten selbst zu orientieren. Die D.Z. B.A. bittet vor allem die Akademiker, in ihren Verbänden darauf hinzuweisen, daß diese ausnahmslos ihr als Mitglieder beitreten. Die Technische« Hochschulen im Winter 1919/20. Die Zahl der au öeu 11 Technischen Hochschulen des Reichs eingeschriebenen Studierenden, die von 5000 im Jahre 1885 vor 20 Jahren bereits auf 14000 angewachsen war, dann zurückgiug und vor dem Krieg sich auf 12 200 belief, ist diesen Winter auf 18686 gestiegen. Mit den 930 Studenten des Polytechnikums Cöthen beläuft sich die - Gesamtzahl auf 19 586. Die jüngste Steigerung gegenüber dem' Sommerhalbjahr 1919 um 2000 ist auf die Heimkehr der Kriegsgefangenen zurückführen. Die außerordentlich hohe Besuchsziffer der Technischen Hochschulen rührt zu einem beträchtlichen Teil von der Stauung der Kriegszeit her, die noch einige Semester die Hochschulen Übervölkern wird. Die Zahl der noch in Gefangenschaft und in den Lazarette? befindlichen Techniker ist unbedeutend; der jüngste Nachwuchs der an den Technischen Hochschulen ihre Ausbildung empfangenden geistigen Arbeiter zählt also etwa 18000, wovon der größte Teil in kurzer Zeit den Arbeitsmarkt verstärken wird. Erstlinig wichtig ist, wie die einzelnen Studienabteil u.it g e n Ibesucht sind und welche Veränderungen hierin gegenüber normalen Zeiten eingetreten sind. Die heutigen Zahlen Und die Abweichungen gegenüber der Friedenszeit bringen nicht nur die Abwanderungen in andere Studiengebiete und die Berufsumstellungen tzum Ausdruck, die infolge des Kriegs und der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse und Aussichten einzelner Berufe eingetreken sind, sondern auch die augenblicklichen, auf den verschiedensten, hier nicht näher zu erörternden Gründen beruhenden jüngsten Tendenzen der Berufswahl. Man wird in einer kurzen Betrachtung diese Strömungen und Entwicklungstendenzen nur dann deutlicher erkennen, wenn man für die Veränderungen einen bestimmten zahlenmäßigen Ausdruck findet, z. B. die relativen Ziffern ermittelt. Bezüglich der Hauptstudienfächer zeigt dieser Weg eine ganz beträchtliche Abnahme der A r ch i t e k t e n, deren absolute Zahl seit Winter 1913/14 von 2250 auf 1877 - zurückging und deren verhältnismäßiger Anteil an der Gesamtzahl der Besucher der Technischen Hochschulen von 17,9 auf' 10,0 sank. Die Bauingenieure erhöhten zwar ihre Zahl von 2767 auf 2964, gingen aber verhältnismäßig von 22,6 auf 15,8 °/o zurück. Den stärksten Besuch und eine ganz unverhältnismäßig hohe Steigerung zeigen die Maschineningenieure/deren -es heute 5975 sind gegen 3118, bei einem'verhältnismäßigen Anteil von 32 gegen 25,5 o/o, während sie absolut und relativ vor 10 Jahren noch hinter den Bau- ingenieuren standen. Außerordentlich stark ist auch die Zunahme bei den Elektroingenieuren, die ihre Zahl von 1307 auf 2842 erhöhten und verhältnismäßig. 15,2 gegen 10,6o/o umfassen. Die Chemiker, Naturwissenschaftler und Phä r m azeu ten