KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 43 (sequence 17)
- Language
- German
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las sen. Klatzkm Hatte den Nationalismus der Diaspora bestehen lassen, nicht um seiner selbst willen, sondern weil die Entfremdung von der Heimat 'die Sehnsucht nach Palästina wachsen lasse. Zollschan ist milder und praktischer. Er will, -daß nicht nur ein ideales Palästinajudentum, sondern daß der Jude als gegebene Größe lebe. Darum lehnt er den Nationalismus in den Niederlassungsländern ab. Der Zionist in der Diaspora und der Zionist.in Palästina sind für ihn ganz verschiedene Wesen. Nur verbmiden durch das Band der „ethnischen Einheit" ist dieser ,ein nationaler Volljude, jener aber Lin Glied der Kultur des Niederlassungslandes und sein Zionismus besteht in wenig ^mehr als in der. moralischen - und materiellen "Unterstützung des .Ansiedlungswerkes." Ein Zionist in Zollschanschem Sinne unterscheidet sich von dem palästiuafreuudlichen Nichtzionisten nur dadurch, daß dieser den Hauptwert auf die Sache, auf die Kolonisation, jener aber auf die .Form des Zusammenlebens legt. Zollschan ist ein lebendiger Beweis für die Richtigkeit der durch die Äntinationalisten von jeher gehegten Meinungen und sein. Buch bedeutet einen Sieg derer, die stets die Gefährlichkeit des nationalen Systems bekämpft hat. Ihnen hat man die Kritik am System als hämisches Herabtreten einer großen Idee ausgedeutet. Und weinn auch diese Abweisung ihrer Kritik sie bestimmt glicht aus dem seelischen Gleichgewicht herausgebracht hat, sie freuen, sich heute »doch, daß ein bisher anerkannter Zionistenführer sich fast vorbehaltlos auf die'Seite der Zweifler und Nörgler geschlagen hat. Zollschau warnt in ernster Stunde! „Rückkehr zur Besinnung und die Benutzung dieser letzten Sekunde ist höchste'Pslicht!" Die nationale -Autonomie ist im Begriff dem Judentum schwere, fast tödliche Wunden zu schlagen. Möge Zollschans Ruf nicht im leeren Raume verklingen, möge er dazu verhelfen, daß Torheiten verhütet, jüdisches Interesse gewahrt'.werde, solange es noch Zeit ist. Unsere vaterländische Sesinnung. Von Max Mayer (Lic.). Mehr denn je bedürfen wir heute der inneren Klarheit über das. Wesen unserer vaterländischen Gesinnung, auf der sich die Erziehung unserer Mitglieder zu selbstbewußten Juden aufbaut. In der Zeit der größten Bedrückung, von außen und der betrübendsten Gehässigkeit, die uns aus den Reihen der eigenen Volksgenossen zu Teil wird, muß dieses Verlangen nach innerer Klarheit und Festigung noch stärker werden, besonders deshalb, weil die meisten vaterländischen Kundgebungen der letzten Zeik unter dem Zeichen der JudenhetzD standen. Diese. Liebe zum Vaterland.e, die denS^ Haß zur Grundlage hat, und die vermeintlich^ Trennendes in den Vordergrund stellt, famt nicht/ unsere Liebe sein; eine Gesinuung, die zum^/ Teil unmoralischen Motiven entspringt, kaum noch nicht einmal Achtung einflößen. “ : Wille und Gefühl sind die Quellen der vater-/,H ländischen Gesinnung. So wollen wir das Beste.M für das Land, mit dem wir uns innerlich ver- D Kunden fühlen. Aber, aus Willen und Gefühl-.D muß die Tat für das Vaterland entspringen. /A Dafür, daß der K. C. im steten Verfolg seiner /^ Bestrebungen die Hingabe seiner Mitglieder zum. M Besten des -deutschen Vaterlandes als selbstverstündliche Forderung aufgestellt hat, und daß diese Forderung erfüllt worden ist, bedürfte es lnfflf/ gegenüber den Antisemiten eines Beweises, heu '~' wir uns auch hier weigern würden, anzutreten.' 'f Aus Gründen der Peinlichkeit wie der Selbst-.-" / achtung! j/f Freilich geht es nicht an, die Tat zum Wert-. L messer der Gesinnung zu machen, wie ja ein und dieselbe Handlung aus den verschiedenartigsten, H Beweggründen erfolgen kann; die Gesinnung muß' J Wertmesser für die Tat sein. Deshalb soll die--/ folgende Betrachtung sich nur mit dem Willens- Ul und Gefühlsinhalt beschäftigen, der im Begriff s des Vaterländischen liegt. Wenn wir den politischen Tageskampf betrachten, so drängt sich uns die Frage auf: Gibt es überhaupt noch eine Liebe zum Baterlande, die der Gesamtheit des deutsches Volkes gemein- U sam ist? Gerade uns deutschen Juden, die wir/H uns des Gefühls der geistigen und seelischem A Vereinigung mit deutschem Gemüts-, KulturundS Geistesleben umsomehr bewußt' sind, als man es -4 uns bestreitet und zu rauben sucht, offenbart sich H diese Frage in ihrer ganzen erschütternden Tragik.' Denn wir wissen es wohl, daß in der letzten Zeit H keine vaterländische Kundgebung stattgefundeu hat^ H bei der wir nicht befürchten mußten, sie würdeH in eine Judenhetze ausMngen, und nur zu oft-H hat sich diese Befürchtung bewahrheitet. Oft sogarÄF waren diese Kundgebungen nur Mittel zum Zweck, den Judenhaß weiter zu schüren. DaA/ sie noch dazu einseitig parteipolitischen Charakter hatten, kann nur dazu beittagen, uns in dem? Gefühl zu bestärken, daß die-wahre Vaterlands-'-/ liebe eine andere sein muß. 'jjji Uns K. C. ern, denen der Begriff des Vater-M ländischen nie eine Parteisache war und nie eineF^ werden wird, übermannt Zorn und Ekel, wemtz eine politische Partei oder Vereinigung das vater-F ländische Gefühl, manchmal unter Aufpeitschun, der niedrigsten Instinkte der Massen, in di Schlamm des Parteikampfts hinabzieht, hatten immer Bertteter der verschiedensten politi-