KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ÄLertragung der Verhältnisse und Morderungen anderer, wirklich poli-- tischer Völker auf das unter völlig wanderen Bedingungen lebende Judentum ist. Der Nationalismus findet heute -seinen äußeren Ausdruck in der Forderung nach -nationaler Autonomie. Ihr ist Zollfchans Buch in seinem praktischen Teile, der in erster Reihe besprochen werden soll, gewidmet. Von ihr weist er nach, daß sie zunächst, keinerlei . Grundlagen habe, daß das Verlangen nach ihr demnach nur ieiue kraftlose Demonstrationspolitik darstelle.' Andrerseits aber weiß er mit guten Gründen -zu schildern, von wie unseligen Folgen für den großen Teil der Judenheit, der irr der Diaspora lebt uiib voraussichtlich für immer in ihr leben muß, diese Politik begleitet sein muß. Und hart aber gerecht klingt das Wort über die Partei und ihre Anhänger: „Burschikosität und Kraftmeiertum von Korpsstudenten auf der einen und mit Auserwähltheitsdünkel durchsetzte Tiefschwätzerei auf der anderen Seite als die beiden Richtungspole, durch die die ineuerstandene Partei in ihrer Gestaltung bestimmt wurde, machen die Selbstüberschätzung und Selbstsicherheit ihrer Jünger und den Mangel an Begrenzung ihrer politischen Aufgaben verständlich." Mit dem Gedanken an nationale Autonomie wird allenthalben gespielt. In der Tschechoslowakei ist die Möglichkeit ihres Seins in der Verfassung festgelegt worden, was übrigens nicht verhindert hat, daß.das Wahlrecht derart konstruiert worden ist, daß die Juden trotz ungeheuerlicher Opfer und trotz 80000 Stimmen, die .sie auf ihre Wahllisten vereinen konnten, auch nicht ein einziges Mandat -eroberten und ganz unvertreten .bleiben. Für Polen hat man im Friedensvertrage die Minoritätsrechte genau festlegen lassen mit dem Erfolge freilich, daß bereits in der Frage der Sonntagsruhe die Polen kaltlächelnd über alle jüdischen Interessen Hinweggegangen sind. Für Deutschland ist man so gnädig, sie wegen des Mangels an einer zahlenmäßigen Grundlage nicht zu verlangen. Zu denken muß es freilich geben, daß in Fällen wie dem des Hamburger Studentenausschusses, da man den Nationaljuden das sonst so heftig begehrte Recht {einer nationalen Minderheit geben wollte, man plötzlich:— um einen Zollschanschen Ausdruck zu gebrauchen — auf -einen auffallenden Mangel an „Bekenntnisdrang" stieß. Und das war typisch. Denn in -Wahrheit offenbart die Konstruktion auch für den, der sie verlangt hat, ihre ganze .Gefährlichkeit in, den Folgen, die naturgemäß sofort für die Judenheit entstehen, wenn sie in die Praxis um- - gesetzt wird. Diese sind zunächst einmal politischer Natur. Und Zollschaus Verdienst ist es, schonungslos ' seinen Gesinnungsgenossen die Wahrheit gesagt und sie auf die Folgen leichtfertiger Forderungen hingewieseu zu haben. Nationale Autonomie würde zweifellos die Gleichberechtigung der Juden ernstlich gefährden! Gewiß würde sie dem Judentum als G e m e i n s ch, a f t das gleiche Recht gewähren, soll aber dieser Zustand nicht in der Praxis zum vollendeten Unrecht werden, so muß die innere Struktur der Minderheit der der Mehrheit genau gleich sein. Sonst wird ein schreiendes Unrecht daraus, denn das Individuum wird vergewaltigt War nicht die Prozentnorm in russischen Schulen, die jetzt in Polen fröhliche Auferstehung feiert, der klassische Ausdurck des Rechtes der Gemeinschaft? So viel Prozent der Gesanltbevölkerung das Judentum ausmachte, so viel Prozent ,der Schüler höherer Lehranstalten durfte es stellen. Das bedeutete aber für eine intelligente städtische Bevölkerung den Ruin. Solchen Verhältnissen steuert nun die nationale Autonomie mit Riesenschritten zu. Überdies muß Hand in Hand damit auch der Ausschluß der Juden aus allen wichtigen obrigkeitlichen Ämtern gehen. Zollschan weist sehr glücklich auf die Absichten hin, die man nach dieser Richtung hin in Österreich hatte, wo man freilich unter dem Drucke der äußeren Politik auf einige Zeit den Feldzug gegen die Rechtsstellung der Juden -vertagt hat. Was aber geschehen wird, wenn man in Österreich sich wieder freier regen kann, ist klar. Die nationale Autonomie wird das Grab der Gleichberechtigung sein. Dazu kommt rnöch, und auch hierauf legt.Zollschan großen Wert,,daß die nationale Autonomie die Verewigung des Antisemitismus bedeutet. Gewiß geht >er nicht so weit, wie. der Zionist Jampel, der im Novemberheft 1919 (Seite 133) des „Jüdischen Willens" (Zeitschrift des Kartells jüdischer Verbindungen) der nationalistischen Richtung im Zionismus den Vorwurf macht, daß sie „das Judentum in allen Diasporaländern zum Staate im Staate macht und so diejenigen Völker, deren politische Ziele von den jüdischen Nationalisten durchkreuzt werden, zur grausamsten Judenverfolgung reizt," der sogar (Seite 134) sich zu folgenden Sätzen versteigt, die ein NichtzioMt niemals hätte aussprechen dürfen, ohne Stürme-der Entrüstung zu erregen: „Wenn die Polen nun mit einem Male .in schäumender Wut über die Juden herfallen, so wüßten wir, auch wenn sie es nicht sagten, daß. es lediglich der jüdische Nationalismus ist, der ihren Gram bis zur Siedehitze gesteigert hat. Nun sind die Polen Gönner des Zionismus geworden, um mit seiner Hilfe die jüdisch-mationalen Elemente aus ihrem Laude zu entfernen,