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KC-Blätter · 1920-04-01 · Heft 4-5 (April 1920) · p. Seite 39

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Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 4-5 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
Seite 39 (sequence 13)
Language
German
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eines Wandervogels, wie er in unserem Bunde herrscht,' widersprechen. .Diese Mittel sind kurz in dem sogen: „Comment" zusammengefaßt. Hierliegt die Grundverschiedenheit zwischen Wandervogeltum und Korporationsstudententüm, und darum ist es jederzeit einleuchtend, wenn ein' Kameradder aber wirklich in seiner ganzen Lebensweise Kamerad ist, den Eintritt in den K. C. scheut, in der richtigen Erkenntnis, baß für ihn bei seinem Eintritt ein innerer Kampf werde kommen müssen, in dem sein Wandervogeltum unterliegen müsse. Und ich glaube, daß auch mancher von diesen Kameraden außenstehend für den K.C. sehr, sehr viel.leisten kann; denn ihn hält vom K.C. nichts von dem.fern, was zum K.C.-Gedanken gehört, sondern nur die Unmöglichkeit, das aufzugeben, was ihn am Kameradentum Mt.-Und wenn, mancher, falls er nicht Kamerad gewesen wäre, in den K. C. eintreten wäre, durch sein Kameradentum aber dem K. C. verloren geht, so scheint.mir das kein Verlust für den K.C. zu sein;-denn den. Gesinnungs- und Kampfgenossen findet der K. C.er in jedem Kameraden, und diese Verbrüderung steht zweifelsohne über dem Keilinteresse des K. C." Diese Ausführungen fordern zu einem Widerspruch heraus. Sie gehen, obwohl sie ihn ein „Mittel" nennen, doch ihrem Geiste »nach von der ganz falschen Voraussetzung aus, daß der Komment im K. C. Selbstzweck sei. Er ist aber wirklich nur ein Mittel zur Erreichung der Tendenzziele, und vor der Größe des Zieles muß die Bedeutung der Mittel verblassen. Man muß doch, feststellen, baß das gemeinsame jüdische Ziel der Kameraden und des K. C. derart bedeutend ist, daß ein junger Jude an beiden Stellen mit verschiedenen Mitteln ihm nacheifern kann. Denn der Lebensinhalt besteht nicht aus Wandervogelzugehörigkeit und nicht aus Kommentstudententum, sondern im Judesein -nach den Idealen des K. C. Jedenfalls verdankt die Kameradenbewegung, und,das ist der beste innere Beweis für die Richtigkeit der hier vorgetragenen Anschauung, der Arbeit von,K. C.ern mit ihre besten Impulse und nach wie vor wird es Pflicht eines jeden K. C.ers sein, in dieser Bewegung eifrig mitzuarbeiten, wenn auch nicht .als Vertreter des K. C., so doch als deutscher Jude. Llusführungen wie die hier veröffentlichten sind aber nur geeignet, die Zusammenarbeit zu stören. Vom Zionismus. Im akademischen Zionismus besteht der Gegensatz zwischen den „unbedingten" Juden im K. I. V., die keinerlei Konzessionen an das Deutschtum machen wollen und dem B. Z. K., der den Kulturzionismus ablehnt, unverändert fort. Letzteres Kartell hat auch an anderen Universitäten Fuß gefaßt. Ob die gegenwärtige politische Lage für die eine oder bie andere Richtung förderlich .ist, läßt sich noch nicht überblicken. Die antisemitische Welle fördert selbstverständlich den Radikalismus des K- I. V., der die lüdische Nationalität auch in Deutschland betont. Die Erklärung von San Remo, welche praktische Palästinaarbeit erforderlich macht, ist der milderen Richtung des B. Z. K. .günstig. Wie sicher sich freilich die radikalen Nationalisten gegenwärtig fühlen, ergibtsich aus dem Entwurf einer Gesamtorganisa,- tionsverfassung für die Juden im Deutschen Reiche, den die zionistische Vereinigung für Deutschland vorschlägt. Ohne daß das Wort „Volksgemeinde" gebraucht ist, steht der Vorschlag ganz auf diesem Standpunkte und macht aus den Kultusgemeinden weiter nichts wie politische Verwaltungskörper! Im übrigen ist der Zionismus natürlich heute ganz und gar von der Palästinafrage beherrscht. Über den Streit der-Parteien hinweg must selbstverständlich fest-- gestellt werden, daß die Besiedlung Palästinas als ' ein Teil des großen jüdischen Problems eine Angelegen- - heit ist, zu der die ganze Judenheit in positiver Weise Stellung nehmen wird. Das ist keine neue Einstellungsondern von jeher haben auch die antizionistischen ' Kreise sich an den charitativen Bestrebungen zum Aufbau Palästinas beteiligt und sie haben auch jetzt, selbst wenn Palästina -zu einer Frage der Pärteipolitik geworden sein sollte,, keinen Anlaß, von ihrer Stellungnahme abzugehen. Wie im einzelnen die neugeschaffene Situation zu beurteilen ist, ob sie wirklich eine Lösung oder auch nur eine Erleichterung in der materiellen Judenfrage bedeutet, von welchen Wirkungen die- Auf-, richtung einer jüdischen Nationalität auf die Rechte der Juden, in den Niederlassüngsländern sein wird, inwiefern neben der Palästinalösung auch andere Versuche zur Rettung der Ostjuden tatkräftig unternommen werden müssen, inwieweit das Verhältnis von England zu den Juden die Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens und die Stellung der Juden in der übrigen Welt berührt, soll in einem Artikel aus der Feder unseres Werbandsvorsitzenden des Herrn vr. Holländer in der nächsten Nummer dieser Zeitschrift untersucht werden. _ €s dämmert! Von vr. F. Gold mann (Thur., Saxobav.). (Schluß.) „Wir haben bereits an früherer Stelle darauf hingewiesen, daß wir hier in der Diaspora und in unserer Gegenwart nur im Sinne -einer platonischen Idee von .einer jüdischen Nation sprechen können, und daß dieselbe in realer Form erst das Ziel unseres Nationalismus darstellt. Der dauernde wahllose Gebrauch dieses Wortes'aber führte zu der heute kaum mehr zu erschütternden Präsumption, daß wir nuch in unserer gegenwärtigen Existenz auf die Klassifikation als eigene Nationalität vollen Anspruch haben. Der Nationalismus der Juden ist infolge der eigenartigen Verhältnisse unseres Volkes notwendig ein Begriff, eigener Art, aber die gegenwärtige politische Überzeugung hat daraus einen Analogienationalismus. nach Art aller übrigen Völker gemacht. Dieses Analogiedogma aber und , dieses Wort von der Nation sitzen heute so verhängnisvoll fest in den Köpfen, daß es fast aussichtslos erscheint, hier noch Wandel schaffen'zu wollen. Dieses Analogiedogma hat auch dazu geführt, alle 'politischen Forderungen zu stellen, die, wenn auch für das eigene Volk sinnlos, zum Wesensbegrisf einer Nation heute als dazugehörig erachtet werden." Diese Sätze enthalten in Kürze des Zionisten Zollschan Urteil über den Nationalismus^ Klar weist er in ihnen vornehmlich auf den Assimitativ n s ch ar a k te r des Begriffs hin. Denn: weiter will das .zart umschreibende Wort vom „Analogiedogma" nichts sagen, als daß der jüdische Nationalismus eine sklavische

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