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KC-Blätter · 1920-04-01 · Heft 4-5 (April 1920) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 4-5 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
Seite 37 (sequence 11)
Language
German
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sähe wird auch für die Dozenten und Assistenten verlangt.!Der Wahnsinn^, kann kaum weiter getrieben werden. Deutsche jüdischen Glaubens gelten nicht mehr als Deutsche, aber Ausländer werden den Deutschen gleichberechtigt und den jüdischen Bürgern vorgezogen. Selbst das zaristische Rußland hat mehr Schamgefühl gehabtals die jungen Dresdner Vaterlandsretter und hat kaum einen russischen Juden hinter einem ausländischen Staatsbürger, der in Rußland wohnte, zurückgesetzt. Ähnliches wird aus München berichtet. Ein jüdischer Student aus Prag von deutscher Kultur und Sprache wird zurückgewiefen, weil er als Jude eben stricht deutsch sei. Weiter kann man wohl die Schande Eaum treiben. Tschechische Studenten aus Prag werden in München anstandslos immatrikuliert, falls sie nur deutsch radebrechen können, mögen sie auch in Prag die wüstesten Deutschenhetzer gewesen sein. Der jüdische Student, der dort das Deutschtum vertreten hat, wirdzurückgewiesen! Das Ausländerproblem, das gegenwärtig an den-deutschen Hochschulen besteht, wird überhaupt fast allgemein mit dem Judenproblem verquickt. Heute sei nur registriert, daß auch die deutsche Burschenschaft, welche sich bisher ein wenig reserviert gezeigt hat, die Wege der Antisemiten geht. Eine Kundgebung, welche sie im April erlassen hat, beweist, daß auch für sie die Ausländerfrage im wesentlichen eine Judenfrage ist, wenn auch schamhaft statt von Juden von „Ostgaliziern" gesprochen wird. Immer ist die deutsche Burschenschaft freilich nicht antisemitisch. Wo man den Juden als d e u t s ch e n Kulturträger gebraucht, weiß man ihn wohl zu schätzen. Nummer 7 der burschenschaftlichen Blätter vom 23. Februar enthält einen Artikel über die Bedeutung O bersch l e s i e-n s für Deutschland und dort finden sich folgende Sätze, die man sich sehr wohl merken muß : „Der Handel liegt zum großen Teil in jüdischen Händen, wie denn überhaupt die Judenschaft einen . bedeutenden Anteil am oberschlesischen Handel und Wandel hat. Aber auch dieses Judentum ist kerndeutsch*) und sieht es fast ausnahmlos als das größte Verhängnis für Oberschlesien an, wenn dieses Land durch Loslösung von seinem natürlichen wirtschaftlichen Hinterland in seiner Entwicklung um Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte zurückgeworfen würde." Das oberschlesische Judentum muß wirklich kerndeutsch sein, wenn es sich nicht einmal durch das sonstige Verhalten der studentischen Kreise, zu denen auch die Burschenschaften gehören, von seinen deutschen Gefühlen und seiner deutschen Art abbringen läßt. > Der deutsche Skudententag zu Dresden, der am 18. Mai stattfand, hat gleichfalls insofern zur Judenfrage Stellung genommen, als er folgenden Beschluß veröffentlichte: „Das Studium für Ausländer ist an den deutschen Hochschulen zu beschränken, desgleichen die Naturalisierung einwandernder Ostjuden." Wenn auch anerkannt werden soll, daß der deutsche Studententag so besonnen gewesen ist, sich nicht zu irgendwelchen Beschlüssen gegen die Stellung der deutschen Juden hinreißen zu lassen, so klingt unzweifelhaft auch aus dieser Stellungnahme ein starker antisemitischer Wille heraus. Wenn man noch dazu es der Hervorhebung wert erachtet Hat, daß Juden, die vor dem Jahre 1914 naturalisiert wurden? vollkommen als gleichberechtigt erachtet werden sollen,, so liegt in lolcher Betonung auch, nur die Absicht einer Verletzung. .Freilich wird sie gemildert durch die Lächerlichkeit, die in dieser Pose gnadenvollen Gewährens - liegt. *) Von uns gesperrt: Von sonstigen interessanten Einzelheiten sei erwähnt, daß auch die d e u t s chn a t i o n a l e V ol ks-r Partei der Hachschulfrage ihre Aufmerksamkeit zuwendet. In manchen Ortsgruppen (z. B. Insterburg) ist eine .Resolution - folgenden Inhalts angenommen worden: Die Anzahl der zum Studium an den deutschen Hochschulen zugelassenen Juden hat sich nach ihrem Anteil an der Bevölkerung des Reiches zu richten. Dem gegenüber ist immerhin zu begrüßen, daß auch in diesem politischen Lager einsichtige Stimmen sich regen. Der Deutschnationale Friedrich von Oppeln-Bronikowski hat im Verlage der deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte (Charlottenburg 1920) eine Broschüre erscheinen lassen, welche unter dem Titel „A n t i s em i t i s m ns, eine unparteifche Prüfung des Problems" sei; neu lGesinnungsgenosfen einmal gehörig die Wahrheit sagt. Nicht als ob wir vom jüdischen Standpunkte aus etwa vorbehaltlos seine Broschüre unterschreiben könnten, aber er räumt mit manchen Phrasen und Vorurteilen derart gründlich auf, daß die Schrift unbedingt der weitesten Verbreitung wert ist. Sonst erscheinen nur selten Stimmen der Vernunft. Vermerkt sei, daß im badischen Landtage der Unterrichtsminister Hummel noch nachträglich zu der Berufung des Dr. Meier Stellung genommen und erklärt hat, daß ,es eine geistige Verarmung Deutschlands bedeuten würde, wenn durch Auffassungen, wie sie die Karlsruher Studentenschaft bekundet habe, unser geistiges Leben der Mitarbeit bedeutender Gelehrter beraubt werden solle. Der Minister fand scharfe Worte gegen das Treiben der -deutschk- . nationalen Studenten, die Deutschlands Ansehen schädigen, und verkündete unter lebhaftem Beifall, daß die Regierung sich nicht scheuen werde die Hochschule zu schließen, wenn die Karlsruher Studentenschaft noch einmal eine ähnliche Haltung einnehme. Vom K. C. Der K. C. leidet darunter, daß seine Idee in der deutschen Studentenschaft noch immer nicht in genügender Weise gewürdigt wird. Dankenswert ist es daher, daß Kartellbruder Dr. Alexander in der „Deutsch en --akad emischen Zeitschrift", welche zugleich Nachrichtenblatt des Neichsausschusses der akademischen Berufsstände, des akademischen Hilfsbundes und des Bundes kriegsbeschädigter Akademiker ist, .einen Artikel über den K. C. und seine Idee veröffentlicht hat, der, wie wir hoffen, recht viel Aufklärung verschaffen wird.. Wie notwendig eine solche ist, ergibt sich aus der tragikkomischen Angelegenheit der S axo-Thuringia in Jena. Die „Deutsche .Zeitung" hatte in ihrer Hochschulbeilage berichtet, daß über die „K. C.-Berbindung Saxo- Thuringiä in Jena" der Waffenverruf des schlagenden Verbandes verhängt sei. Am 8. Mai brachte die Deutsche Zeitung auf unsere Veranlassung die Berichtigung, daß in Jena eine K. C.-Verbindung überhaupt nicht existiere. Was aber lag der Angelegenheit zu Grunde? Die „Deutsche Hochschulzeitung" verriet es und zwar mit folgenden schönen Worten: „Binnen kurzem wird sich hier in Jena eine sogenannte „paritätische" Verbindung Saxo-Thuringia auftuen. Es ist das der neueste Name, den sich die Judenverbindungen beilegen, vermutlich unr unter diesem Namen einige Renommierchristen zu angeln." Weiter heißt es: „Die paritätischen.Verbindungen sind im B. C.-Verband vereinigt, dazu gehören u. a. Wirceburgia-Würzburg und Alsatia-Leipzig, die in allen Studentenalmanachen als Judenverbindungen aufgeführt werden. Die Parität bedeutet plso nichts weiter als ein verkapptes Judentum." Das war. freilich , sehr peinlich, für uns und den

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