KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
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. eigentümliche, wennauch verständliche Erscheinung, Ädaß der Arüisemitismus in den Ländern niedrige« .^Kultur am üppigsten blühte, so ist diese Tatsache - Heute nur umso auffallender. Alle halbbarbarischen LZStaaten des Ostens, Polen eingerechnet, schwelgen im Judenhaß und wenn in drei anderen Ländern, nämlich in ^Deutschland, Österreich nnd Ungarn, die zu den allen Kultürstaaterr gehören, die Enttäuschung. über die Niederlage nnd den Zerfall, sich das alte bewährte Ventil des Hasses gegen die Juden sucht, so mutz . das Äls ein Zeichen-daftir angesehen werden, daß trotz der staunenden äußeren Kultur dieser Länder die L. innerliche Entwicklung nicht gleichen Schritt, gehalten hat, denn Kultur bringt Recht, Liebe und Versöhnung. Ungarn. - In <Un,g a rn ist der bekannte psychologische lauf der Revolutionen zu beobachten. Die gemäßigte L', Richtung mußtedie Herrschaft an den überschäumeuden Radikalismus abgeben, und diesen Nt die furchtbarste -5.-- Reaktion abgelöst. Solange das Pendel aber noch nicht ,in die ruhige Lage gekommen ist, leiden die Juden und unter ihnen die jüdischen Studenv: ten das Entsetzlichste. Nachdem schon früher eine v Hetze gegen die jüdischen Dozenten eingesetzt hatte, nachdem man mit Gewalt-jüdische Studenten am Be- . treten der Universitäten und Hochschulen verhindert V hatte, und es zu traurigen Prügelszenen gekommen 'war, hat jetzt der Minister für Kultus urid Unterricht Haller, am 26. .April erklärt, daß ein numeius r 'clausus eingeführt werden müsse. Das Maturitätszeugnis könne nicht weiterhin ein Freibrief für den " Besuch der Universität sein, sondern die Universität solle uach dem Gesichtspunkt nationaler Verlüßlichkeit ientscheiden, wen sie aufnehmen solle. So will man eine gesetzliche Grundlage schaffen, um - den jüdischen Studenten zu entrechten. Österreich. Dasselbe Spiel wiederholt sich in Österreich, wo freilich die Gelüste der reaktionären akademischen Bürger einen gewissen Damm an der verständigeren politi-;-C scheu Gesinnung der Gesamtbevölkerung finden. Hier ' ist es insbesondere die „deutsche Hochschulzeitung" .(vormals „deutsche Hochschulstimmen aus •:. der Ostmark^, welche sich im Judenhasse fast über- . schlägt. Besonders hatte sie es abgesehen auf unseren Kartellbruder, den badischen Staatsrat,H a a s, den sie '' insbesondere deshalb mit fast unflätigen Worten beschimpft, well er in der deutschen Nationalversammlung gegen solche akademische Zeitfreiwilligenregimen- - ., ter, die sich zu Handlangern der Reaktionäre machen,; , ein offenes Wort fand. Besorrders scharf hatte Haas das Verhalten eines Marburger Bataillons^ gegeißelt, das 13 Arbeiter standrechtlich erschossen haben soll. In c' üblicher antisemitischer Verdrehung macht nun die .deutsche Hochschulzeitung hieraus eine Beschimpfung der? deutschen Studentenschaft! Es wäre traurig, wenn die deutsche Studentenschaft sich mit den Verübern solcher X*. Untaten..identifizieren wollte. . Wenn aber Haas gesagt hat: „Die Universitäten sind ein Hort der Reaktion geworden, eine Gefahren- -7, quelle für den Staat bedeuten sie heute. Wir wollen wirklich akademische Freiheit," so braucht nur auf die . Versuche hingewiesen zu werden, welche die g e s e tz l t ch . festgelegte GleichstelIung des Juden aus dem rK Wege räumen wollen, um die Richtigkeit dieses Uri/ teils zu erweisen. > - Zu r o h e n T ä t l i ch k e i t e n ist es an der Wiener Universität gekommen. Nach Zeitungsnachrichten sind ^; es Szenen gewesen, welche insbesondere darum so %;x. widerlich wirken, weil wieder eine unübersehbare" Schar von tapferen, "deutsch-nationalen Studenten sich' an einigen Juden vergriffen hat. Erstere verweigerten den jüdischen Studenten den Einlaß zur Universität, gewissermaßen, um ihre Begriffe von akademischer Frei-' heit zu beweisen. Es kam zu Tätlichkeiten und zum Einschreiten der Polizei. Beim Abzüge ertönten, wie die Wossische Zeitung berichtet, aus dem Zuge der Deutschnationalen die Laute: Hoch, Kapp und- Lüttwitz! Schon vorher hatten deutsch-nationale Stuben-- ten die Jüdische mensa academica überfallen und hatten Fensterscheiben und Moblliar zertrümmert. Was brauchen jüdische Studenten auch zu essen. Der Rektor verfügte, daraufhin die Schließung der Universität bis zum 3. Mai. In der Nationalversammlung erklangen von christlich-nationaler Seite die Rufe nach Ausweisung aller Osyuden und nach einer Proz entnorm für die inländischen Juden. Diesem Verlangen' hat sich der Hochschulausschuß sämtlicher Hochschulen angeschlossen. ,Man kann es daraufhin begreifen, daß der österreichische Gesandte in Berlin, Professor Hartmann, von einem „tiefen Kulturniveau" Österreichs gesprochen hat. Bedauerlich bleibt freilich immerhin noch, daß die Kundgebung des Rektors bei der Wiedereröffnung Ider. Universität den antisemitischen Vorwürfen neue Nahrung gibt. Deutschland. . Die antisemitische Betätigung in akademischen Kreisen Deutschlands versucht selbstverständlich, anch vor allem eine Entrechtung .der Juden. Gewiß muß anerkannt werden, daß trotz der heftigen Angriffe die Reichsregierung unbeirrt auf ihrem Standpunkte des. Rechtes stehen geblieben ist. Immerhin aber weiß sman ja, was heutzutage reaktionäre Kreise sich herausnehmen dürfen. Die Vorgänge im ehemaligen KadettenhausLichterfelde, das zu einer Bildungsanstalt umgestaltet worden ist, beweisen, was heutzutage sogar »Schüler sich den Trägern der Staatsgewalt gegenüber erlauben dürfen. Von Versuchen nun, die Rechte der Juden zu beschränken, seien die folgenden registriert. In G r e i f s - w a l d hat der allgemeine Studentenausschuß an die Jmmatrikulationskommission das Verlangen gerichtet, russische und polnische Juden vom Besuchter Universität auszuschließen, die „mit ihren asiatischen Ideen die deutsche Volksseele verpesten". Für den Fall der Verweigerung drohen sie einfach zur Selbsthilfe zu greifen. Man beachte, wie unverhüllt man ni«Ht einmal das Gesicht wahrt, und nicht einmal allgemein von „Ausländern" spricht. Auch der Rostocker „A st a" wendet sich mit einem Schreiben betreffend: „Selbsthilfe gegen die Überflutung der Hochschulen mit Ostjuden" an alle Universitäten. Ob er überall eine so deutliche Antwort erhalten hat wie in Fran kfurt ist fraglich. Dort wurde einfach folgender Beschluß angenommen: „Der Asta Frankfurt hält das Rostocker Rundschreiben Nach Form und Inhalt der deutschen Studentenschaft nicht für würdig." Beinahe grotesk klingen schon die Stimmen, die aus.Dresden erschallen, wo man, wie bereits die letzte Rundschau ausführte, eine besonders -scharfe Tonart beliebt. Dort sollen, wenn es nach dem Wünschet der.Studentenvertretung ginge, Staatsangehörige fremder Staaten wie Deutsche behandelt werden, falls sie bei der Immatrikulation erklären, daß ihre Muttersprache deutsch ist und daß sie kein jüdisches Blutin den Adern haben. „Letzteres ist auf Verlangen nachzuweisen." Wie das geschehen soll, bleibt freilich Geheimnis der Verfasser der Resolution Für deutsche Juden verlangen sie Zulassung nach ihrem Anteile an der Gesam.tbevölkerung, ganz wie »einst in Rußland! Die Durchführung dieser- Grund-