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KC-Blätter · 1920-04-01 · Heft 4-5 (April 1920) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 4-5 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
Seite 35 (sequence 9)
Language
German
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der muß in seinem Zentrum sitzen. Er muß nicht nur seinen Herzschlag fühlen und verstehen, er muß selber das Herz sein, von dem das Blut in alle Adern strömt. Wer keine Religion, d. h. kein Ewigkeitsbedürfnis hat, wer ohne Nest im Irdischen aufgeht, bei wem das Organ für das Religiöse verkümmert oder erstorben ist, der ist minderwertig wie ein Krüppel (er mag sonst der bravste Menschwon der Welt sein), physisch minderwertig. Und vollends ein religionsloser Jude ist eine Ungeheuerlichkeit, ein Widerspruch in sich selbst. Es ist ferner verkehrt, in den Makkabäerkämpfen den Kampf zweier von Natur feindlicher Gegensätze, von Hellas und Israel und weiterhin von indogermanischem und semitischem Wesen zu suchen. Sie waren und sind Verschiedenheiten, aber bestimmt sich zu einer höheren Einheit zu vermählen. Nicht plastischer und volkstümlicher kann dies ausgedrückt werden als es die Bibel schon in den Anfängen der Menschheitsgeschichte formuliert: Japhet... soll in den Zelten Sems wohnen. Beiden soll es weit genug darin sein. Nicht Sem und Japhet, die Wahrheit und die Schönheit, sind Gegensätze,^ sondern Sem und Japhet zusammen gegen Hain, das Niedrige und Gemeine. Sehr töricht ist das blinde Eifern gegen Assimilation. Das Judentum, von seinen- Uranfängen, , die Thora eingeschlossen, und sie erst recht, war stets Assimilation, eine beständige Aufnahme, Verarbeitung und Vererbung fremder Elemente. Was ist denn alles Leben, alles Wachstum anderes als Assimilation? Der Baum und jedes Lebewesen tun vom Keime an nie etwas anderes. Es gibt allerdings zwei Arten von Assimilation, sich im.Akkusativ und sich im Dativ, sich der Welt und sich die Welt zu assimilieren. Die erste ist freilich Charakterlosigkeit und Selbstmord. Die andere beweist, daß ein lebendiger Kern und Organismus da ist. die die Kraft haben, alles in sich umzuwandeln. So bleibe das Judentum immer assimilatorisch, wenn es nicht sterben oder versteinern will! Jede Wahrheit, alles Gute und Echte, muß jüdisch werden. Juden wollen wir sein, aber als deutschgeboren auch deutsche Juden, nicht in dem Hurrapatriotismus der „Voll und. Ganzen", sondern in der selbstverständlichen Liebe zu dem Vaterland,'in dem wir fest verwurzelt sind, und dem wir in Unglück und Erniedrigung erst recht die Treue halten, und der von unabhängiger Kritik geleiteten Aneignung des Edelsten im deutschen Geist, an dem uns auch die Auswüchse-nicht irre machen, und zugleich mit dem weltweiten Sinn für die inneren Reichtümer anderer Völker, um so vom Juden über Volk und Völker unendlich bereichert wieder zum Juden zurückzukehren, unaufhörlich mit der treibenden Kraft lebendigen Wachstumes. sich alles Verwandte assimilierend. Die Makkabäer waren Idealisten, denn sie. kämpften für Ideen, für den Urgrund aller Ideen. Der Wegweiser der Idee ist. das Symbol. Der Materialist versteht kein Symbol, denn ihm ist das Materielle das eigentliche Sein, das Endgültige. Was ist ihm eine Fahne? Ein buntes Stück Tuch, an ein Stück Holz genagelt. Aber verbannt die Symbole aus dem Leben und die Ideale werden mit ihnen versinken. Für Ideale leben wollen heißt sich Fahnen weihen und auf sie einschwören lassen. Das, meine lieben jungen Freunde und Bundesbrüder von der Rheno-Bavaria ist der letzte Sinn dieser Munde. So blicket her auf eure neue Fahne und vernehmt ihre sinnvolle Sprache! Gold-Rot-Gold sind ihre Farben. Gold ist die Treue, Rot ist der Kampf, Leben und Tod. So sagen diese Farben: Aus Treue in den Kampf, ans dem Kampf zurück zur neu bewährten Treue. Das ist auch euer W-ahlspruch Furchtlos und treu! Das niedersächsische springende Roß, das Wappentier der Westfalen, gemahnt an die teure Heimat und das geliebte Vaterland. Das Schlägerpaär ist. die studentische Waffe, mit der ihr, wenn es sein muß, eintreten wollt für eure Ehre und euer Recht. Zwar der physische Mut ist gewiß nicht das Höchste. Ihn hat auch der Raufbold, der auf seine Geschicklichkeit und seine starken Knochen vertraut. Aber es gibt keinen moralischen Mut, der Wunden scheut und nicht nötigenfalls auch mit Leib und Leben einsteht. Und endlich das D a tnm eurer Gründung in der Mitte predigt euch immer wieder euren Platz in Zeit und Geschichte. So sei diese Fahne geweiht! So wehe sie euch voran zu Kampf wie zu frohem Feste, in Sonnenschein wie in dunklen Tagen. Weihet sie selber! Denn die wahre Fahnenweihe ist erst der Kampf und das Leben. Schwört ihr Treue bis in den Tod. Furchtlos und treu! Rheno Bavaria sei's Panier! Umschau. Der Antisemitismus ist noch immer im Wachsen begriffen und die Idee des K. C. durchlebt Stunden schwerer Prüfung. Oft erscheint es, als ob jene Politiker der Resignation, wie sie insbesondere in national- ,; jüdischen Kreisen zu finden sind, damit recht behalten, daß aller Kampf gegen den Judenhaß unnütz sei. - < Es bedarf in diesem Hexenkessel der Verwirrung aller sittlichen und rechtlichen Begriffe einer nachdrücklichen -J Selbstbesinnung, jmt sich nicht von der Wucht der : Tagesereignisse überrennen zu lassen und dabei die; Position der Vernunft und des Vertrauens auf Recht s und Kultur aufzugeben. , M Insbesondere auf den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Unkultur kann nicht oft genug hingewiesen werden. War es schon im Frieden eine , 4?

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