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KC-Blätter · 1920-04-01 · Heft 4-5 (April 1920) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 4-5 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
Seite 34 (sequence 8)
Language
German
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krieges und dem Ausbruch der deutschen Revolution, die dem früheren Deutschland ein Ende gemacht und den elenden Schiffbruch einer alten Welt offenbar gemacht hat. Drei Dinge sind es, deren Bankerott durch diesen Krieg offenkundig gewvrden sind: die Religion als praktische Lebensmacht, die ZiviNsation und die Universität. Mit Ausnahme der Japaner und Türken haben sich alle kriegführenden Völker zu einer Religion bekannt, deren Sittlichkeit in dem Satze gipfeln, soll: Liebet eure Feinde! Aber dieses Bekenntnis hat nicht gehindert, daß sieben Millionen Jünglinge und Männer hingeschlachtet und zwanzig Millionen zn Krüppeln geschlagen worden sind.- Die moderne Zivilisation, die ihren höchsten Gipfel erreicht hatte, hat nicht gehindert, daß die Bestie im Menschen ihre wildesten Orgien feiern durfte. Und ebenso völlig versagt haben die Universitäten, die angeblich der Ruhm Deutschlands waren. Die Revolution von 1848 war von den deutschen Universitäten, ihren Lehrern und Schülern, der wahren Blüte und Führerschaft der Nation getragen, die von 3948 ist nicht nur über sie hinweggegangen, sie erweisen sich vielmehr jetzt als- Brutstätten einer blöden und wüsten Reaktion.? Der beste Beweis dafür ist, daß der neuerwachte Antisemitismus nirgends herrlicher gedeiht als auf den Universitäten und höheren Schulen. Aus ihnen und dem ihnen nachäffenden Bürgertum, nicht aus der Arbeiterschaft und dem sog. Proletariat, unter denen echte Bildung, die es ohne Humanität und gesunden Menschenverstand nicht gibt, viel verbreiteter ist, aus ihnen rekrutiert sich jetzt der wahre Pöbel. Die Ursache ist die innere Hohlheit jener akademischen Bildung und Erziehung und die Korruption, auf deren Boden sie an den Universitäten erwuchsen. Das Ideal des Professors war die mit Orden behängte Exzellenz, des Studenten der Regierungsassessor und Reserveoffizier) der alte Herr der feudalen Verbindung, deren gottgleiches Vorbild vom Throne leuchtete. Auf diesen Götzen starrten aller. Augen und hatten ihm glücklich abgeguckt, wie er sich räuspert, wie er spukt. Dieses Ideal purzelte im mittelalterlichen Rittertum und nationalistischen Militarismus. Alles was eine unabhängige Denkweise und freiere Lebensgestaltung zeigte, galt für minderwertig und wurde verachtet und verhöhnt. Es wäre auch höchst verhängnisvoll für den K. C., wenn er die neue Zeit nicht begriffe und in falscher Romantik glaubte, nach dieser fünfjährigen „Episode" schleunigst zu den verrosteten Schlägern, den gefüllten Bierkrügen und dem alten Komment zurückkehren zu müssen. Ich kenne die Poesie des alten Studentenlebens, ich bekenne mich zu dem Wort des lateinischen Dichters „dulce est desipere in loco“, ich verkenne nicht den Wert korrekter Formen und habe ein aufrichtiges Gefallen an wohlerzogenen Füchsen, aber Korrektheit ist nicht Leben, lauter Schaum -kein Wein, und geistlose Exerzitten oder c wüster Zauber keine Poesie. Der Student der neuen Zeit muß anders aussehen als der akademische Stteber oder übertünchte Hohlkopf und Patentfatzke der wilhelminischen Epoche. Er soll ein, Jüngling sein, dessen Geist sich mit allem sättigen möchte, was jemals hohe Geister gefühlt und gedacht, dessen Herz allem offen steht, was wahr, groß und schön ist, dessen Seele erglüht für alles Edle und Reine, dem alles Knechtische und Gemeine verhaßt ist und der für Wahrheit, Freiheit und Recht, für Glaube und Vaterland eintritt mit seinem Leben. Er soll andere Ideale haben als die gute Karriere, die reiche Partie, die große Praxis. Er soll sich Zum Manne bilden im Hochsinn dieses Wortes. Wehe dem K. C., wenn er für solche Leute, für Jünglinge mit Feuer und Idealismus, mit Geist und innerem Schneid keinen Raum mehr hat., Und welches die Aufgabe des jüdischen Studenten insbesondere sein soll, das kann das Chanukkafest lehren, inmitten dessen wir stehen. Was war es, wofür die Makkabäer die Waffen ergriffen? Es ist nötig, es sich klar zu machen, da es oft genug nach den wechselnden Schlagworten des Tages falsch verstanden wird. Es war nicht die politische Freiheit und nationale Selbständigkeit, es war nicht eine sogenannte jüdische Kultur, es war nicht der Kampf gegen den hellenistischen Antisemitismus, es war einzig und allein ihr Glaube, ihr Altar, ihr Gott, es war die Religion. Sie allein galt ihnen des Lebens und des Kampfes wert. Und der moderne Jude? Ihm wiederhole ich ein Wort, das ich schon einmal an unsere Akademiker gerichtet habe: Wenn es keine jüdische Religion mehr gibt, ist es ganz überflüssig, daß es noch Juden gibt und die Geschichte hätte nichts Eiligeres zu tun als mit uns aufzuräumen. Alles, was der Jude leistet, leisten andere besser. Worin es durch leinen anderen ersetzt werden kann, worin er einzig und lebenswert und lebensfähig ist, das ist -seine Religion. Streicht die Religion aus eurem Haben, ihr Juden, und ihr seid bankrott und habt kein Recht mehr, die alte Firma weiterzuführen. Wer als ein „guter Jude" angesehen zu werden verlangt, bloß weil er kein Hehl daraus macht, von Juden abzustammen und sogar „stolz" darauf zu sein behauptet, weil er ferner sich „nichts gefallen läßt", wenn der Jude angegriffen wird, dessen Judentum ist nur ein Judentum der Peripherie. Auch die Peripherie gehört zum Kreise und wir möchten diese oft sehr schätzbaren Kräfte nicht missen; aber sie haben kein Recht auf die Führerschaft, zu denen doch die Gebildeten und Studierenden berufen sein sollten. Wer einen Kreis beherrschen will,

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