KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 33 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Genüssen nicht abgeneigt, im Gegenteil er hatte eine genußfreudige Natur.' Wie kam es, daß dieser schöne und gesunde Mensch, von dem man meinte, er müsse überall Liegen, wohin er komme, innerlich so unsicher und unschlüssig war? Ballin gehört -zu den tragischen Personen? deren Zcchl -unter den deutschen Juden nicht gering ist,' die trotz guter Anlagen sich nicht durchsetzen, können. Das Wilhelminische Zeitalter hat die Groben korrumpiert, die Zeinen unsicher gemacht und verbogen. Wer äußerlich Erfolge- .errang, der war unlauterer Praktiken verdächtig; wer in der Öffentlichkeit,wirkte, lief Gefahr, zum Demagogen zu werden. Dagegen anzukämpfen, schien aussichtsloses Beginnen/ man zog sich auf sich selbst zurück, verzichtete auf äußere Ehren, ebenso auch auf das vergebliche Bemühen, die stumpfe Welt zu sich hinüberzuziehen. Es mußte genügendaß man sich sagen konnte, man sei sich und seinen Idealen -treu geblieben. Und Ballin blieb seinen Idealen treu. So war das Leben Ballins nicht reich an äußeren Erfolgen. Er war beanlagt hervorzutreten und Führer zu 'sein, er hat es nicht vermocht. Martin" -Bällin, der Erstchargierte der Badenia im ersten Couleursemester, .der Erstchargierte der .Sprevia t-m Gründungssemester, der Mitbegründer und erste Zurmajor der Licaria, er,' dessen Sehnen -dahin, ging, der K. C. möge sittliche Persönlichkeiten heranbilden, er hat nirgends in -der Öffentlichkeit, in den letzten 15 Jahren nicht einmal im K.E. mehr eine Rolle gespielt. Von den Perbandsbrüdern der letzten 30 Semester werden nur .wenige seinen Namen kennen und sollte es einem einfallen, die Geschichte der K. C. der letzten 20 Jahre zu schreiben, .er wird viele Namen pennen, seinen kaum. Was ist er uns also gewesen? Enige können sagen, daß er ihr Freund gewesen ist. Freund nicht im Sinne des Erweisens kleiner Gefälligkeiten/sondern in ganz großem Sinne, daß er uns große Geschenke gab, daß er uns ein Vorbild war, daß er adelte. Wie gestaltungsreich ist unsere Rasse! Wie viele Möglichkeiten, wie gering sind die Wirklichkeiten! Möge die Zeit kommen, in der der Edle sich durchsetzen wird, den Mut finden wird, sich durchzusetzen! Wann werden die Knospen reifen? Netze zur Sahnenweibe öer Nhenovavaria. Von Rabbiner vr. Jacob, Dortmund (Viadrinae-Breslau). ' . Münster, den 20. Dezember 1910. . Geehrte Festversammlung! Die Verbindung im K. C. Rheno-Bavaria an der Universität 4M Münster, gegründet am 5. 12. 1018, hat uns zu der Weihe ihrer Fahne, mit der sie die erste Wiederkehr ihres Stiftungstages inmitten des Festes der Makkabäer feiern will, eingeladen unlr// mich, den ältesten K. C. er nicht bloß.unserer./ Heimatprovinz^ sondern des ganzen Verbandes, * aufgefordert, den Empfindungen und Gedanken des Tages Ausdyrck zu geben. Gerne unterziehe ich . mich dieser Aufgabe, die ebenso dankbar wie leicht ist. Denn es brauchen nur die eben angeführten ' dürren Tatsachen und Daten aus Vergangenheit und Gegenwart durchdacht und gedeutet zu werden, ' um zu begeisternden Impulsen für die Zukunft werden. ' - x - Wenn ich als alter Viadrine, 'der vor mehr - als drei Jahrzehnten mit einer kleinen Schär gleichgesinnter Freunde die erste Verbindung in \ Deutschland gründete, die das offene Bekenntnis des Judentums auf ihre Fahne schrieb-und gegen jeden Angriff verteidigen zu wollen erklärte, jetzt sehedaß unser Gedanke an fast sämtlichen deutschen Universitäten Nachfolge gefunden hat und in Tochterverbindungen Tausende der besten. Söhne des deutschen Judentums vereinigt, dann möchte, ich mit dem Propheten des nenerftandenen Israel ausrufen: Wer hat uns alle diese geboren? Standen wir nicht einsam und allein? Das ist ein Triumph aber auch eine Gefahr: die Gefahr der Verflachung und Verwässerung. - Die Eroberung der Massen muß eine Idee und die Träger eines Ideals um so besorgter machen, .daß sie nicht zu dem Niveau der Masse herabsinken und an Gehalt verlieren, was sie an Aus- - breitung gewonnen haben. Gegen diese Gefahr gibt es nur ein Mittel:, immer sich erneuerndes Leben oder, was dasselbe _ ist, echte Jugend — nicht der Idee und des Ideals, denn sie sind, wenn' sie die Wahrheit sind, selber nichts anderes als das unsterbliche.. Leben in ewiger Jugend, sondern ihrer irdischen Ausprägung und ihrer Träger, ihre Fähigkeit, sich jede neue Zeit dienstbar zu machen, ihren Wahr/ heitsgehalt an sich zu ziehen und mit sich zu verschmelzen. Nichts aber ist eine sicherere Alterserscheinung als das unentwegte Festhalten axtrz überlebten Formeln und Formen trotz tonender Wiederholung ' des programmatischen Ideals. Welches ist die Idee des K. C.? Die Erziehung des deutschen.jüdischen Studenten zum Manne und daß ersich als Mann, als Jude und als Deutscher, sein ganzes Leben lang behaupte und/ bewähre. Die Wege dazu werden, in jeder Zeit , andre sein. ^Daß sie nicht in-den aus gefahrenem. Gleisen stecken bleiben, dazu liegt eine beherzigenswerte Mahnung in. dem Gründungsdatum der Rheno-Bavaria. "" - - Sie ist gegründet am 5. 12. 1918, also vier. Wochen nach Beendigung des großen Völker-- - :j£ m