KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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: i- ■ . . rüx -■ - ■ v<•v .J- &' f - KM KG W ' E" M. '' £.-,- w ■■ _ G ‘ v, sf ■ V. v ’&l V » . - -* Aist auch der jugendliche Oskar ^chönfeld in jenen DMämpfen gefallen, während ein weiterer junger . jüdischer Bürger der Stadt Essen schwere Verwundungen davopgetragen hat. „Das Andenken dieser pflichttreuen Bürger wird in der Geschichte /.der Stadt und der Essener Einwohnerwehr unver- Länglich fortleben", so heißt es am Schlüsse des ' Nachrufes. Mit wehmütigen Gefühlen lesen wir diese Zeilen in einem Augenblick, in welchem die antisemitischen Hetzer gerade im hiesigen Bezirk von neuem am Werke sind und in phantastischen Verleumdungen die jüdische Gesamtheit für alles Anglück der letzten Wochen verantwortlich, zu machen sucht. Jene Kreise, die in ihrer kr ankhaften Verblendung nur den Haß kennen und jede Ausllärung zurückweisen, werden auch! durch : deine Tat, junger Held und durch das .Andenken der zahllosen anderen jüdischen Kriegshelden, - sichvon niedrigen Schmähungen des jüdischen Namens nicht abhalten lassen. In unseren Reihen aber soll es nicht, vergessen werden, daß du durch deine Treue noch im letzten-Atemzuge dem K. C. und der deutschen Judenheit Ehre erwiesen hast! ->' vr. Krombach (Essen, Thuringiae). Ludwig Mendelsobn (Licariae). Am 1. Februar 1920 entschlief plötzlich uns allen unerwartet, mitten aus dem Kreise seiner Bundesbrüder herausgerissen, nach nur zweitägigem Leiden mein lieber Leibfuchs, unser lieber Bbdr. Ludwig Mendelsohn, gen. „Panje", um eine große Lücke in der Schar zu hinterlassen, die seit Jahren in München um das Wohl und Wehe der Licaria sich sorgte. Deiiu nachdeni er Ostern 1913 die Reifeprüfung abgelegt hätte und vom K. C.-Gedanken begeistert in die damals im Entstehen begriffene Friburgia eingetreten war, kam er schon im nächsten Semester nach München, um es seitdem, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, nicht mehr zu verlassen. Fern von seiner Heimatstadt Königsberg, wo er kurz vorher seine geliebte Mutter verloren Hatte, schläft er nun auch in der Jsarstadt den ewigen Schlaf. In München verlebte er anfangs zwei schöne Friedenssemester in sorgloser Ruhe. Als der Krieg ausbr ach, eilte er wie wir alle zu den Waffen, kam aber als nicht kriegsverwendungsfähig zu seinem großen Leidwesen nicht hinaus. „Ich verteidige die Front in Konstanz" schrieb er mir 'mal ins Feld hinaus. Nach seiner baldigen Entlassung nahm er sich der damals sehr verwaisten Licaria an und hielt unter schweren Bedingungen den Berbindungsbetrieb aufrecht. Auch später nach erfolgter Inaktivierung und Philistrierung und nach bestandenem Rechtspraktikantenexamen fehlte er : . bei der Verbindung nie, um mitzuhelfen, wenn es die jungen. K. C.-Füchse im alten K. C.-Geiste^zu erziehen galt. Unser lieber Panje erfreute sich bei allen Bundesbrüdern einer allgemeinen Beliebtheit; einen Feind hat er wohl kaum besessen. Er war der Typus des bierehrlicheu Burschen, der 'überall seinen Mann stand, dessen gesunder Mutterwitz, trocken hervorgebracht, stets das Richtige traf und dessen Meinung deshalb gerne gehört wurde. 5 Da ich dir, lieber Leibfuchs, wegen der traurigen Zeitverhältnisse nicht einmal das letzte Geleit gefielt konnte, rufe ich dir auf diesem Wege ein letztes Lebewohl nach. Genau so wie ich werden dir alle deine Bundesbrüder, mit denen du ernste und frohe Stunden geteilt hast, stets ein treues Gedenken bewahren. " Werner La chm a nn (Sic., Sil., Rh.-Pal.). Dem Andenken (Partin ßolUns. Von H ans Block (Licariae). Durch, die jüdische Jugend (und der K. C. ist doch ein Stück jüdische Jugendbewegung, unsere Verbindungen sind die «ersten jüdischen Jugendvereine in Deutschland gewesen, von ihrer Gründung an datiert die jüdische Jugendbewegung) geht das Streben und Sehnen, sich sittlich zu vervollkommnen ohne Rücksicht auf materielle Erfolge. Wir können stolz darauf sein, daß sich in unseren Verbindungen,ut den Studentenjahren, also den eindruckvollsten Jahren, des Menschen, 'idealge-. sinnte Persönlichkeiten entwickelt haben. Uitter ihnen ist an erster Stelle unser so früh geschiedener Martin Ballin zu nennen. Ein K. C.er soll sich in jeder Lebenslage korrekt benehmen. Das Äingt banal und ist doch inhaltreich. Ballin war ein Vorbild. Im Äußerlichen, in Kleidung und Haltung. Int Jnnerlichen, .in seinem Feingefühl und seinem sittlichen Ernst. Dieser kräftige Mann war von wunderbarem Zartsinn, besorgt zu verletzen, 'bedenklich nicht absolut sittlich zu handeln. Niemand von uns, .der ihm nahestand, hat sich seinem Einfluß entziehen können. - Ein Udelsmensch! Der Dichter, der auf die Generation Ballins den tiefsten Eindruck machte, war Ibsen, der Verfasser der „Wildente" und von „Rosmersholm", deGdie sittliche Forderung präsentiert und die Adelsmenschen bilden will. Und Uun ist eines sehr merkwürdig. Ballin war alles andere als ein Grübler, er war durchaus nicht das, was man eine problematische Natur nennt, eher fehlte ihm das Verständnis für abstrakte Gedankenspekulationensein Sinn war auf das Praktische gerichtet, er war auch materiellen