KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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verschiedenen Prozesse aufgerollt ist, die ganze Welt mit Schauder und Entsetzen erfüllt hat? An andere Taten, die von Leuten ausgegangen sind, die Herrn Lehmann vielleicht noch näher stehen, wollen wir lieber nicht erinnern. Der Borwurf, daß wir erst für Ruhe und Ordnung sorgen müssen, ehe wir Anspruch auf gerechte Behandlung machen können, trifft uns nicht. Er trifft nur Herrn Lehmann und seine Gesinnungsgenossen, die in dieser Not unseres Vaterlandes nichts besseres tun können, als neuen Haß und neue Zwietracht säen und systematisch die Kräfte, die beim Wiederaufbau tätig sind, untergraben. Die Wahlen zur Berliner Studentenvertretung haben der Liste des K. C. eine Stimmenzahl von 493 und damit acht Vertreter gebracht. Die Liste der Zionisten (K. I. B.) war wegen eines Formfehlers zurückgewiesen worden, so daß sie beschlossen für die Liste des K. C. zu stimmen, wohingegen der K. C. ihnen zwei Vertreter,einräumtc. Die allgenreine Wahlbeteiligung betrug 6272 abgegebene Stimmen gegen 3600 im Mai 1919. Die Kämpfe wurden mit großer Erbitterung und nicht immer mit vornehmen Mitteln geführt. Die allgemeinen Ergebnisse waren die folgenden: Wahlgruppe Stimmen Sitze Deutsche Finkenschaft v1722 28 Berliner Waffenring 1001 16 Wahlgruppe Stimmen Sitze Deutsche Grupve der Korporationen 900 15 Katholische Fraktion 222 3 Ungebundene Kriegsteilnehmer 358 6 Freideutsche Gruppe 289 4 Deutscher Hochschulbund 614 10 Deutsche Studenten jüdischen Glaubens 493 8 Deutsche Paritätische Gruppe 149 2 Sozialisten 495 8 Die Deutsche Finkenschrft istmit28-Sitzen als stär kste F ra ktion aus dem Wahlkampf hervorgegangen. Die völkischen Gruppen zusammen besetzen 62 von den 100 Sitzen des Berliner Studentenparlaments. So ist denn der antisemitische Einfluß ein sehr starker. Die reaktionäre Presse schwelgt in den höchsten Jubeltönen. Die „Deutsche Zeitung" jauchzt vor Freude und nur ein Wermutstropfen fällt in den Becher reinen Jubels, daß nämlich — die Zwnisten „leider nicht vertreten seien!!" Beachtenswert ist der ganz erstaunlich schwache Erfolg der deutschen paritätischen Gruppe, obwohl in Berlin mindestens fünfzehn'Vereine und Verbindungen auf paritätischem Standpunkt stehen. — Über die Wahlen an den übrigen Universitäten erwarten ' wir den Bericht der Kartellverbindungen. . IS IS Bücher- und Blätterfcbau. IS US Das Duell, sein ««deutscher Ursprung und unsozialer Charakter, von D. Hermann Steinlein, Pfarrer in Ansbach; Herausgegeben vom Presseamt des Deutschen Verbands aller Schwarzburgbünoler (G. V.), Berlin. Verfasser erbringt, gestützt zum Teil auf die Forschungen des Freiburger Historikers von Below, vorzugsweise aber auf historisches Material, der die diesbezüglichen Verhältnisse an den alten Universitäten Königsberg, Wittenberg, Leipzig, Ingolstadt, Heidelberg, Greifswald und Freiburg beleuchtet, den Beweis, daß das Duell in Deutschland wesentlich später eingeführt wurde als in Italien und Frankreich. Insbesondere sind die kirchlichen Duellverbote in Italien viel Älter als entsprechende behördliche Verordnungen in Deutschland. — Nach einer kurzen Darlegung des „unsozialen Charakters des Duells", das auf dem ihm zugrunde liegenden Begriff einer „über die anderen Schichten weit hinausgehobenen ganz besonderen Standesehre" beruht, kommt der Verfasser zu der Forderung, daß „jener undeutsche Importartikel endlich einmal verschwindet". Das reaktionäre und gegenreaktionäre Gebühren eines großen Teils des Waffenstudententums, die dünkelhafte Überheblichkeit des „Allgemeinen deutschen Waffenrings" und seiner Lokalkartelle wird aber wohl diese Forderung der Erfüllung viel eher näher bringen, als alle an sich noch so richtigen historischen Darlegungen des duellgegnerischen Verfassers. M. M. I. bi« Gorion. Vor dem Sturm. Ostjüdische Geschichten. R. Löwit Verlag. Berlin- Wien 1919. 3,50 Mk., 5 Kic.?— - Zehn kleine Erzählungen von Berdyczewski, von Rahel Ramberg aus dem Jüdischen meisterhaft übersetzt, enthält der vorzüglich ausgestattete und gedruckte! kleine Band. Sie schildern den Ostjuden, und wenn sie sich auch bemühen nicht den Typus sondern das Individuum zu zeichnen, wenn sie auch weder Milieuschilderung noch sentimentales Vergangenheitssehnen bringen, sie malen doch das Ostjudentum in der ganzen Tiefe seines tragischen Geschicks. Das ganze Weh einer gequälten Genreinschaft konzentriert sich in den Seelen der Menschen, deren wechselvolles Los der Dichter mit dramatischer Kraft darzustellen weiß. Hugo Bergmauu. Jawue und Jerusalem. Gesammelte Aufsätze 1919. Jüdischer Verlag, Berlin.— Fünfzehn zionistische Aufsätze aus den Jahren 1911 bis 1918 vereint der Band. Von wechselndem Werte beleuchten sie viele Gebiete national-jüdischen Denkens und Lebens. Vieles ist gesucht — insbesondere gilt das von den religiösen Aufsätzen —, vieles ist überholt. Immerhin aber bedeuten sie einen wertvollen Beitrag' für die Geschichte der zionistischen Theorie. Gewissensfreiheit und Duldung in der Aufklärung^» zeit. Von Jos. Feiner, mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Gotthold, Leipzig. Verlag von Gustav Engel 1919. — Es war einmal! Feiner führt uns. durch die Schriften derer, die für Freiheit und Duldung auch den Juden gegenüber eintreten. Die besten Geister, die größten Namen unserer Literatur sind darunter, und man muß es dankbar begrüßen, wenn gerade heute in der Zeit des Rassenwahnes und des Hasses der Deutsche daran erinnert wird, daß es in seiner Geschichte einst anders Lang als jetzt. Gewiß läßt sich gegen das Buch einzelnes einwenden — so übersieht es geflissentlich, daß Friedrich der Große ein gefährlicher, gehässiger und unbelehrbarer Feind der Juden war. Dennoch aber seien ihm Scharen von eifrigen Leftrn christlichen Glaubens von Herzen gewünscht. AD. Gordon Briefe aus Palästina. Schriften der „Arbeit". Herausgegeben vom Haposl