KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer seine Fronttätigkeit dem Vst terländischen Bu ndjüdischer Fr ontso I b stten, Berlin W., Motz st r. 69 einzusenden und möglichst auch dem Bundals Mitglied beizutreten. - Der Bund kann seine Aufgabe, utrsere Ehrezu verteidigen, nur erfüllen, wenn wir alle chm als Mitglied zur Seite stehen und chm durch unsere Zahlen die zur Abwehr, nötigen Waffen geben. Die Juden im Heere. — Durch die antisemitischen Zeitungen geht ein Artikel, der zuerst in „Deutschlands Erneuerung" (Heft 12,1914) erschien und angeblich amtliches Material — die seinerzeit nicht veröffentlichten Ergebnisse der Judenzählung — verwertet. Neben diesem Aufsatz von Dr. Hans Friedrich ist im Deutschen Volksverlage München ein Buch erschienen: „Die Inden im Heere, eine statistische Untersuchung nach.amtlichen Quellen von Otto Arnim". Beide Veröffentlichungen sind von einem fanatischen Hasse gegen die Juden getragen und enthalten offenbare Verdrehungen und plumpe Fälschungen. Zur Widerlegung der Anschullngungen hat der Philoverlag (Verlag des Zentralvereins), Berlin S.W. 68, Lindenstraße 13 eine Broschüre veröffentlicht, die den Titel- „Die Juden im Heer. Eine Kriegsstatistik" führt. Sie.kostet zwanzig Pfennige und bietet reiches Abwehrmaterial. Auf sie seien die Verbandsbrüder nachdrücklichst hingewiesen. Die antisemitische Tendenz des Verlages I. Leh. mann-Mnnche«. Einer unserer Freunde hatte bei dem Verlage Lehmann in München, in dem neben antisemitischen Schriften auch die „Münchener Medizinische Wochenschrift erscheint, mit Rücksicht auf die antisemitische Tendenz des Verlages diese abbestellt. Darauf erhielt er von dem Verlage das nachfolgende Antwortschreiben: „Von Ihrer Abbestellung auf die „Münchener Medizinische Wochenschrift" habe ich Kenntnis genommen. Wenn Sie als aufrechter Jude, wie Sie schreiben, für Ihre Volksgenossen eintreten, so finde ich das durchaus selbstverständlich. Dasselbe Recht, das Sie aber für sich in Anspruch nehmen, nehme auch ich für mich in Anspruch. Wie Sie für Ihre Volksgenossen, so kämpfe -ick für meine deutschen Stammesbrüder. Vom Glauben ist ja Werhaupt nicht die Rede. Hätte ich in meinen Büchern eine einzige Notiz gebracht, die nicht der Wahrheit entspricht, so wären Sie nach meiner Ansicht durchaus berechtigt, sich darWer aufzuhalten, daß ich für mein Volk kämpfe. Nach meinem Empfinden haben Sie aber durchaus kein Recht, wenn ich Tatsachen feststelle, sich beschwert zu fühlen. Daß der Talmud und der Schulchan Aruch Lehren enthalten, die all dem auf das äußerste widersprechen, was Sie von Ihrem Wirtsvolk verlangen, ist nun einmal eine Tatsache, an der niemand etwas ändern kann. Daß die Feststellung einer solchen Tatsache .Ihnen unangenehm ist, gebe ich zu, ebenso, daß die Feststellung anderer Tatsachen Ihnen nicht erwünscht ist. Können Sie mich auf irgend einen Fehler aufmerksam machen, so bin ich Ihnen zu aufrichtigem Danke verpflichtet. Drohungen, wie sie in den antisemitischen! Blättern enthalten sind, worin z. B. gefragt wird, wielange es noch dauert, daß ich ruhig schlafen könne, lassen mich vollkommen ruhig. Auch jetzt habe ich wieder auf der Liste der anläßlich der Feier der Revolution zu Ermordenden gestanden, wie mir von militärischer Seite mitgeteilt wird. Wer wohl diese Liste aufgestellt hat? Das Geld, um den Umsturz zu finanzieren, wird jedenfalls von semitischer Seite geliefert, wie Herr Cohn im Reichstag ja selbst zugab. Wenn sich das deutsche Volk dann dagegen wehrt, daß es systematisch, mit jüdischem Gelde zugrunde gerichtet werden soll, dann wagen Sie, wenn man solche Tatsachen feststellt, von Hetzschriften zu schreiben. Wollen Sie für. Ordnung, sorgen, dann sorgen Sie dafür, daß Ihre Rassegenossen sich andere Ziele stellen. Der Geiselmord in München und die neue Liste der zu Ermordenden beweisen ja zur Genüge, welche verbrecherischen Kräfte hier am Werke sind. Solange das Judentum aber nicht von diesen Gesellen. abrückt und das Tischtuch mit ihnen zerschneidet,.solange hat es auch kein sittliches Recht, den Deutschen einen Borwurf daraus zu machen, wenn sie das Volk über die Tätigkeit dieser Leute ausklären. Hochachtend gez. I. Lehmann." Wir möchten nicht verfehlen, diesen Brief der breiten Öffentlichkeit bekannt zu geben. Wie wohl allgemein bekannt sein wird, ist im Verlage Lehmann auch die berüchtigte Schmutzschrift von Dr. Walter Sief, „Der Anteil des Judentums am Zusammenbruch Deutschlands", erschienen. Der Ton, in dem der Lehmannsche Brief gehalten ist, steht durchaus im Einklang mit dem Ton, den die von ihm herausgegebenen Schriften und Blätter anzuschlagen pflegen. Was wir Herrn Lehmann und seinen Gesinnungsgenossen vorwerfen, ist, daß sie nicht eine sachliche Kritik am Judentum und an den Juden zu üben sich bemühen, sondern daß unsere ganze Gemeinschaft in Bausch und Bogen von ihnen verdammt lwird. Wenn Herr Lehmann vorgibt, für seine deutschen Stammesbrüder einzutreten, so kann ihm dieses Recht von niemandem verwehrt werden. Aber er muß uns einmal sagen, wer denn zu seinen deutschen Stammesbrüdern gehört. Rechnet er etwa den Adel oder die deutschen Fürstenhäuser, deren Mitglieder ihr Blut so oft mit dem Blute fremder Stämme vermischt haben, auch noch zum deutschen Stamm? Der Kreis derer, die in Wahrheit darauf Anspruch erheben können, deutsch-- stämmig genannt zu werden, dürfte unendlich Kein im Laufe der Jahrhunderte geworden sein. Denn gerade . dem Deutschen, wird es nachgesagt, daß er niemals Bedenken getragen hat, sich mit frenrdem Blut zu vermischen. Aber nicht auf oas Blut, das in unfern Adern fließt, kommt es an. Nicht die Blutprobe ist das Ausschlaggebende, sondern die Gesinnung und der Wille. Wir deutschen Juden haben, wenigstens in unserer großen Mehrheit, den Willen zum deutschen Volke, und wir lassen uns unsere deutsche Gesinnung weder durch Herrn Lehmann, noch durch seine Gesinnungsgenossen absprechen. Behauptungen wie die, daß der Talmud und der Schulchan Aruch Lehren enthalten, die den Gesinnungen widersprechen, die Herr Lehmann von uns als Gastvolk verlangen zu müssen glaubt, sind billig. Wir möchten es bezweifeln, daß Herr Lehmann jemals einen Blick in diese Bücher getan hat. Hat doch kürzlich erst der Hauptherold der Antisemiten im Kampfe gegen Talmud und Schulchan Aruch, der tüchtige Herr Dr. Dinier, erklären müssen, daß er selbst kein Wort Hebräisch verstehe. Wenn unsere Gegner solche Geistes- und Gesinnungshelden an der Spitze haben, dann können wix ebenso ruhig schlafen, wie Herr Lehmann geschlafen hat, als man ihm Mitteilung gemacht hat, daß er auf 1)er Liste der zu Ermordenden steht. Wir wissen nicht, wer diese Liste ausgestellt hat. Wir haben mit derartigen Gesellen nichts zu tun. Wir haben das oft genug erklärt. Das Tischtuch brauchen wir deshalb nicht zwischen uns und ihnen zu zerschneiden, da wir noch niemals an einem gemeinsamen Tisch gesessen haben. Vielleicht aber dürfen wir an Herrn Lehmann die Frage richten, wann er zwischen sich und „seinen deutschen Stammesbrüdern" das Tischtuch zu zerschneiden gedenkt, deren viehische Roheit, anläßlich der Münchener Tage, die durch die