KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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sich aber energisch verbitten, daß Außenstehende in ihre ureigensten Angelegenheiten täppisch Hineinreden. Es gilt im öffentlichen Leben als gute, bisher von allen Seiten beachtete Sitte, daß man -sich in Dinge des Familienlebens nicht mischt. Hier liegt derselbe Fall vor. Zum zweiten aber gestatten wir uns., die Frage, ob denn nicht „Bl a u - W eiß" gleichfalls als feib stverständliches Rekrutierüngsgebiet des K. I. V. gilt. Und statt "aller langen Auseinandersetzungen geben wir zwei genaue Zitate aus einem gedruckten Keilbericht des K. I. V. Der Berichterstatter schreibt beweglich klagend wörtlich: „Meine bereits im vorigen Bericht ausgesprochene Feststellung, daß die natioualjüdischen Jugendorganisationelt keinen überwiegenden Anteil an unsere Rekrutierung haben, und daß alle, falschen Ansichten entsprungenen, Folgerungen über Veränderung des Keilmaterials und über die Unmöglichkeit, außerhalb dieser Kreise Anhänger zu gewinnen, leere Theorien sind, ist. erneut bestätigt.. (Das folgende ist durch ganz starken Druck hervorgehoben.) Wir haben aus dem Blau-Weiß nur (!) 24 Füxe bekommen (im Zwischensemester 9) . . .". Daraus ergibt sich erstens, daß der Blau-Weiß, was häufig bestritten wird, offiziell als nationaljüdisch gilt, und das darf man sich merken. Zweitens sieht man, Iwie es in weiteren Kreisen des K. I. B. als ganz selbstverständlich gilt, daß der Akademiker, der vom Blau-Weiß kommt, K. I. V.er wird, denn, auf der nächsten Seite heißt es sogar wieder wörtlich: „Bemerkenswert ist, daß 6 Blauweiße nicht aktiv geworden s ind" (von uns gesperrt). Wozu also die Aufregung? Wenn es schon bem e r k e n s w e r t (!) ist, daß von dreißig Blau-Weißen „nur" 24 aktiv im K. I. V. geworden sind, so dürste wohl erwiesen sein, daß man den Blau-Weiß als Vorbereitung für das K. I. B. betrachtet. Und nun fragen, wir? Falls, was natürlich nicht zuzugeben ist, die Denunziation des Herrn Prinz etwas Wahres behauptete, welche eigentümliche Moral liegt darin, dem K. C. als Sünde anrechnen zu wollen, was beim K.J.B. selb-stv erständl i ch i st: Herr Prinz braucht das nicht zu wissen, er ist jung und'eifrig und zornig. Ihm sei verziehen. Aber die „jüdische Rundschau" dürfte über zionistische Interna erheblich besser Bescheid wissen, und sie hätte daher gewiß von journalistischem wie von jüdischem Standpunkt aus besser getan, wenn sie den kindlich-naiven Schrift- , stellerehrgeiz eines jungen Menschen etwas gedämpft und die unüberlegte, beleidigende Zuschrift nicht veröffentlicht hätte. . L. Vom Burschenbundseonvent (B.C.). Die „Deutsche Hochschule", die Zeitschrift der national-freiheitlichen Studentenschaft in Deutsch-Ästerreich, erscheint neuerdings mit dem Untertitel „Organ des Burschenbunds- Convents (B. C.), Verbandes paritätischer Korporationen an deutschen Hochschulen. Ein enger Zusammenschluß der deutschen und österreichischen Korporationen scheint geplant zu sein. Von den Tendenzen des B. C. erfährt ma!n, daß er Maturitätsprinzip hat und daß zur Rezeption eine genügende Mensur auf B. C.-Wafsen notwendig ist. Be stimm ungs mensuren steigen nur innerhalb des Verbandes. Von österreichischen Korporationen, die auf deutsch-freiheitlicher Grundlage stehen,.werden genannt: Burschenschaft Budovissa, akademische Burschenschaft Fidelitas, akademisches Corps Marchia, akademisches Ciorps Raetia, Burschenschaft Suevia, alle in Wien. Dazu treten noch Prager Verbindungen, die freilich jetzt unter der tschechischen Herrschaft verlegt werden müssen, falls sie nicht eingehen. In der Judenfrage stehen die österreichischen Korporationen an sich ganz auf dem Boden der . reichsdeutschen Parrtätler. Interessant ist freilich die Bemerkung, daß d^e österreichische nationalfreiheitliche Studentenschaft „ist der O st judenfrage mit der übrigen deutschen Studentenschaft voll und ganz (sie) überein- ): stimmt". Mit welchem gehässigen Antisemitismus nun - ein großer Teil der „übrigen deutschen Studentenschaft" die Ostzudenfrage betrachtet und behandelt, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Man darf also sehr gespannt sein, wie die weitere Entwicklung vor sich - , gehen wird, insbesondere ob die zum allergrößten Teile aus Juden bestehenden reichsdeutschen paritätischen Verbindungen: sich «nicht doch (gegen diese Politik der österreichischen Bundeskorporationen wenden werden. "X Die österreichischen Verbindungen. Der projektierte Zusammenschluß zwischen den national-freiheitlichen Verbindungen in Österreich und dem reichsdeutschen B. C. ist keine neue Erscheinung. Insbesondere der Kösener S. C. meldet, daß er am 20. September sämtliche österreichischen Corps, die sich bisher noch nicht angeschlossen hatten, ausgenommen habe. Schon vor dem Kriege waren die Schweizer und drei Innsbrucker Corps im Verbände, zu Pfingsten 1919 sind ein Prager und zwei Grazer Corps in den Kösener S. C. eingetreten, und neuerdings haben sich seine Pforten auch den letzten in Frage kommenden Korporationen, vier Corps in Wien, je einem in Leoben und Prag,, sowie dreien in Brünn eröffnet. Damit zählt der Verband 109 einzelne Corps. Austria-Prag hat übrigens den Sitz nnchr Frankfurt a. M. verlegt. Besonders bemerkenswert ist. daß mit der Übernahme der Corps: an der Technischen Hochschule in Brünn und der Bergakademie in Leoben der Kösener S. C. von seinem Grundsätze abgegangen, ist, nur. Corps von wirklichen Universitäten aufzunehmen. Von jüdischen Verbänden hat Nur das K. I. B. schon vor längerer Zeit die alte Verbindung „Kadimah" in Wien ausgenommen. Es' wäre einmal..fehr wohl zu erwägen, ob nicht jetzt auch der K. C. an eine Gründung in Wien denken könnte. Keilmaterial, das jetzt den zionistischen und deutsch-freiheitlichen Verbänden restlos zufließt, wäre gewiß vorhanden. Jüdischer Verlag. — Der zionistische „Jüdische Verlag" versendet seinen neuen Verlagskatalog 1902 bis 1919. Auch der Gegner muß bewundernd anerkennen, welche reiche Arbeit in diesen siebenzehn Jahren geleistet worden ist, und ganz besonders groß und wichtig ist die Produktion des Jahres 1919. Liest man die Titel der veröffentlichten Werke in der historischen Übersicht, so ersteht die Geschichte der ganzen modernen jüdischen Bewegung vor dem geistigen Auge. Man kann dem rührigen Berlage nicht nur nachsagen, daß er für seine Parteiziele glänzend gearbeitet hat, sondern darüber hinaus hat er die jüdische Literatur Deutschlands um. manche wertvolle Erscheinung vermehrt. - Jüdische Frontsoldaten. Man bittet unsum Veröffentlichung folgender Zeilen: Gewissenlose Hetzer versuchen durch angeblich amtliche Zahlen uns, die für das deutsche Vaterland mit Gutsund Blut genau so gekämpft haben wie unsere christlichen Kameraden, als Drückeberger vor der Öffentlichkeit hinzustellen. Wir brauchen daher als Gegenbeweis wahrheitsgematze Zahlen, die allein für sich sprechen.! -- Es ist somit Ehrenpflicht eines jeden Juden, der an der Front gekämpft hat, zur Verteidigung seiner Ehre und des Andenkens unserer gefallenen jüdischen Kameraden unverzüglich seine genaue Adresse nebst Angaben