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KC-Blätter · 1920-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1920) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 1-3 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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Beröfsentlichung gegenüber kaum ins Gewicht. Berufene Vertreter der Parteien und der Vereinigungen sprechen selber über die von ihnen vertretenen Grundsätze und matt hat Gelegenheit maßgebliche Urteile zu lesen. Eine Literaturangabe, die freilich noch ergänzt werden könnte, ermöglicht tieferes Eindringen in die Sache. Das Buch war ein Bedürfnis, und man muß dem Herausgeber Dunk sagen. Die zweite Auflage, auf. die hoffentlich bald zu rechnen ist, kann tatsächlich — tvenn alle Ausstellungen der Kritik berücksichtigt werden — das fehlende Kompendium des jüdischen Parteilebens werden. In Nr. 748 der Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt" behandelt Professor Dr. I. Elbogendie „GeschichteoerJudenseitdemUntergang des jüdischen Staates" (Verlag und Druck von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1919). Das Büchlein, das acht Bogen stark ist, enthält zunächst einmal eine Fülle von Material, ohne daß freilich der Leser auch nur eine unnötige Zahl oder einen überflüssigen Büchertitel erführe. Elbogens große Kunst besteht darin, daß er mit weiser Beschränkung auf das Wesentliche ein zusammenhängendes, verständliches Bild der großen Geschichte unserer Gemeinschaft gibt. Im Gegensatz zu anderen Erscheinungen ähnlicher Art kommen aber weder die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte noch auch die Entwicklung der geistigen Strömungen zu kurz. Das Buch ist mit klaren,, schlichten Worten geschrieben, es hält sich von jeder Glorifizierung fern, und diese einfache Sprache der nackten Tatsachen verfehlt ihre Wirkung nicht. Elbogens ganz vortreffliches Büchlein soll das Studium größerer Werke nicht entbehrlich! machen, aber eswird für alle jene, denen ihre Berufsstudien ein tieferes Erfassen der Probleme nicht gestatten, ein unentbehrliches Hilfsmittel sein. Es enthält gerade das, was ein jeder gebildete Jude von der Geschichte seiner Gemeinschaft wissen muß, und als Erziehungsmittel wird es zumal bei der Jugend — und im besonderen der akademischen — ganz vortreffliche Dienste leisten. Gerhard Holdheim und Walter Preuß behändeln auf etwa achtzig Seilen „die theoretischen Grundlagen des Zionismus". (Ein Leitfaden. Mit einem Anhänge: Die bedeutendsten jüdischen Organisationen und Institutionen. 1919. Welt- Verlag, Berlin.) Das Buch hat große Vorzüge. Sachlich bietet es ganz ausgezeichnetes Material und auch die. Literaturangaben sind nicht zu verachten. Der Leitfaden — diese Bezeichnung ist wohl-gewählt um die off abrupte und zuweilen saloppe Ausdrucksweise zu decken — verfällt in zwei Teile, deren erster die Geschichte des Zionismus und der vorzionistischen Strömungen enthält. Kurz werden hier auch alle Persönlichkeiten der Bewegung und die ihnen eigentümlichen . „i Auffassungen des «nationalen Gedankens erwähnt^ Der -5 zweite Teil — d^r bei weitem schwächere — ist den Begriffen gewidmet. Hier besteht der Wert weniger in dem, was erörtert, als in dem, was offen gelassen und dem Nachdenken des Lesers anheimgegeben wird. ■% Es liegt im Wesen einer solchen kompilatorischen v Schrift, daß sie wenig eigene Ideen enthält. Angenehm fällt gewiß auf, daß sie sich keine gewaltige Mühe gibt,, um — nach berühmten Mustern — zu beweisen,, daß ':i das Nationaljudentum die historisch geradlinige Fort--' setzung des alten Judentums sei, sondern daß sie seinen -7modernen Charakter ehrlich zugibt. Sonst aber besteht die geistige Leistung in der Zusammenstellung, und wo i 7 die Verfasser eigenes geben — so in der Kritik der . modernsten Strömungen — ist es auch von nationaljüdischem Standpunkt aus sehr anfechtbar. Nicht immer - . ' r ist die Verarbeitung einwandfrei; manche Kapitel — unrühmlich seien die über Assimilation und Antisemitis- - > mus hervorgehoben — verraten denn doch eine recht oberflächliche Auffassung, während in anderen — so in denen über Liberalismus und Orthodoxie — anscheinend die Kenntnisse gefehlt haben. Dennoch soll aber das Verdienst der Verfasser keineswegs geschmälert wer- . V den. Sie haben eine fleißige und nützliche Arbeit geschaffen, die auch für den Gegner besonderen Wert besitzt. .; Abgesehen von der reichen Belehrung^die er durch das Tatsachenmaterial empfängt, kann er das Buch, selbst " wenn er noch wenig geschult ist, unbedenklich benutzen,. * ohne daß man eine Beeinflussung im nationaljüdischen Sinne zu befürchten hätte. Darin besteht von unserem Standpunkte aus seine anerkennenswerte Bedeutung, daß > es einem die Widerlegung seiner Ideen fast in den Mund legt, und von einer propagandistischen Kraft kann kaum die Rede sein. Der Anhang ist besonders nützlich. Hoffentlich ist er aber in seinen zionistischen Angaben etwas zuverlässiger als in seinen nichtzionistischen. So erstrahlt das K. I. V. auf Seite 72/73 mit einer Schar von achtundzwanzig Verbindungen und Stammtischen. Der K. C. dagegen hat nach Seite 79 deren nur zwölf! In Wirklichkeit hatte der K. C. zu der Zeit, aus der die Angaben über das K. I. B. stammen, mindestens zwanzig, wenn nicht fünfundzwanzig Vertretungen deutschen Hochschulen, wovon sich die Verfasser durch einen Blick in die K. C.-Blätter hätten überzeugen können. Da-man in dieser falschen Angabe eine Absicht nicht erblicken darf, liegt eine bedauerliche Oberflächlichkeit vor. Auf dieses wie auch die beiden zuvor genannten Bücher, seien die Fmxmajore fiir Tendenz besonders aufmerksam gemacht. Akademische und allgemeine Nachrichten. Wir werden um Veröffentlichung folgender Ausführungen gebeten: „Studenten, und technische Rothilfe." Bon cand. H. Pohl. * Kommilitonen! Ein bekannter Spezialpädagoge äußerte mir gegenüber gelegentlich, daß jeder Deutsche, bevor er an sein Tagewerk ginge, sich den Friedensvertrag von Versailles vornehmen müßte, um jedesmal einen Paragraphen dieses Meisterwerks diplomatischer Spitzflndigkeiten durchzulesen, damit er überhaupt eine Ahnung bekommt, wie geknebelt und gefesselt sein Vaterland ist. Wenn wir unser „Wirtschaftsleben", das man beim besten Willen nicht als „Lebens ansprechen kann, betrachten, so muß uns eine entsetzliche Furcht anfallen, wenn man b: denkt, daß Teile unseres Volkes selbst an . dieses die Axt legen wollen. Es gibt Kreise, die in verblendeter Torheit nicht sehen wollen, daß uns aus dem Chaos des Wirtschaftselends nur noch eins retten v . kann: restlose, uneingeschränkte Arbeit. Me zu einer Kriegsführung dreierlei gehört, nämlich Geld, Geld und noch einmal Geld, so brauchen wir zu den Kampf für die wirtschaftliche Gesundung unseres; Vaterlandes auch drei Dinge: Arbeitshände, Arbeits- - Hände und noch einmal Arbeitshände, Hände derer, die bereit sind, ihre letzte Kraft dem wirtschaftlichen Auf- -- bau zu widmen. Um überhaupt leben zu können, brauchen wir eine Ordnung. Der Krieg mit seinem unsteten und verderb- ' * ■; . - -■ - •.

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