Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1920-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1920) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 1-3 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268925-2268926--2497-2271661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

A tvie^jeder Nationalismus, er ersehnt den Sieg des §§ "Seins über das Sollen, das Machtvolle Sein ^V-Ler beutegierigen, von politischen Tagessorgen U erfüllten Völker dieser Erde soll in seiner Art , - auch in Israel siegen, und das Sollen, seine göttliche Sendung, mag vergehen. ' Klatzkins unendliches Verdienst besteht darin, K ) daß er konsequent ist, daß er den Gesinnungsge- ) nossen zeigt, wie sehr es nur die Verschwommenheit ihres Denkens ist, die ihre Theorien vor dem sofortigen Scheitern bewahrt. Er zeigt, daß ein folgerichtiger und ehrlicher Zionismus zwar Palästina retten kann, daß er aber die Diasporajuden- >. heit vernichten muß. Und für diese Klarstellung sei ihm gedankt. Klatzkin ist ein umgekehrter U Bileam. Dieser zog aus, um zu fluchen und > . mußte wider seinen Willen segnen. Klatzkin zog aus,, um für den Zionismus zu zeugen, und ' er Hat ein Werk geschrieben, das gegen ihn spricht, das in jeder Zeile seine Unhaltbarkeit erweist. Es ist gegen die Idee, gegen die Grundlage, gegen die Ziele des Nationaljudentums _ manches Gute geschrieben worden, nichts aber : untex der antizionistischen Literatur ist so vortrefflich wie Klatzkins Werk. Denn nur diese >. Seite wird Beachtung finden und sie wird bleiben! -Klatzkin als Vertreter positiver Forderungen wird bald vergessen sein, denn er will Unmögliches, |- Übermenschliches, Unjüdisches! Klatzkin als Kritiker des landläufigen Zionismus wird stets beachtet werden und die „Probleme des modernen Judentums" werden die Quelle sein, aus der jeder schöpft, der in Zukunft gegen den Nationalismus im Judentum Wesentliches vorzubringen hat. (Schluß folgt.)" Offener Brief an Bern» Dr. Julius Simon. In der Nummer 19/20 der ,N e u e n jüdischen Monatsheftehatte der bekannte Dichter I. Georg Herrmann einen vielbeachteten Artikel geschrieben. Man laS vom. typischen Erwachen eines „unjüdischen-, eines religionslosen Juden, der, wenn eS keinen Antisemitismus gäbe, längst seiner Gemeinschaft entfremdet wäre, und der durch die AnfeMdungen fernen Umgebung unsanft an seine Herkunft erinnert wird. Natürlich sucht Herrmann sich ein Judentum zu konftmieren, und den Sinn des Judentums sieht er darin, daß die Gedanken der Menschheit bei den Juden am besten aufgehoben gewesen sind. „Ünb wenn wir «nS zusammenschließen, so sei unser Zion (nicht örtlich und staatlich begrenzt): die Zukunft der Menschheit.- Freilich geht auS dem Aufsätze trotz seiner den Zionismus ablehnenden Stellung hervor, daß H e r r m a n n im Grunde doch dem Nationaljudentum zusteuert. Und Or. Julius Simon (Mannheim) redet ihm in den „Neuen jüdischen Monatsheften- (Nr. ö. von 10. 12. 19) gut.zu, damit er den letzten Schritt tue und seine MenschhettSideale auf dem Wege der Aufrichtung seiner jüdischen Nation weiter zu verfolgen suche. In diesem Zusammenhangs spricht er über da« Verhältnis von Deutschtum und Judentum recht eigenartige Sätze, auf die sich der offene Brief des Kbdr. Fröhlich bezieht Die Red. Sehr geehrter Herr vx. Simon! Gestatten Sie einem der Jüngsten, zu dem Problem „Deutschtum und Judentum", das durch den Artikel des Herrn Georg Herrmann sowie durch Ihre Antwort in den „Neuen jüdischen Monatsheften" wieder einmal zur Diskussion gestellt wurde, ein kurzes Wort. Auch ich habe während des Krieges persönliche Erfahrungen als Jude gemacht, die sich von den Ihren gewaltig unterscheiden. Persönliche Erfahrungen haben nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sollen auch niemandes Ansichten ändern, sind aber doch wohl mehr als abstrakte Theorien geeignet, das gegenseitige Verständniszu fördern und dadurch die Einigkeit in unserer Mitte zu schaffen, die wir Juden wohl alle erstreben und so dringend nöttg haben. Ich Habe nicht die Ehre, Sie zu kennen, und weiß nicht, in welchen Kreisen Sie Ihre Erfahrungen gesammelt haben. Es scheint, daß Sie fast nur mit Offizieren zu tun gehabt haben. Wer aber mit den Männern des Volkes und der harten Arbeit jahrelang oder doch wenigstens, wie ich, viele Monate hindurch' Tisch' und Bett geteilt, an ihren Nöten und Sorgen Anteil genommen' hat, konnte manche Erfahrung machen, die für sein ganzes Leben ausschlaggebend geworden ist. Es war durchaus nicht alles eitel Liebe und Verehrung, wasMir für uns Juden entgegenschlug, wenn meine Kameraden mit mir auf das Judentum zu sprechen kamen. Der Jude war auch hier der Kriegsgewinnler, der Kapitalist, der- Ausbeuter, aber man war weit entfernt davon, in diesem Streben nach Gewinn und Genuß etwas spezifisch Jüdisches zu sehen, für Verfehlungen einzelner die Gesamtheit verantwortlich! zu machen. Das lag eben alles an dem kapitalistischen Profit- und Ausbeutungssystem und würde mit ihm verschwinden. Insbesondere konnte ich bei.älteren Arbeitern eine ungeheure Wertschätzung gerade des jüdischen Arztes feststellen, der für den Kranken Aufmunterung, für dessen Angehörige stets Trost hatte. Für jüdische Gebräuche (Beschneidung, Händewaschen, Speisegesetze usw.) fand ich eine Hochachtung, die selbst in jüdischen Kreisen immer 'seltener wird. Gern gab ich meinen Kameraden Auskunft auf ihre wißbegierigen Fragen, so gut ich es vermochte, und als uns das Geschick auseinanderriß, war wohl keiner, von dem ich mich nicht mit schwerem Herzen trennte. „Eine Kluft in Lebensanschauungen und^im Fühlen und Den-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.