KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Born«. D.«. In der Umschau der vorigen Nummer ist bereits mitgeteilt worden," daß der A. D. B. sich auf die Seite der Rassenantisemiten geschlagen hat. Nun erfährt man auch die Begründung. Nach der Deutschen Hochschulzeitung vom 30. Nov. 1919 lautet sie wie folgt: „Für di e Erzieh ung der Jung b urfchenschaft ist ihre Einheitlichkeit innerhalb des Bundes eine wichtige Voraussetzung. Der A. D. B. hat deshalb die Aufnahme jüdischerStudentenindieBurschenschaft für oie Zukunft abgelehnt. Der Bund verwirft jedoch für sich jede antisemitische Be tätigungundsiehtna.ch wievvrseineAufgabedarin, mitzuarbeiten an allen Einigungsbest Hebungen in derStudent e.n schaft,an ihrerZusammenfassung zur gemeinsamen Arbeit für das deutsche Vaterland und seine gesamte Universitas academica, hinweg überalle politischen, religiösen und Abstammungsunterschied e." Als »der Wolf das Lamm fraß, betonte er, daß er Vegetarier sei. Solche Kunststücke, daß man Juden in praxi ausschließt, im übrigen aber sich gegen antisemitische Betätigung verwahrt, pflegen rechtschaffene Antisemiten als „jüdischtalmudischen Dreh" zu bezeichnen. Was ist denn antisemitische Betätigung? Und wie stellt sich der A. D. B. zu den auch in dieser Zeitschrift gegeißelten Greifswalder Vorgängen? Hat Herr Ulrich Cordes Recht gehabt, als er die antisemitische Schlappheit der Korps und Burschenschaften verhöhnte und wahrhaft antisemitische Gesinnung, die sich auf die Rasse bis ins dritte und vierte rückwärtige Geschlecht erstreckte, nur für den A. D. B. in Anspruch nahm? Wie sehr man aber im A. D. B. sich vor dem Vorwurfe scheut, man könnte jemals auch in der Vergangenheit eine judenfreundliche Stellung eingenommen haben, beweist ein Ausschnitt aus der „Schlesischen Zeitung", der folgendes besagt: „Unter Bezugnahme auf den Artikel „Sozialdemokratische Denunziation" in Nr. 19 d. Ztg. geht uns aus den Reihen der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft (A. D. B.) nachstehende Aufklärung mit der Bitte um Veröffentlichung zu: In dem Artikel wird am Schluß u. a. gesagt: „Auch anständig denkende politische Gesinnungsgenossen des Denunzianten werden sich angesichts solcher leider nicht vereinzelt dastehender Vorkommnisse nicht wundern dürfen, wenn der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen so heftige Formen annimmt, daß selbst die m i t ausgesprochen judenfreundlicher Tendenz begründete A.D.B.-Burs chenschuft keine Juden mehr aufnimmt." Dazu ist an der Hand der Geschichte des A. D. B. als den wirklichen Tatsachen entsprechend festzustellen: Die A. D. B.-Burschenschaft ist im Jahre 1883 von Geheimrat Dr. Küster in Berlin gegründet worden, der selbst nicht auf „jugendfreundlicher" Basis stand oder steht, noch liegt den von ihm entworfenen Satzungen der A. D. B.-Burschenschaft irgendwelche „judenfreundliche Tendenz" zugrunde; es dürfte wohl der Hinweis, darauf genügen, daß Dr. Küster heute nicht bloß Mitglied der A> D. B.-Burschenschaft, sondern auch der D. C.-Burschenschaft ist. Geheimrat Küsters Stellungnahme zur Iudenfrage — ich schreibe dies als Bundesbruder Orl Küsters, der ich selbst vor kurzem mit ihm eine Besprechung gerade über diesen Punkt hatte — und damit die Grundsätze der von ihm gegründeten A. D. B.-Burschenschaft fußen vielmehr gerade auf einer christlichen Toleranz gegenüber allen wahrhaft deutschgesinnten Staatsbürgern. Es ist das die Stellung, die auch Abg. Dr. Stresemann, ebenfalls Mitglied der A. D. B.-Burschenschaft in dieser Frage einnimmt. Der A. D. B. hat einerseits niemals einen Radauantisemitismus mitgemacht, lehnte aber auch andererseits von jeher die Aufnahme aller undeutsch denkenden Glieder des international orientierten Semitentums ab. Der. Pfingstbundestag im Jahre 1919 stellt fest, daß die übergroße Mehrheit aller A.D.B- Burschenschaften (in Breslau Saxonia und Askania) in praxi bisher überhaupt keine Juden in ihre Reihen ausgenommen hat. Der Herbstbundestag im Jahre 1919 zog daraus die der Gegenwart und der bisher geübten Praxis einzig entsprechende Konsequenz, nunmehr auch als G e s a m t b u n d die Aufnahme von Juden abzulehnen, während bis dahin den einzelnen Burschenschaften die Stellungnahme in dieser Frage freigestellt war." Es ist bedauerlich, daß auch der A. D. B. eine solche Konjunkturpolitik getrieben hat und dem Antisemitismus gehorsam sein Opfer bringt. Wir mögen wohl vom jüdischen Standpunkt aus das stets behauptete, freilich auch wieder bestrittene „Prozentprinzip" des A. D. B. bekämpft haben, daß aber dieser Verband judenfreundlich gewirkt hat und auch wirken wollte, ist bis heute kaum je geleugnet worden. Vielleicht kommen, noch einmal Tage, da die Rassenschreier von heute merken, daß jene alte Zeit der „Judenfreundlichkeit" die beste des Verbandes war. 3. Vom K. I. B. Die „jüdische Ruwdschau" hatte sich jüngst mit dem K. C.-Tage beschäftigt und '— da sie nichts anderes anzugreifen fand — auf die Uneinigkeit in der Frage der Jugendvereine hingewiesen. Der in der „jüdischen Rundschau" aufgebauschte Gegensatz zwischen den Anhängern der „Kameraden" und der „neutralen" Jugendvereine wird wahrscheinlich den Teilnehmern am K. C.-Tage kaum zu Bewußtsein gekommen sein, da es sich um eine rein taktische Frage handelte, arbeiten doch K. Cer in beiden Lagern mit und sind sie es doch gerade, die jede Reibung zwischen beiden Verbänden verhindert haben und ver-, hindern werden. Auf der Suche nach Uneinigkeit hätte das zionistische Parteiorgan ganz in der Nähe viel ersprießlicheres Material finden können' berichtet es doch selbst über den Kartelltag des K.I.B. im Dezember 1919 in Frankfurt u. a. wie, folgt: „In der Zeit zwischen den beiden Kartelltagen hatte bereits eine von der Verbindung jüdischer Studenten Zefirah Breslau geleitete Gruppe, die Mitarbeit in einem einheitlichen K. I. V. abgelehnt. Sie"wollte die Ring-