KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- , ■*£5gS£-‘vs?n Bildung, d. h. den organisatorischen. Zusammenschluß gleich gestimmter Sondergruppen, unter einem eigenen 'Präsidium und einen Zusammenschluß dieser Ringe, zu .einem Kartell. Dieser Vorschlag wurde von der großen Majorität des Kartells und vom Präsidium unzweideutig abgelehnt, und diese Stellungnahme-wurde vom Frankfurter Kartelltag noch einmal ausdrücklich wiederholt. Die große Mehrzahl der K. I. V.er glaubte an ein einheitliches K. I. B. und sah in der Ringbildung eine aus zionistischen Gründen unbedingt zu verneinende Schwächung der zionistischen Arbeit. Die Zefirah hat. auf dem Kartelltag ihren Austritt aus dem K. I. B. erklärt. Einschließlich der außerhalb Breslaus Ausgetretenen beträgt die Zahl der Austritte etwa 120. Das K. I. V. umfaßt, ohne die Ausgetretenen etwa 1400 Bundesbrüder mit Vertretungen an fast allen Universitäten Deutschlands." Von welchen Stimmungen die „gleichgenannten" Sondergruppen bewegt waren, erfährt man aus dem Berichte leider nicht. Daß aber unsere Voraussage sich bewahrheitet hat und daß man auf Deutschlands Hochschulen über die Satisfaktion nicht mit einer Handbewegung hinweggehen. kann, beweist zunächst die Stellung der ausgeschiedenen „Zefiruh" zur Mensur. Sie hat ihren Mitglieder:! das Schlagen freigestellt. Wesentlicher noch ist aber, daß sich in Frankfurt . am Main im Dezember 1919 eine zionistische Verbindung Hasmvnaea gegründet hat, die auf dem Boden deä, Baseler Programms steht und unbedingte Satisfaktion gibt. Sie verbietet Mensuren zwischen Juden und trägt ein blau-weiß-blaues Band mit goldenem Davidftern bei festlichen Gelegenheiten. Man sieht also auch auf zionistischer Seite ein, daß Satisfaktion und die so hochmütig belächelte Couleur ihre nicht zu erschütternde Bedeutung haben und manche Schreier, die sich nicht weniger gut zionistisch dünken, kehren zu den alten Einrichtungen zurück. Auch andere Verbindungen haben sich der neuen Bewegung angeschlossen. Es ist ein B. Z. K. (Bund zionistischer Korporationen) gegründet worden, der zur Zeit vier Verbindungen in Breslau, Bonn, Frankfurt a. M. und Berlin, sowie einen Stammtisch in Würz bürg umfaßt. Einheitsfarben sind silberblau-silber und bei besonderer Gelegenheit werden sie im Bande getragen. Aus den dem K.J. V. treu gebliebenen Zefiren ist in Breslau ein Sport-V. I. St. gegründet worden. In der „Jüdischen Rundschau" vom 20. 2. 20. beginnen sich die feindlichen Brüder bereits verzuckerte Grobheiten zu sagen. Auf die weitere Entwicklung der Sache darf man gespannt sein. Es ist wohl zu beachten, daß es sich bei diesen Vorgängen um keine Entscheidung für oder gegen den Zionismus handelt. Auch der neue B. Z. K. steht durchaus auf dem Boden des Baseler Programms. Man darf aber in der Absplitterung eine Reaktion auf jene scharfe kulturzionistische Richtung erblicken, dis auf völligen Abschluß drängt und in Verwirklichung Klatzkinscher Forderungen deutsche studentische Formen schlankweg verbot. Das Leben ist nun einmal stärker als jede Theorie. In diesem Zusammenhänge sei übrigens mitgeteitt, daß Kurt Blumenfeld nicht mehr an der Spitze des K. J-V. steht. An seine Stelle wurde Dr. H. Lelewer gewählt. Warum Blumenfeld zurück- ' trat, geht aus dem lakonischen offiziellen Berichte nicht Hervor. 4. Ei« «euer Verband. Aus Frankfurt an! Main wird berichtet: ..Der Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur an der Universität Berlin hat hier einen Verein mit den gleichen Tendenzen begründet und dadurch das jüdisch-wissenschaftliche Kartell (I. W.K.) geschaffen. Das I.W.K. soll aKe akademischen Vereine mit jüdisch-neutraler Tendenz an den deutschen Hochschulen umfassen, die, ohne irgend eine jüdisch-religiöse oder jüdisch-politische Rich^ tung auszuschließen, sich der Pflege der jüdischen Wissenschaft widmen wollen. Der A. I. G. V. ist 1882 an der Universität Berlin gegründet worden. Die reinjüdische Tendenz wurde im dritten Semester dahin abgeändert, daß die wissenschaftliche Arbeit des Vereins mehr betont, und die Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur als Endziel bezeichnet wurde. Gleichzeitig wurde auch Nichtjuden die Möglichkeit gegeben, sich an. diesem objektiven Studium zu beteiligen. Das geschah aber nicht. Christen sind niemals in ihir eingetreten. Zu Beginn des Krieges ist der A. I. G. B. ein rein jüdischer Verein geworden. Die Anzahl der jüdischen studentischen Verbände ist damit auf fünf gestiegen. Neben unserem K. C., dem ältesten, existieren noch zlvei zionistischedas K.J. V. und der B. Z.K., ein orthodoxer. der B. J A., und nunmehr das neue I. W. K. Ls dämmert! Von vr. F. Goldmanu (Thur., Saxobav.). Dem Nationaljudentum entstehen neue und gefährliche Gegner. Man bekämpfte es mehr oder minder stark bei allen religiösen und allen anderen politischen Parteien. Aber Hand in Hand mit der Befeindung ging — begünstigt durch den Verlauf der Zeitereignisse — eine innerliche Kräftigung und eine bedeutende Ausdehnung der Bewegung. Heute steht der Zionismus auf der Höhe seiner Macht, heute glaubt er seiner Feinde spotten zu können. Und gerade in demselben Augenblicke regen sich seine schlimmsten Gegner, die ihn von.innen heraus befehden. Zionisten selber sind es, die gegen den anscheinend so festgefügten Turm anrennen. Und wenn auch bisher — von wenigen tastenden Versuchen abgesehen — im zionistischen Blätter-und Broschürenwalde ein eisiges Schweigen herrscht, die Güte der gegen die Bewegung geschwungenen Waffen wird in kommenden Zeiten oft genug schmerzlich empfunden werden.