KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Diese Be- Stimmungen finden auf sonstige fremdstämmige deutsche Staatsangehörige, soweit solche vorhanden sind, sinngemäße Anwendung. V Die Studentenschaft gibt der bestimmten Erwartung Musdruck, daß auch bei der Besetzung von Dozenten- und Assistentenstellen nach dem obigen Grundsatz in Zrckunft verfahren wird. - Diese beleidigende Forderung einer „Prozentvertretung", die.mit 252 Stimmen gegen 51 bei 27 Enthaltungen beschlossen wurde, ist natürlich nichts wie eine leere Demonstration. Freilich eine gefährliche! Mag sie auch nur von einem lächerlichen . Bruchteil der 2300 Studierenden der Hochschule gefaßt worden sein und überdies, da sie nicht auf der Tagesordnung stand, nur durch Überrumpelung der Mehrheit zu Stande gekommen sein, so beweist sie doch, was man sich Heute erlauben %u dürfen glaubt. Nachdem man so im Kampfe gegen die Stellung des jüdischen Studenteil wenig Lorbeeren gepflückt hat, scheint man den jüdischen Dozenten aufs Korn nehmen zu wollen. Dem Berliner Tageblatt vom 28. Januar entnehmen wir folgende Notiz aus Karlsruhe: „Die „Badische.Landeszeitung" berichtet über die antisemitis chenTreibereienanderTechn i s ch e n H o ch s ch u l e in Karlsruhe. Der Studentenausschuß an der Technischen Hochschule hat an den Direktor Max Mayer in Berlin ein Schreiben gerichtet, daß sein Erscheinen an der Hochschule als Semit unerwünscht sei und daß, falls er der Berufung dennoch Folge leisten würde, er die Folgen tragen müsse. Direktor Mayer übergab diesen Brief dem Rektor und Senat. Der Rektor Professor P a u l k e verlangte vom Studentenausschuß die Zurücknahme diesesBriefes mit dem Bemerken, daß dieser einen unerlaubten Eingriff in das Berufungsrecht von Rektor und Senat darstelle und außerdem gegen die guten studentischen Sitten verstoße. Gestern fand eine Studentenversammlung statt, in der dieses Verlangen des Rektors vom Studentenausschuß der Studentenschaft vorgelegt wurde. Diese beschloß, daß der an Direktor Mayer gerichtete Brief nicht zurückgenommen werde, da er die Überzeugung der Studentenschaft ausdrücke und keinen Eingriff in das Berufungsrecht von Rektor und Senat d ar stell e. Dieser Brief soll abgeschickt werden, falls die im Gange befindliche namentliche Abstimmung der. Studenten eine Mehrheit hierfür ergebe." Es war nicht anzunehmen, daß der Senat der Hochschule sich diesen unerhörteil Eingriff in seine Rechte gefallen lassen würde. Der Versuch, der Beeinflussung trug den ausgesprochenen Charakter eines terroristischen Akts! Und wie tapfer weiß man in den Kreisen der deutschnationalen Schreier den Terror zu verurteilen, den andere politische Parteien tatsächlich oder angeblich an- -wenden. Professor M a x M a y e r, der übrigens nicht mehr Jude ist, konnte sich wohl denken, was es heißt, daß er im Falle seines Erscheinens als Dozent in Karlsruhe „die Folgen tragen müsse". Warum diese verblümte Drohung? Warum nicht auch, in der Sprache handgreiflich? Bisher durfte man der Meinung sein, daß bei der Berufung eines Hochschullehrers lediglich sein Charakter und seine wissenschaftliche Leistung ausschlaggebend sein nlüßten. Die alten reaktionären Regierungen haben freilich immer politische Grmrde mitspielen lassen. Dennoch haben sie sich zu einer solchen Ungeheuerlichkeit nie verstiegen, und es ist zu hoffen, daß der gesunde Sinn der Studentenschaft in Zukunft jene Stellung findet, die dem Ernste der Wissenschaft ebenso entspricht wie der' Würde des deutschen Namens! In I Karlsruhe hat sich schließlich alles in Wohlgei fallen aufgelöst. Der Senat machte die Studentenschaft aus das Ungebührliche ihres Verhaltens aufnierksam, die Studentenschaft drohte mit Streik, der Senat mit Schließung der Hochschulinstitute. Da lehnte Mayer die Berufung Hb! Die Studenten -erklärten etwas unklar, sie hätten sich in das Berufungsrecht nicht einmischen wollen, der ^Senat hob darauf seine Maßregeln auf und alles war glatt. Die Erklärung der Studentenschaft zeigt aber, daß nur der Fall, nicht das Prinzip erledigt ist, denn sie lautet: »Um zum Teil entstellte Darstellungen deS sogenannten Konfliktes in der Technischen Hochschule richtig zu stellen, erklärt die Studentenschaft, daß eS sich in der Angelegenheit der Berufung des jüdischen Herrn Direktor Dr. Max Mayer-Berlin für sie gar nicht um formale oder persönliche Dinge gehandelt , hat, sondern um die Idee der deutschen Hochschule. Die Studentenschaft hält eS in jetziger Zeit für die Hauptaufgabe der Hochschule, solche Persönlichkeiten für die Zukunft heranzübilden, die dem deutschen Volke zu unserer Erstarkung durch Erkenntnis und Betätigung deutschen Wesens verhelfen können. Die Studentenschaft verkennt nicht die bedeutenden Verdienste, die sich hervorragende jüdische Gelehrte um die Wissenschaft erworben haben, und betont, daß sie keine Einwendungen gegen ihre derzeitigen Lehrer jüdischer Raffe hat. Sie ist aber der Ansicht, daß die Gefahr besteht, eine weitere Berufung jüdischer Lehrkräfte würde die deutsche Geistesbildung unter die gleiche Abhängigkeit von jüdischer Herrschaft bringen, unter die bisher ein beträchtlicher Teil des Staats- und Wirtschaftslebens geraten ist. Die übernationale Aufgabe der Wissenschaft, welche Erkenntnis der Dinge bezweckt, hat unserer Ansicht nach zurzeit zurückzutreten vor der nationalen Aufgabe der Bildung, welche Entfaltung der Persönlichkeit erstrebt. Wir müffen zuerst uns selbst, d. h. unser deutsches Wesen gewonnen haben, bevor wir uns daS weitere Ziel stecken können. Andersdenkende, Andersfühlende und Fremdrassige für deutsche Art zu gewinnen. Zu deutscher Wesensart können wir aber nicht gelangen unter jüdischer Leitung, dazu brauchen wir deutsche Lehrer und Führer." Die Erklärung ist in ihrer dreisten Überhebung ein-klassisches Beispiel für den Geist, der jetzt auf Deutschlands Hochschulen herrscht. Wie lange noch wird man ihn gewähren lassen — zum unheilbaren Schaden für Deutschlands Zukunft. >