KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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aus Nassegründen". Wem fällt dabei nicht das. „Schwertlied" des wackeren, zu.früh verstorbenen Zadig ein: Auf gerade Schläger geht's noch Das fechten wir wohl stets noch. Kost's auch ein Quäntchen -Blut, Dazu reicht noch der Mut. Doch wird die Waffe krümmer, So steht die Sache schlimmer. Wir sind in sicherer Hut, Unser Komment schützt gut! Ein deutscher Waffenstudent, der nicht für jedes seiner Worte mit seiner Person einzustehen gewillt ist, ist eine Karrikatur seiner selbst. Mit diesen sonderbaren Helden sich länger aufzuhalten, verlohnt nicht der Mühe. Auch mit denen, die grundsätzlich zwar nicht dem Juden, aber den jüdischen Verbindungen die Satisfaktion verweigern, können wir uns nicht auseinandersetzen. Wie der oben angeführte Beschluß der Münchener Burschenschaft klar erkennt, fällt diese Auffassung in sich selbst zusammen; sie kann sich unmöglich auf logische Gründe aufbauen; wir brauchen diese Gründedaher auch nicht zu widerlegen. Bleibt die Aufgabe, sich mit denen zu befassen, die „dein Juden", dem deutschen Studenten jüdischen Glaubens, die Satisfaktionsfähigkeit schlechtweg absprechen wollen. Wie denn? Wird behauptet, daß alle jüdischen Studenten der akademischen Honorigkeit ermangeln? Sollen wir alle Ritualmörder oder Mädchenhändler, Wucherer, Schieber oder gar Vaterlandsverräter sein? Ach nein! Wir wissen ja ganz genau, daß fast jeder antisemitische Gegner, zur Rede gestellt, nicht leugnet, zufällig einen „anständigen Juden" zu kennen — ja, wenn sie alle so wären, wie gerade der! Also das ist es nicht. Aber: „die Juden sind uns rasse- und wesensfremd und daher zum völkischen Wiederaufbau nicht zu brauchen". Ein Jahrhundert lang genießt der Jude Staatsbürgerrecht auf dem Boden, der uns, der unsere Eltern und Voreltern getragen. Ein Jahrhundert lang ist dem deutschen Juden auch im akademischen Leben, falls er sie sich nicht für seine Person verscherzt hatte, die kameradschaftliche Achtung nicht versagt geblieben, wennschon er sie sich von Tag zu Tag neu verdienen mußte, im privaten und öffentlichen Leben, in Krieg und Frieden. Der jüdische Studentmruß wohl also letzthin eine schwere Schuld auf sich geladen haben. Er hat wohl im Krieg, in der höchsten Not des Vaterlandes, versagt? Es -ist wohl durch zuverlässige Statistiken erwiesen, daß der „Prozentsatz" der gefallenen jüdischen Studenten zu niedrig ist, daß man uns nicht an der Front gesehen hat, daß wir uns in der Etappe gemästet und bereichert haben? Nein, sagt Ihr, das kann es auch nicht sein, und weist auf die breiten Lückew in unseren Reihen hin, auf die Bundesbrüder und Kartellbrüder, die, zum Krüppel geschossen,'noch unsere Farben tragen; nein, daß wir vom ersten Tage des Krieges bis zu den letzten Kämpfen der Eisernen Division unsere Soldatenpflichten getreulich erfüllt haben, das wird niemand bestreiten können. Wir haben ja doch mit ihnen viereinhalb Jahre lang gute Kameradschaft gehalten, aus einem Topf gegessen, in einem Unterstand geschlafen! Die Augen auf! Ist Blut nicht dicker als jede Nassentheorie? Ist es deutsch, dem parteipolitischen Gegner — wenn wir's sind — die Beobachtung der gesellschaftlichen Formen zu versagen? Ist es deutsch, wie den Lebenden so den Toten die Satisfaktionsfähigkeit abzusprechen? Das wäre nicht deutsch, das wäre gemein! Doch wir nlüssen erklären, warum wir mit solcher Schärfe, warum wir mit flammender Empörung diesem Bestreben entgegentreten. Unsere studentische Ehre und Seligkeit hängt, beileibe nicht davon ab, ob uns dieser oder jener Waffenring, ob uns überhaupt wer „Satisfaktion gibt". Wir haben immer gern zur blanken Wehr 'gegriffen und betrachten auch heute noch das Prinzip der unbedingten Satisfaktion, der Abrechnung von Mann zu Mann, als eines unserer vorzüglichsten Kampfmittel und als Mittel zur Erziehung nicht nur unserer eigenen Leute. Unsere Ehre, unsere Würde jedoch bestimmt sich' uaturgemäß nur nach unserem eigenen sittlichen Verhalten. Wir würden auch ohne Satisfaktion bleiben, wer wir sind. . Aber wir sehen in der Bewegung, die sich gegen die Satisfaktionsfähigkeit der Juden richtet, vor allem einen neuen Vorstoß, um uns unseren Kommilitonen zu entfremden. Der Entfremdung aber folgt die Entrechtung! Und gegen diejenigen, welche uns das Recht auf unser Vaterland und das Recht im Vaterland nehmen wollen, müssen wir uns nach den Worten unseres Lehrmeisters Gabriel Rießer wehren wie gegen Meuchelmörder. Wir haben kein anderes Vaterland als Deutschland, und wir wollen auch kein anderes haben. Wir müssen also, sei es gegen Waffenringe, sei es gegen einzelne Korporationen oder Personen, den Kampf um unser Heimatrecht mit der ganzen Stärke unseres. Willens unter Einsetzung unserer Person fortführen. Wir sind niemals wehrlos, auch wenn uns die Satisfaktion verweigert wird! Wir werden bei jeder Gelegenheit!der Entrüstung über erlittene Unbill in unserer Brust Raum geben und in der des Gegners das beschämende Gefühl getanen Unrechts zu erwecken wissen. Und wir gehen den kommenden Zeiten nicht nur mit reinem Gewissen, sondern