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KC-Blätter · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 189 (sequence 21)
Language
German
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)>% ■%; ■ "j f ,v v >,/ { . rl-*'. iYv *.iv ■ -.. 139 ' Deutschenhaß und Judenhaß. Bon vr. Ernst H o rb s ck i l d - Frankfurt a. M. tSrib.-Gbib.) Der Krieg, soweit er mit Tanks und Trommelfeuer gegen die deutschen Heere aefübrt wurde, «ist nun seit einem Jahr schon vorbei, aber ebensowenig, wie zu dieser Stunde der Friede schon formell geschlossen würde, ist auch der Krieg der Ententegei st er gegen den deutschen Geist schon fertig. Hab ist immer noch die Parole der mahgcbcnden Politiker in Frankreich und Amerika, und auch in England fällt — abgesellen von vereinzelten Idealisten — noch kein freundliches Wort. Galt frliller geistig der Krieg der deutschen Autokratie, dem preußischen Militarismus, den Hoben- »ollcrn. so ist der Deutsche beute noch trotz Volksrepublik und deinokratischer Verfassung insbesondere für die Franzosen ein verächtliches Wesen, mit dem man sich nicht einmal bei den Fricdensberatungen an einen Tisch setzen wollte. Das Waidbofner Prinzip, dab der Jude aller Ehre bar und der Satisfaktion unwürdig sei, wurde mit grauenvoller Härte Deutschland in Versailles gegenüber angewandt. So wellig wie der Jude von „deutschen" Studenten in einen gemcittschaftlichen Waffenring. wird der Deutsche in den Völkerbund ausgenommen. 'Nicht nur die Einzelnen sind ausgeschlossen, nein, die Gesamtheit: Hab der Entente gegen ganz Deutschland. Hab der Deutschnationalen gegen alle Juden. Die «weltgeschichtliche Parallele zum Antisemitismus", von der ick schon 1915 in diesen K. C.-Blüttern lS. 539) erzählen durfte, ste ist hcutc noch, trotz vier Jahre, ebenso festznstellen, wie zu Beginn des Krieges. Die tragische Ironie dieser Parallele gestattet uns. die wir als Deutsche und Juden doppelt leiden, wiederholt aus sie hinzuweisen, weil sie uns beim Kampf gegen den Antisemitismus eine kostbare und schneidige Waffe «in die Hand drückt. Jedem Hetzavostel. der gegen die Juden eben aggressiv vorgeht und ihm alle Tucke, alle Schande, alle Ehrlosigkeit andichtet, können wir entgegnen: „Du selber bist ja i n derselben Lage wie wir. Wie du uns — ohne Gerechtigkeit — beschimpfst, wirst du ja — antisemitischer Deutscher — von der Entente besudelt. Deine Rasse, deine Taten, deine Brüder jeder Religion werden draubcu bespien und aller Ellre entkleidet. Bevor du nun andere deutsche Brüder, die ebenso wie du unter dem Hohn des Auslandes leiden, zu beschimpfen wagst: fühle doch, dab du selbst ein Opfer gleichen Hasses bist und — s e i b e s ch e i d e n." Natiirlich fällt eS unfern Antisemiten nickt ein, sich von solchen Gedaukengängen zur Selbstbesinnung bewegen zu lallen: denn hätten sie sie. wären sie keine Antisemiten. Um so notiger für uns. beijederGelegen- ' beit, jeder Polemik, jeder Versammlung zum Selbstschutz auf die Tatsache biuzuweisen. dab der deutsche Antisemit in einem Glashause sitzt, durch das seine Lächerlichkeit für jeden Aubenstebenden erkennbar ist. Wie kann ein deutscher Volksgenolle. der selbst Gegenstand genau derselben Schimpfworts ist, solche reproduzieren. ohne doppelt verächtlich zu sein, als Narr oder Verbrecher. Gerade der. Antisemit sollte doch willen, wie dumm und inferior es ist, eine ganze Gemeinschaft mit gemeinen Beleidigungen zu überschütten, wo ihm selbst als Deutschem die Mehrzahl dieser Globusbewobner jede EÜrenbaftigkeit abspricht. Selbstverständlich ist das Urteil der ententistischcn Hetzavostel gegen Deutschland ungerecht und Beweis des Mangels an Kenntntllen ober Gerechtigkeit. Aber ich kann keinen moralischen und . intellektuellen Unterschied sehen , zwischen dem TvvuS Elemenceau oder Werntx < s lGleben). Beide betreiben dasselbe Handwerk, und & beiden klatschen ihre Anhänger begeistert und dumm zu. : Und Deutsche wie Inden verachten ste beide, nur ist der .i'-w* deutsche Antisemit, noch dazu gerade jetzt, eine — " . V Lächerlichkeit. „Svotten il rer selbst und willen it* nicht wie." Selbst die lächerlichsten und faustdicksten - tr. Lügen, die Antisemiten gegen Deutsche gesponnen haben. wie. baß unsere Ralle übelriechend sei. überhaupt ■ keine Menschen, sondern Halbtiere, daß der Jude sich an Cbristenblnt berausche und dergleichen sich will in. diesem Schmutz nicht waten), haben wir die Feinde gegen die Deutschen ansstoßen dvcen. „deren Geruch als tierisch „wissenschaftlich" sestgk>t,Ilt fei, die als Ralle unter den Negern ständen und im Kriege belgische und französische Kinder abgeschlachtet hätten". Genug davon. : Es gibt überhaupt keinen Vorwurf antisemitischer Art, der nicht anck antideutscher Art wäre. Beide gleicher Weise verrückt oder bewußt boshaft, aber wir Juden de fanden uns in großer Gesellschaft. Das gesamte Deutschland wird von denen draußen besudelt, wie wir an,h besonders von den Antisemiten. Auf eine besondere Parallele möchte ich noch verweisen: es ist dies der internal,'che Haß. mit dem die stammverwandten Elsässer und Lothringer seit der französischen Invasion gegen die altdeutschen Bürger des Reichölaubes gewütet haben. Pogromartig wurden ihre Geschälte demoliert. ... T. sogar angezüudet. wie ich selbst gesehen habe. Fm atnch wurde die Vertreibung aller Deutschen, der Frauen und Kinder, verlangt und durchgesevt: das Wort „Boche" tönte nicht anders als das „Hcvv. bepv"! gegen die Juden. Wahrlich. ein vollendetes Judenschtcksal war es. das über alle Altdeutsche jeglicher Konfession in Elsaß- Lothringen hereinbrach, und sie fühlten sich genau — ohne eine Spur von Gerechtigkeit — mißhandelt und ausgevllindert, wie arme Juden in Polen und Galizien. Es gab keine Gemeinheit, die mau ihnen nickt vorwarf. Wie kann ein Deutscher sich daun ebenso an Juden vergreifen wollen, er. der „Jude", war im deutschen Reickslanb. Natürlich ist dieses Thema Judenhaß — Deutschenhaß nicht originell, ek wird von vielen emv- : funden und wurde von manchen chon beschrieben. Abei: in dieser traurigen Zeit, wo bcv Antisemitismus in be- . sonderer Blüte steht, ist es voii lisch nicht unnütz, nochmals darauf mit Energie bin'.„weisen, gerade deshalb, weil cs den Hetzern beider Art oft nur Wege der Politik sind, um zu andern Zielen zu gelangen. Die Franzosen vreöigen den unentwegten Deutschen-§ baß, um ihren Friedensvertrac, moralisch zu recht-; fertigen, die deutfchnabionale Reaktion bedient stch der antisemitischen Instinkte, um die junge Demokratie ru unterböblen. Aber viele Antisemiten sind auch gutgläubig und sind Judensreller. weil ste die Juden nickt kennen. Diese gilt es anszuklüi en und all homincm die ganze Hohlheit eines Rassenhasses an einem weltgeschichtlichen, aktuellen Beispiel zu demonstrieren. Wer sich tiefer in bas Problem versenken will, den verweise ich auf die leidenschaftliche Schrift Constantin Brunners: ,.Äc utschenhaß, Judenhaß und Judenban der Deutschen"*), wo ein philosophischer Geist, dessen Herz glühend für Deutschland schlägt, mit erschütternden Worten auf den doppelten, parallelen Haß hinweist und für die Entgiftung der deutschen Luft kömvft mit dem Rüstzeug eines universell geschulten Gelehrten. Ja könnte man die antisemitischen Führer einmal in ruhigen Gesprächen — nickt «in zankerfüllten Versammlungen — stch gegenüber sehen und mit ihnen alle <v ').Oesterbelb & Cie. Berlin, itzlHSeiten.;;; vK-iv"'«.•*»PV- ' m

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