KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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; \\s y*: .>,•;> ■;> -'7 :••*,. f;; 'V 7. ,f;#^;7 188 Buck wie die vielzuvlelcn, keine seickte Seelenbetracktilitfl. Ein Buck cum ira et Studio, wie er selbst sagt, ein Buck voll Zorn und Eifer. Ein herzstärkendes Bnck. erbebend und gllibenb. Da wetterletlcktet der föroll eines ManneS. der Jude und Deutscher ist, im besten Sinne.— ein Matin. der die Schmach und dse Scham und das Leid des Judenhasses in voller Tiefe erfahren hat. Riesengroü wächst und wuchert die Anklage, das» die menschliche Kleinheit und Niedrigkeit der Gegner klar.erkennbar wird wie nie zuvor. Das Buck ist vor dem K»liege geschrieben, die Vorrede während des Krieges entstanden. ES ist ein Buch eines deutschen Juden, ein Buch gegen den Hab: gegen den Judenbab und gegen den Deutsckenbab. Denn Deutschettbab und Judenbab — beides ist Mensckenbab: »Du Vaterland du." schreibt Brutnter. „du gehabtes und hassendes, nach dem Mabc der Erfahrung an dir selber in diesen groben Tagen des GesckebenS, der Geschickte, steht von mnt an auch der Judenhab grundloser da als bisher und um ebensoviel schlechter zu. verteidigen und will aufgcgebcn sein. Oder scheust du noch diese Gemeinschaft und Zusammenstellung Dentschenhab und Judenbab. so hör frisch auf. sie zn scheuen, und kein Mucks! fortan und boib dir auf die Zunge, mit anderein Worte als mit dem bäblickett Worte Hassen deine bäbliche Krankheit zu benennett oder von der Schuld der Juden zu svrecken: damit ist's nuitt für immer, seitdem mit den gleichen Worten von der Schuld der Deutschen gesprochen wird. Eine Wage her zmn Gericht — die Schuld der Juden in die eine, die Schuld der Deutschen in die andere Schale — sie weis» keinen Unterschied!" — Der Antisemitismus, richtiger: der Judenhab ist eine Krankheit, eine richtige Krankheit, eine Art Besessenheit. Die Antisemiten, die Judeuhasser, sind krank an den Juden und diese Krankheit ist doppelt schlimm: denn sie steckt an. und sie verdüstert den Blick, sie verblödet: Hab als Beschäftigung verdummt. „Die Antisemiten schaffen fid) imaginäre Inden, da die wirklichen ihrem Hab und BeracktungSbedürsnis kein Genüge tun: ihre Behauv- Inngcn widersprechen durchweg der Tatsächlichkeit. Z. B. die Juden strebten nach der Weltherrschaft und besähen sie schon zuin Teil? Bon Weltherrschaft der Juden labt sich wohl doch nur reden, wenn man unter dem Worte Herrschaft Unterdrücktsein versiebt: und sieht man auf die Jüiudschast, der ne von vielen Seiten sich ansgesetzt finden. und wie sie wirtschaftlich zuriickgedrängt werden, und ferner darauf, dab ihre Zabl durch Taufen und Mischehen sehr beträchtlich vermindert wird, und endlich gar auf den ungewöhnlichen Rückgang der Geburten unter ihnen, so können Urteiler von ähnlicher geschichtlicher Kurzsichtigkeit, wie sic Antisemiten eignet, und von gleicher Neigung zu grobe»! Worten, mit limmerhin hellerem Reckte vieltnebr von eine»»» Verzweiflullaskampf der Inden reden und deren Untergang prophezeien. Ihre Lage in der Welt ist in» allgemeinen »vabrlich nicht danach, dab sie an Weltherrschaft denken könnten: neun Zehntel der Juden leben in Schwach und äuberster Lcbensnot." — Denkt man an die gegenwärtigste Geaemvart, so hat es wahrhaftig keinen Sinn, von einer Weltherrschaft der Juden zu reden in einem Augenblick, in dem die Juden, zur äuhersten Defensive gedrängt, sich ihrer Gegner erwebren »nüssen. Die Trotzki. Eiöuer ns»v. erstreben nichts weniger als Welt- oder Judenberrschast. sonöertt Volks- Herrschaft im ideal-sozialen Sinne. — Brunner hält dann eine ergötzliche Parade ab über die Antisemiten und labt die Herrn in dem Sckmntz nntertauckcn. mit dern sie, die Stöcker. Abltvardt, B. Förster. Böckel. Fritsch us»v. einander beworfen haben. , Dann wird die Nassentheorie erschöpfend behandelt. Ein paar lustige Streiflichter fallen auf den „Germanenorden". den »bitterernsten Verband deutscher Männer", die durch einen Eid beweisen sollen, dab sie von zuverlässiger, germanischer Rasse sind und noch eine Erklärung abzugebcn haben, dab sie nickt Abonnenten des »Berliner Tageblattes" sind. DaS Kapitel von den „angesteckten Juden^ berührt eine besonders schmerzliche Wunde. »Diejenigen Juden, denen die Judenhasser das Kavitolium serwirrt haben," sagt Brunner, „gehören ohne Zrvetfel zn den närrischsten aller Lebewesen. denn sie verneinen mit ihrem Urteil über sich selbst die eigene Existenz und haben bei allem Kampf nttls Dasein noch den Kampf ibreS Daseins gegen ibr Dasein in sich selbst zu bestehen. Mit «ihnen ist unter den Juden eine nagelneue Art von Narren erstanden. Diese Sckivackcn sind zu schwach von Gedanken, um ihre Wirklichkeit zu ertragen, und stellen sich dumm zu ibr: sie haben Über denr Judenhab den Mut des Herzens eingebübt und beinahe die Lust an» Arbeiten und am Lebe»», und daS Ende ist. dab sie selber bis ans Mark angesteckt fick zeigen von den iudenbasseriscken Meinungen. Und diese jüdischen Narren finden den Mut ldie Darren haben ittttner den Mut zu ihrer Narrheit), von )er deutschen und jüdischen Nasse ganz so zu reden, wie Judenhasser davon reden* Brunner stellt den Judenbab in den groben Zusammenhang der Menschlichkeiten. „Überall ,vo eine Minorität mit frappanter Eigentümlichkeit «ochanden war und dft, »var und ist es mit ihr genau bestellt wie mit der Minorität der Juden, ward sie und wird sie von Vorurteil und Hab betroffen." — Nun drängt man wohl hin zu der Frage: Was sollen die Juden tun? Auch darauf gibt Brunner eine Antwort: Sie sollen Kämpfer sein tm Befreiungskriege der Menschheit. Sie solle»» Mitwirken, die Verhältnisse »mb Einrichtungen um ne herum im ttienschheitlicken Sinne zu verbesiern. ilnd sollen nickt vcrz»veifeln — am wenigsten an sich selbst. Mehr Selbstachtung und Selbstschävung der Juden ".löst ist not.. „Am »venigften aber — sagt Brunner - habe ick die Absicht, etwas zu»n Trost der Scknväche zi» «agen, — viel lieber wollt ick ihre Herzen frisch, stark, anck hart macken., Herzstärkende Lehren sind not, rvodurch sie klar und kräftig »verden zu»n Kampf gegen Narrheit »:nb Bosheit." Und an einer anderen Stelle boibt eS: . Ick. finde die Juden, nach ihren menschlichen Angelegenheiten, keines» »vgS besser als die Nichtiuden, ja ick beklage, dah sie zurzeit so schlver und schläfrig sind für das geistige Ideal und ibrer besonderen Pflicht nickt gerecht werden, wie ihr besonderes geschichtliches Verhältnis zu diesem Ideale verlangt, das ich ihrer Rasse zusprecken ,nub." Eine gewaltige Restitutio in integrum ist daS Buck. Es stellt die jüdischen Di»tae wieder in den vorigen Stand. ^Der ganze jüdische Gehalt der Person Jem Christi, der tiefiüdische Geist des wahren Christentums wird für daS Judentum in Anspruch gettommen. Die Juden die wahren Interpreten auch des Christentums- — wie wir. die Juden, cS auffassen. — Spinoza, der indische Denker, Heine, der jüdische Dichter, sie feiern unter dem rauschenden Wohlklang der Worte Brunners eine wunderbare Auferstehung: ste werden uns wieberacboren. — So fremd» so erschreckend fremd sind sie unter der Suggestion jndenhasierischer Propheten uns geworden! Man lese das Buch von Brunner! In dieser Zeit b«S \4 gewaltig anfgerührten Judenhasses ist dies Buck wie ein 7 Geschenk und eine Erlösung. Man höre das wunder- 7 same: „Höre. Israel, bas Seiende ist unser Gott, das -7 Seiende ist eines" — und feiern die Wiederkehr ewiger 7: Gedanken. Und tief unten versinkt der Hab und die 7 , Lästerung. 7 Wir wagen den Kampf um die Jdegle der Menschheit V- und erkennen mit Entsetzen die tiefe Sünde so vieler der -7 Gebildetsten des deutschen Volkes, die in dieser Zeit des .„7 fürchterlichsten Zusammenbruchs sich, frei glauben von7 je -der Schuld —? und kurzsichtig unk» zu ihrem eigene» r- Verhängnis nur eine Schuld der Juden leben.77 , / >■ k VK ' i ■; - ) -'V