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KC-Blätter · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 187 (sequence 19)
Language
German
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- 187 > man nicht verzichten solle, ob nicht der K. C. durch die Schwierißkoit des Kampfes sich von seiner Nutzlosigkeit-überzeugen lassen müsse. Sorgenvoll ' mag mancher sein.. Aber jeder echte K. C.er wird V den Gedanken Ml Resignation bald von sich weisen. . Wer wie wir in dem Bewußtsein kämpft, daß es den Sieg eines sittlichen Prinzips gilt, den Sieg des Rechtes gegen die, Machte des Hasses und der Verleumdung, soweit es sich um unsere äußeren Feinde handelt, um den Sieg gegen die Resignation, die die nationaljüdische Bewegung predigt,; um den Sieg gegen Indifferenz und Taufjudentum, der wird die Kraft des Geistes und des ■ Armes gewiß aufbringen. Die Umschau ist trübe. Wir leben in der schwersten Zeit, die bisher jemals dem K. C. beschießen war. Und doch macht die Umschau hoffnungsfroh, solange wir die Gewiß- - . heit haben, 'daß jeder von llen 1700 aktiven und nicht mehr aktivell 5k. C.ern auf dem Posten, wohin ihn jetzt die Verbindung und später das Leben ge- . stellt hat, im K. C.-Geist seine Pflicht tut. G. Die Juden und der Judenhaß. gelbe und eine schwarze Raste. Auch muß zugegeben werden, daß diese oder iene Geistesrichtung berbiefdt. oder jener Gruppe vorherrschend ist. Geschichtliche (fiii* Hüffe mögen dabei mitgewirtl haben. Aber der Schwindel beginnt da. wo eine Pleudowissenschast mit angeblich wissenschaftlichem Riistzeug geistige Verschiedcnheiten der Individuen c,uf körperliche Unterschiede der Raste zuriicksiihrt und ihrem subjektiven Wert» i urteil damit eine objektive Grundlage zu geben versucht. In den Worten Individuum und Individualität liegt ' das ganze Menschheitsgebeimniö. Jeder Mensch ist ein Individuum, ein Unteilbares. Unvergleichliches, eine Persönlichkeit. — Die R a f s e u t Ife o x i e setzt a n Stelle der Autonomie der Persönlichkeit das Gottesgnadentum der Rasse. Ter Rastenbegriff in diesem Sinne in ein fürchterlicher, ein Menschen- und menschbeitsseindbilber Gedanke. Wir Ilrden sollten die Ramntbeorie durchschauen. Sie ist eine Theorie nicht so sehr der Raste als des - Hasses. Dieser Haß lügt: was er über die jüdische Raste « aussagt, ist nicht wahr. Aber er trifft, dieser Haß, trifft und schmerzt gerade am tiefsten die Besten und Empfind- » lichsten und Feinsten unter uns. In «ihnen erleben wir dann die stärkste Reaktion. So ist es zu erklären, daß viele von den menschlich Wertvollsten und Besten unter uns Juden sich dem Zionismus .7 »schließen. Denn Zionismus, diese gewaltigste und erstaunlichste AMmilationserscheinuna, ist Nastentbcorie. angewandt durch die Juden; ist eine Art Geusentum. das den Gegenstand der SÄmach zum Gegenstand um so höheren Stolzes Bon Dr. Leo Oppenheim (Gaffel). Bis zur Übersättigung und zum Überdruß bat man die vielen Bücher fllr und gegen die Juden gelesen. Meistens verlohnt es sich nicht, auch nur den Büchertitel in ackt zu behalten. Ein irgendwer bat seinen Judenschmerz oder Judenhaß bekannt. Nun schreibt ein deutscher Schriftsteller von Rang*), ein Jude, über die - . Frage der Westinden. Man horcht auf. Was bat er zu sagen? Er erklärt, die lebten fünf Jabre hätten eine seelische llmstelluug iin ihm bewirkt: er sei tief enttäuscht von den Deutschen: die Deutschen hätten in den fünf . Kriegsiahren sich als schlechte Siegelwahrer des Menschentums eriviesen. „Wir intellektuellen Westjuden vor allem", so beißt eS. »sind degoutiert durch die tiefe und hartnäckige BerständniSlosigkeit. mit der die Oberschicht und auch die Gebildeten und Gebildetsten unter den Deuischen allen rein menschlichen Fragen gegenüberstehen". — Und dieser Schriftsteller kommt zu dem Bekenntnis. er sei — früher ein starker Gegner des ziomsti-. scheu Gedankens — schwankend geworden und stehe dem ' Gedankenkreis des Zionismus nickt mehr so völlig ablehnend gegenüber, wie noch vor einigen Jahren. — Ich balle ab in ein Wort Heines entgegen: „Man muß ganz Denischland kenrieu. ein Stück ist gefährlich. ES ist die Geschickte vom Bannte, dessen Blätter und Früchte wechselseitiges Gegengift sind." , Das Bekenntnis des erwähnten Schriftstellers, besten, Mnt und Aufrichtigkeit man anerkennen muß. verdirnte nicht bervorgehoben zu werden, wenn es nicht bezeichnend wäre fllr die ganze Geislesrichtung unserer Zeit. Tiefer Schriftsteller erklärt, er habe sich nicht religiös, sondern rastenmäßig aus lein Judentum besonnen. — Wer tiefer blickt, erkennt mit Schrecken, wie eine Saat - des gckährlichstett. menschenfeiudlichstcn Ungeistes auf» gegangen ist: Der Rastengedanke feiert Orgien. Die Raste — wer ist so verblendet, ihre EÄistenz zu ■ leugnen?! — Nein äußerlich etwa erkennen wir der Hauvtfarbe nach unter den Menschen eine weiße, eine .. v *1 Georg Herman, zur Frage der Westjuden. Neue v Jüdische Monatshefte, III. Jahrgang. 1V./2S. Juli 1010, " Hest 10/20. - rv\./ macht. — Und liier beginnt im vosittven und negativen Sinn die Gefahr der modernen antisemitischen Bewegung. Nicht die gehässigsten Erzeugnisse des Judenhasses sind gesadrlich, das schlimmste ist. daß wir die Argumente unserer Geglier iibernommen haben, daß wir uns daran gewöhnt haben, uns selbst mit den Augen unseres Gegners anzu» sehen: daß es so gekommen ist, wie Schnitzler, der feine Beobachter, einmal sagt: „Es braucht nickt viel dazu, um die Selbstverachtuttg aufzunncken, die stets in uns schlummert: und wenn das einmal aescheben ist. gibt es keinen Tropf und keinen Schurken, mit dem wir uns nicht innerlich gegen uns selbst verbünden." Ter Antiseiniitismus ist wissenschaftlich geworden; er bat bei uns Juden viel tiefer uub verheerender gewirkt, als bei den Nicktiuden. der Grund liegt darin, daß bet , uns die Klasse der Literaten, die geistige Mittelmäßigkeit. eilte viel zu grobe Rolle spielt. . . - Die Antisemiten stellen alles, was Juden geschaffen haben, als minderwertig bin. Wir Juden selbst ssnd voller Borurtoile gegen Juden und ihre Werke. Man : lese statt aller anderen Bücher bas des unseligen Juden Weininaer Über Geschleckt und Ebarakter. — Besinnen! wir uns auf uns selbst! — Biele Juden, die im Felde waren, haben bekannt, daß das Erleben des Krieges sse dem Judentum wieder mehr zngesiihrt habe. Bohl manchem Juden ging es so, daß er als eigenstes Erlebnis. wie eine tiefste Erkenntnis aus eigener Seele, vlöslick einen lang verfemten Juden erkannte: daß er empfand: so kann es nickt sein um Spinoza: so wahr er ein Jude war, muß er ein wundersam heiliger Mensch : gewesen sein: ganz Wahrheit und Seele. — Ein Empfinden, so tief und plötzlich wie eine Erleuchtung: so wie. Herzl von der Unschuld des französischen Hauvtmanns DrevfuS überzeugt war, bloß weil DrevfuS ein Jude war und als Jude ein solcher Aerräter nickt soin konnte (oder etwa wie in Povverts Oellmnt Harringa dieser die s Unschuld eines Angeklagten fühlend erkennt, weil dieser Angeklagte eben wie er ein Friese ist). Nun bat einer, endlich, endlich einer den Mut ge- - - sunden. all diese Dinge öffentlich zu sagen und zu schreiben. Conftantin Brunner, selbst ein Jude, hat ein Buch über „die Juden und den Judenhaß" geschrieben^ Lei«

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