KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 185 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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schan, auf den man geschworen hat, jetzt plötzlich , die ganze Lehre von der nationalen Autonomie aus äußeren wie inneren Gründen verwirft. Man hat eben so lange gearbeitet, bis die Möglichleit besteht. daß die neugegründeten Staaten wirklich den Juden nationale Autonomie gewähren und davor hat man in manchen verantwortlichen Kreisen denn doch eirK heillose Angst. Es ist besonders erfreulich, daß man sich in Hamburg plötzlich auf die jüdische Einigkeit besonnen hat, nachdem man vorher insbesondere dem K. E. gegenüber sich im Lager des K. I. V. etwas anders benommen hat. Ein Rundschreiben des Präsidiums des K. I. V? öom 22. Juli, das an alle zionistischen Verbindungen erging, sagt ausdrücklich in den Nichtlini.en für die Wahlen zu den Studentenparlaweilten, daß m a n m i t d e m K. C. nicht mehr z u s a m m e n g e h e n d ü r f e. und mm hat es für notwendig gehalten, in einer Sitzung vom 30. September 1919 diese Maßregel zu unterstreichen! Merkwürdig, wie man plötzlich Präsidialbeschlüsse vergißt, wenn das Feuer unter den Nägeln brennt. Unskmn's gewiß recht sein. Der K. C. hat den Gedanken der jüdischen Einheit insbesondere in der Abwehr von Angriffen stets vertreten und wird sich auch dadurch nicht beirren lassen, daß das K. I. V. ihn neuerdings lvieder in seiner Geheimzeitschrift in einer Weise angreift, die man schon nicht mehr mit parlamentarischen Ausdrücken charakterisieren kann. Auch im öffentlichen Heft im „Jüdischen Willen" gehr der Feldzug gegen den K. C. lustig weiter. Gustav K r o j a n k e r veröffentlicht unter dem Titel „Menschheitsbeglückungswahn" einen Artikel,, der freilich selbst in zionistischen Kreisen anscheinend nickt gerade als ein Zeichen besonderer Stärke angesehen worben ist. Auf die in ihm liegenden Angriffe, deren Grobheit über ihre innere Schwäche nicht hinwegtäuschen kann, sowie über die geradezu unerhörten Beschimpfungen, die immer wieder der „Jüdische Student" enthält, werden wir das nächste Mal zurückkoinmcn. Und indem auch an dieser Stelle daran erinnert sei, daß insbesondere in dieser Zeit der Not das K. I. V. von uns niemals angegriffen worden ist, dürfen wir mit ruhigem Gewissen betonen, daß wir die Einheit der jüdischen Studenten stetssolange betont und ausrecht erhalten haben, bis es vom K. I. V. unmöglich aemacht wurde. . . Noch ein anderer Gegner ist uns in den letzten Monaten entstanden.- Die paritätischen Verbindungen, die bisher em nicht sonderlich beachtetes Dasein an den deutschen Universitäten geführt haben, sind durch das erstaunliche Wachsen des K. C. aus ihrer Ruhe geschreckt worden Md haben sich zum Burschenbund konstituiert,, dein W Verbindungen äNgehören.Nebery. dreien Berlin (Brandenburg!«, Ghibellinia. und Neo- Germania), der Allemania iBreslau). der Alsatia' (Leipzig), Thuringia (München), Wirceburgia (Würzburg), sind drei neue ln Hamburg, Heidelberg und Frankfurt am Main geschaffen worden. ' Diese Neugründung zwingt uns. wieder einmal unsere Stellung zu ocir paritätischen Korporationen klar darzustellen. Die Antisemiten sind unsere erklärten Feinde, mit denen wir im offenen Kampfe fechten. Die Zionisten sind unterden jüdischen Studenten gleichfalls Gegner, die, soweit es. ihre Prinzipien, anbetrisfl, mit offenem Bister' kämpfen. Den par itätischen Verbindungen gegenüber haben wir dieses Gefühl nicht. Gewiß leugnen, auch wir nicht, daß das paritätische Prinzip in der Theorie auch vom Gegner beachtet werden kann. Ebensowenig wie bestritten werden wird, daß Völkerverbrüderung ein menschlich-ideales Ziel ist. wird man leugnen, daß es schön wäre, wenn auch die Studenten sich in Liebe und Freundschaft trotz der Hindernisse der Religion in dis Arme sänken. Das sind triviale Selbstverständlichkeiten. Wir sind .nun - leider noch lange' nichts so weit. Und wie darupi der Weg zum Völker-' frieden über die Scheidung in einzelne Nationen, -die Liebe zum Vaterlarwe und die Aufopfe» rung für seine speziellen Ausgaben geht, weil nur auf diesem Wege die Kräfte in rechter Weise erweckt und ausgenutzt weroen können, so steht es ' mit der Parität und der Konfession. Die Ziele der paritätischen Verbindungen sind allgemeine Menschheitsziele, und diese fönitcii eben von Juden heute n u r d u r ch Beton un g des Iudentu m s erreicht werden. Wer für oas Judentum, für fein Recht und für seine Stellung kämpft, der ficht einen viel besseren Kampf, als wenn er den Kopf in den Sand steckt und unbekünmiert in die Welt hineinschreit, seine Judenansanillitung sei eigentlich paritätisch, und wenn er auch durch - das homerische Gelächter von Generationen sich aus seiner stoischen Ruhe nicht herausbringen lassen will und immerfort flehentlich versichert, daß eine Vereinigung von Juden dann den höchsten Menschheitsidealen, der Wahrheit am' besten diene, wenn sie ihren Charakter verleugnet. Das ist prinzipiell zu sagen. Und daß unsere prinzipiellen Ausstellungen berechtigt sind, beweist ja ein Blick in die Zustände solcher Verbindungen, Kann man es ableugnm, daß das T a u s j u d e n t u m in ihnen eine große Rolle spielt und daß ihre Mitgliederlisten Renegaten in Mengen aufweiscn? Mir sagte, jüngst em Alter Herr einer paritätischen Korporation, als ich ihn fragte, ob er an einem Kommers seiner Verbindung teilgenommen habe, wörtlich in heller Entrüstung: „Ich.werde mich doch'nicht mit getauften