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KC-Blätter · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 184 (sequence 16)
Language
German
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184 glücklich werden konnten, ohne Reserveoffiziere zu sein, und ebenso' gibt es viele, die die SatisfaktionSfragen für nicht gerade katastrophal halten. Dennoch sind sie aber von unendlicher Wichtigkeit. Denn e§ handelt sich um das Rechtsprinzip, das schnöde verletzt wird, und solange das Recht die unverrückbare Grundlage und zugleich auch das Ziel unseres Strebens ist, solange muß die gesamte deutsche Judenheit den verletzten Grundsatz' auch dort erkennen, wo vielleicht die Sache, in der der Rechtsbruch zum Ausdruck kommt, sie weniger interessiert. « Deutlicher freilich ist die Rechtsverletzung auf einem anderen Gebiete geworden. Und das sind die Wahlen zu d e n .S t u d e n 1 e n - Ausschüssen. Während der „Allgemeine Deutsche Studententag" eine anerkennenswerte, freilich selbstverständliche Haltung angenommen batte und sich gegen antisemitische Jnterpretationskunststücke wacker gewehrt hat, scheint bei den Ausschüssen an einzelnen Hochschulen der Versuch gemacht zu werden, die Juden glatt auszuschiießen. Ganz deutlich und klar ist dies in Hannover geschehen. Hier hat man einfach dem I u d e n d a s W a h l r e ch t für den S t u d e n t e n-A u L sch u ß abge.-- spräche n. Gewiß ist der Jnstanzenzug noch nicht erschöpft und es wird den jungen Herren in Hannover klar gemacht werden, daß die deutschnationalen Parteiinstanzen noch lange nicht die Macht haben, deutsche Staatsbürger auf deutschem Boden ihrer selbswerstandiichen Rechte zu berauben. (In letzter Stunde konimt noch die Nachsicht, daß der Beschluß aufgehoben worden ist, um die rechtlich-öffentliche Anerkennung der Ausschüsse nicht zu gefährden.) Etwas anders liegt die Sache in Hamburg. Dort hat der Studentenausschuß im Wahlsystem den nationalen Minderheiten entsprechend ihrer Kopfzahl Vertreter zugestanden. Von den Juden heißt es dann wie folgt: „National ausgerichtete Juden, das heißt Juden, für die ein völkisches Zusammenhalten der Juden besteht oder erstrebenswert ist, haben die Rechte nationaler Minderheiten." Die Feststellung der Volkszugehörigkeit eines jüdischen Studenten soll dadurch erfolgen, daß jeder jüdische Student auf Ehrenwort erklärt, ob er dem deutschen oder dem jüdischen Volke angehöre. Ersterer hat unbeschränktes Wahlrecht wie jeder Deutsche, letzterer das Wahlrecht der nationalen Minderheiten. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Studenten zu Hamburg hat daraufhin die folgende Erklärung abgegeben: „Die jüdischen - Studenten aller innerjüdischen Parteirichtungen - lehnen den Versuch des Studentenausschusses, die jüdischen Studenten in eine Ausnahmestellung zu drängen, auf das entschiedenste ab." Trotzdem ist v-/ der Alltrag angenommen worden, i , - y Ein Hamburger christlicher Student, dem man den nuten Glauben unbedingt zugesielun muß, hat <" mir berichtet, daß man in meiteiten Kreisen der Hamburger Studentenschaft über diese Stellung,- der Juden erstaunt gewesen sei. Man habe g e- . : glaubt, ihnen einen Gefallen zu tun, habe geglaubt,. ( daß die einen sich eben ohne Zögern für ihr deut- : s.yes Vaterland erklären und die anderen, die sich als jüdisch-national bezeichnen und deren politische Interessen außerhalb Deutschlands in Palästina, -< in eurem von der Entente eroberten und von England verwalteten Lande liegen, sich demgemäß ... r'lscn und ehrlich entscheiden wurden. Gewiß ist > dieses Staunen bei dem einzelnen zu begreifen und als ehrlich zu betrachten, wenn es auch bei der >■ Mehrheit weiter nichts als einen Versuch bedeutet,. ' die Mlieren jüdischen Streitigkeiten politisch aus- . zuschlachten. Wir müssen auf dem -Y Standpunkte stehen, daß auch die . jüdischen Staatsbürger ihre Rechte' ohne eine besondere Gewissens-?/ Prüfung a u s ü b e n können un> müssen jeden Versuch einer D i f f e - Y cenzierung mit allen Mitteln Y energisch zurückweisenl Solange die - Zionisten auf das Recht deutscher Staats- bürget .Wert legen und es besitzen, solange; hat kein Mensch das Recht, irgendeine Ge- ', wissensprüsung vorzunehmen. Natürlich muß / man aber zugestehen, daß die Hamburger Mehr-'.', heit sehr geschickt vorgegangen ist,' denn sie - hat die nationaljüdischen Studenten in eine Lage Y gebracht, in welcher sie sich entscheiden mußten. Es Y gibt so manchen unter uns, der es für ehrlicher ge-P halten hätte, wenn man hier, wo zionistische Forde- > rungen einmal Praxis werden sollten, auch mutig \\ die Konsequenzen gezogen hätte. ES erfüllt uns mit einer gewissen grimmigen Befriedigung, daß.» bei der ersten unangenehmen Reaktion auf die - nationaljüd.ischen Tiraden man sofort die Arbeitsgemeinschaft mit den auf. deutsche«: Grundlage; stehenden jüdischen Studenten sucht und das so oft? verachtete Wort vom deutschen Staatsbürger als.) eine willkommene Deckung benutzt. Plötzlich ist das deutsche Staatsbürgertum etwas Wichtiges ge-,. worden.. Das ist.der Segen', der aus der praktischeu Anwendung der Grundsätze entspringt. Wie? oft, mit welcher Lungenkraft hat man die nationale . Autonomie für die Juden verlangt. Sobald aber .. die Angelegenheit mehr wird als die. Forderung ' jugendlich ebenso ungestümer wie unüberlegter?. Helden der Volksversammlung, zieht man sich - vorsichtig' zurück. Es wird in diesen Blättern", im nächsten Hefte darauf zurückgekymmen wer-'»' / den, wie einer der. hervorragendsten Apostel des Y/ Nationaljudentums, der Rassensorscher Z o l

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