KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir Jungen vor 'allem sollten uns dessen so oft wie möglich erinnern. Und so wollen wir Heute an; dem Tage, an dem unsere Berliner Verbindungen die Feier ihres 25jährigen Bestehens begehen, uns bewußt werden, daß unsere Idee, die Idee des K. C., eine uralte ist. Es ist, wir rufen e§ jubelnd hinaus: die Idee desJudentums! Seit Jahrhunderteil känrpfen die Bekenner dieser Idee für sie. Die Menschen haben gewechselt, die Arten des Kampfes haben sich geändert — die Idee ist die gleiche geblieben. Wir sind bis ins Innerste unserer 'Seele hinein von der Richtigkeit unseres Kampfes überzeugt. Zweifach, wenn auch nicht immer völlig getrennt, ist der Kampf, den wir führen. Wir wolleninunsdas Judentum zum Kernpunkt all unseres! Denkens und Fuhlens machen, wir 'wollen n a ch außen hin gegen alle Feinde unserer Gemeinschaft uns zilr Wehr sehen. ' „E r z i c h u n g z l, in selbste w u ß t e n Jude u", so lautet das Ziel deS K. C. Selbstbewußter Jude sein heißt, daß jeder einzelne so s eh r v o n d er M a ch t und Kraft des jüdischen Gedankens durchdrungen ist, daß er ln. jedem Augenblick s e i n e s L e h e n S i n der Lage ist, sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für diese Idee einzusetzen. Die Erreichung dieses Zieles ist schwer, besonders schlver in einer Zeit, in der der Begriff Judentum Gegenstand so mannigfacher Erörterung ist. Der Kampf um den Begriff Judentum tobt zwischen seinen Anhängern heftiger, als der Streit zwischen Juden und Nichtjuden. Aus diesem Chaos heraus aber inüssen to i r den Weg finden, imb so sagen wir, daß für uns Jude sein, dieses heißt: Wir sind eine Gemeinschaft, die sich durch ihre besondere Abstammung, durch eine besondere Geschichte von anderen Gemeinschaften unterscheidet; der Inbegriff/ der Kern des Judentums aber ist das Religiöse. Religion ist für uns kein Dogma; Religion ist — auch das müssen wir sagen — kein starres, unlösbares Festhalten an Sätzen von ehedem. Religion, jüdische Religion ist der Glaube an eine über uns schwebende, uns durchdringende und uns leitende Idee. Diese Erkenntnis des Judentums setzt das Wissen vom Judentum voraus. Mächtig muß in uns Jlingen der Drang sein, in unserer jungen Seele das aufzunehmen, was das ' Wissen vom Jlidentum ist. Aus dem Wissen folgt dann die Erkenntnis von selbst. Wir dürfen nicht nur Jude sein, sondern wir müssen auch im Judentum leben, und deshalb, meine Freunde, ist es erforderlich, daß' wir bei all unserem Tun und -Lasten, uns klar.werden,' daß wir' als. -Juden 'handeln.'..: -V,-v'■ .u. Das Juden tu m, das se i d a S Leit-/' mativ unserer Arbeit, muß für uns ' der Maßstab oitl unf re 8 Denkens und Tuns sei n k Der starke Jude ist aber zugleich mich der starke, lebenskräftige Menscht Das ist das, was wir weiter; wollen. Jede Jugendorganisation und eine Jugendorganisation ist ja auch'der 5k. C. — ist^ eine Erziehungsorgatzisation. Ziel aller Jugenderziehung ist die Erziehung zum Menschen. Mensch . sein heißt stark sein, in jeder Phase des Lebens ge-, mäß der sittlichen Kraft in uns zu handeln. : Darüber hinaus aber müssen wir als akademische Jugendorganisation Führer erziehen." Wir werden berufen sein, die Leitung der jüdi- . schen Gemeiilschast einmal in die Hände zu nehmen. Dazu müssen wir uns stark machen. N icht lebensablehnende, lebensverneinende Menschen wollen wir groß ziehen, sondern aus unseren Reihen soll ein Geschlecht hervorwachsen, das treu bcm Judentum, lebensbejahend, lebensfreudig und lebensstark ist! ' Nur solche Menschen können auch das Vaterland aus den Tiefen des Zusammenbruchs hinauf zur Wiedergenesung führen. .J Sagte ich soeben, daß wir Juden care Gemein- ° schast. sind von Menschen, die sich durch Geschichte und Abstammung von deü anderen unterscheiden, se schließt das aber nicht aus, daß wir dennoch so in unsere Umgebung hineingewachsen sind, daß wir uns eins mit ihr fühlen. Schamröte müßte jedem von uns ins Gesicht steigen, wenn wir immer wieder gezwungen werden, 1 zu betonen, daß wir die Not unseres Heimatlandes teilen, daß wir mitfühlen den Niedergang unseres Landes. Wir sind deutsch wie alle anderen, die sich zum deutschen Lande gehörig betrachten. Hier und nur hier ist unsere Heimat, hier und nur hier wurzeln wir! Für uns ist Deutschsein — und daran wollen wir, immer denken —' kein politischer, sondern ein seelischer Begriff. Für uns ist Deutschsein ein inneres Erlebnis. Wir können in unserer Seele nicht mehr scheiden, was deutsch ist und was jüdisch ist. Das Deutsche und das Jüdische sind in unserer Seele, zu einer Einheit verschmolzen, und niemals, durch keine Macht der WM, kann das Deutsche, die Liebe zu unserem Heimatland, aus unserem Herzen herausgerissen werden. : Haben wir in uns selbst das Judentum fest verankert, so haben wir ein gut Stück Arbeit im Kampf gegen den Antisemitismus geleistet. Voraus-' setzung des Erfolges bei einem solchen Kampf ist es, daß unsere Gegner, erkennen, daß sie auf ein festgefügtes Bollwerk bei ihrem Angriff stoßen..Aber. ... ..... mit der Erziehung an uns'selbst ist im Kampf ' 5.;; e». ■ v. 1 ji;. •' ' « % e -* .w ii: .UY‘„ : v&V >•* Ji\!; ./ : ü