KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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":> v; yi-;i »• ■■ - : 174 chiitternden Erlebnisse nnd grausamen Enttäuschungen , »ieser Jahre aufgewühlt nnd unsicher geworden, sich! iner unermeblicben Fülle von neuen Ausgaben nnd Problemen gegenübersiebt: ES seien nur die Fragen der j livischen Gemeindevvlitik. der Trennung van Kirche md Staat, des GemeindewahIrecktS. der Gestaltung des chulwesenS genannt, die Kongrebfraae, dazu das Problem „Palästina". wie eS durch die jüngsten völkerrechtlichen Akte durch die anfangs so grvbartigeu. jetzt miner kiinunerlicker zusammenschrnmvfenden Versprechungen der Entente als gesichertes Siedlnngdland, vor allem Air die bedrängten Ostinden, in Aussicht gestellt ist. Bei der Lösung aller dieser Fragen dürfen wir nickt in gleichgültiger Untätigkeit abseits stehen, sondern müssen mit allen Kräften für eine Lösung im reckten Sinne wirken. Die Geschichte der deutschen Juöenüeit verzeichnet das gerade als das Verdienst des K. C., dab er zuerst den Gedanken der Aktivität in die deutsche Indcnbcit bincinnetragcn bat. dab er den deutschen Juden aus würdeloser Passivität und Selbstverleugnung zu mannbaster Tat anfaerttttelt und sein Verantwo»cklichkeitSgefttül für sich und für die Gemeinschaft wachgernsen bat. damit er als aufrechter Jude und bewnbter Deutscher sich Recht und Ehre neu erkämpfe. Tiefe Aktivierung unserer und der uns gleich gerichteten Kräfte ist heute doppelt notwendig., da rübrige Gruppen, die an sich guten Willens sein mögen, in gefährlicher Selbsttänschnng diesen Gedanken der Aktivierung der deutschen Inden in falschem Sinne' aufgenominen hadert und drlrch Wort irnd Tat die Forderung vertreten, daß wir. ,rm unser Judentum zu wahrer Lebensfähigkeit zu aktivieren. auf ein aktives Deutschtum verzichten nnd alles das vreisaeben müssen, was uns niit dem dentschen Volksganzen und feiner Kultur zu lebensvoller Einheit verbindet. ' ' Cb nnd in welcher Weise wir den groben Ausgaben unserer Zeit gerecht werden, das bängt in erster Linie davon ab. in welchem Geiste unsere Jugend grob wird: ihr liegt eS ob. das HanS. in dem wir künftig wohnen sollen, neu auSzubanen. Die jüdische Jugendarbeit ist deshalb beute das Kernproblem, dem jeder, der sich über die Zukunft Gedanken macht, seine besondere Aufmerksamkeit und Mitarbeit zu widmen bat. Wird die junge Welt, die beute für die groben kornmenden Pflichten heran wachst, beseelt sein von dem sittlichen Ernst und dem uneigennützigen, opserfrendiacn Willen, die allein eine glückliche Entwickelung gewährleisten? Wird der Geist herrschcrr. der alles, was die Vergangenheit an deutschen und jüdischen Werten in unserer Persönlichkeit erzeugt bat. zu erhalten und zn entwickeln weib. oder jenes ungesunde Wollen. daS da glaubt, unser Judentum sei nur durch unsere LvSlvsuna aus der deutschen Kultureinheit zu halten, oder gar jenes unwürdige Strebertum, das da entgegengesetzt meint, wir könnten unserem deutschen Gemeinschaftsgefühl nur gereckt werden, wenn wir unser jüdisches Selbstbewubtsein aufgeben- Nock ist es nicht zu spät, noch haben wir die Entwickelung selbst in der Hand. In dieser wichtigsten Angelegenheit darf und wird der K. C. nicht versagen, sondern dafür sorgen. - dab der Geist, den wir in unserem studentischen Kreis seit über drei Jahrzehnte pflegen, auch in der allgemeinen Jugendbewegung fest verankert wird. II. Erkennen wir somit als die Pflicht eines jeden K. E.erS die Mitarbeit in denjenigen jüdischen Jngcndorganisationen. deren Erziehungsarbeit auf die Pflege bemühten Judentums und die Festigung des vater- - ländischen Gemeinschaftsgefühls gerichtet ist, so zeigt sich unS freilich, , sobald wir die praktischen Arbeitsmöglichkeiten prüfen, ein recht buntes Bild. Daß nach dem oben Gesagten unsere Arbeit nicht den . national-jüdische« Gruppen geltest kann (Zionistischer Jugendverein. Blau-weib. Herzlbund. Jüdische Turnerscharr), versiebt lick von selbst.. Anders ftebr eö imit den ,.y. jüdisch-liberalen Jugcndvcreinen und den Jugendgruppen der Agudaö-JiSroel: ihre eingeengten Bestrebungen lauten zwar nickr mit! unserer neutralen Stellung parallel, verdienen a >er doch die wärmste Unterstützung der einzelnen K. '.er.!ie nach ibrer religiösen Stellung.; Unser Hauptintereste bat den beiden Verbänden zu gelten, welche die gesamte jüdische Juaend auf der Grundlage einer gesunden Svntbese von Deutschtum und Judentum zusammenfasien wollen, dcm „Verband der jüdischen Jugendvereinc" und den „'tamcraden". Solange die noch junge Oraanisativn der ...Kameraden" nickt bestand, war unsere Stellung zur Jugendarbeit unbestritten. Sowohl die frühere,! ft. C.-Tage, als auch der G. A. haben sich wiederholt mit dieser Frage beschäftigt und irnmer wieder allen K. (j.etit die Mitarbeit in dem Verband der jüdischen Juncudvereine eindringlich zur Pflicht gemacht. Gerade in Ausführung, dieser Weisungen haben überall rührige Mitglieder unseres Verbandes — leider allzu wenige - in den örtlichen Vereinen des Jugendverbandes eurige und erfolgreiche Arbeit geleistet. Nickt zum w-uigsten dieser treuen Mitarbeit der ft. C.er ist eS zu brrnteu, dab der Verband, in dessen Leitung zahlreicht.- K. t er tätig sind,.; zu einer mächtigen Organisation ausaebaut ist. die heute Uber 150 Vereine nnd mehr als 40000 Eu»zel,nitglieder zahlt. Hinter dem Verband der Jugendvcreine standen von Anbeginn die anderen groben iüdi'ben Verbände ’ (Grohloge. Zentralverein. Tentsch-israel >-emeindebund. * Rabbiner- und Lehrerverband. Jüdischer Frauenbund): Y sie alle fördern die Arbeit des Jugendverbandes mit . Rat und Tat. . I Y Ter Jugendverband bat es von vornherein ab- . « gewiesen, irgendeine parteipolitische Kamosstellung ein-, Y zunebmcn. sondern hat als seine Hauotamgabe die V Pflege des Gemeinschaftsgefühls festgclegt. von der Auffassung ausgehend, dab unsere Jugend, vollends die Schulingend. zunächst das. was uns als Inden znsammenführt und zniammenhiilt, in .‘« sich zu festigen bat. bevor sie in den ekiifritigen Partei-' / kämpf hineingezogen werden darf. Diese Neutralität in . dem Kampf der Parteien hat böswilligen Kritikern Anlab au der Behauptung gegeben, dab der Jugendverband unter der Maske der. Neutralität in Wahrheit , zionistische Propaganda pflege und von deutscher Ge- Y sinnung nichts wissen wolle. Wie der Verband zum > dentschen Vaterland steht, zeigt unzweideutig die Ent» - schliebnng. die er zu Beginn seiner letzten Tagung (am < 15. ß. 1010) nefabt hat: »Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutsch- Y lands macht es seinen Mitgliedern zur lieiligen Pflicht. ' *' ihre ganze Kraft für den Wiederaufbau des Vater-; landes ei »zu fetzen. Er erwartet, da» jedes seiner Mitglieder nach Mabgabe seines Könirens nnd inner- Y halb seines natürlichen Wirkungskreises zur Erzielung und Festigung des vaterländischen Gemeinschafts« gefübls und einer idealen Weltanschauung., beiträgt." ' Man luolle hierbei berücksichtigen, dab diese Enty schliebnng der einmütigen Stimmung der Versammlung entsprach und ohne jede Debatte durch Akklamation angenommen wurde, um so ein freudige!:' Bekenntnis zu unserem Vaterlande abzulegen. dem gerade in der Zeit der bitteren Not alle unsere Kräfte geboren müsten. Diese letzte Tagung des Jugendverbandes bat sich zu- ' gleich mit der positiven Formulierung der Tendenz des Verbandes besaht. Es erschien nickt länger angängig, nur in negativer Fassung zu.erklären, daß der Verband Y diejenigen Vereine zusammenfasteu wolle/welche „keine V bestimmte politische oder religiöse Richtung verfolgen". Y Die Jugend verlangt nach einem sich,baren Banner,;. undJo sind unter unbedingter Wahrung der Neutralität die positiven Arbeitsziele de» Verbandes klargestellt Y \y," i . . r * . -