KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 frischen Frohsinn und nwnnlichen Ernst iu jener glücklichen Mischung, die ihm schnell die Zuneigung aller derer verschaffte, die ihn kennen lernten. Daß er auch im Vcrbindungsbetrieb eine schätzenswerte Mirtft ivar, bewies ec dadurch, daß er sotvohl iu München wie in Bonn eine Charge mit bestem Ge- 1 (innen sühne, ans der Mensur nahm er es dank seiner .zähen Willenskraft auch mit überlegenen ' Gegnern erfolgreich aus. Daß er and) im späteren j eben ein eifriger Ford er des K. C.-Gedankens | geivoroen luiitc, dafür bürgte seine ganze Lcbensanschauung und Persönlichkeit. Sein juristisches Studium betrieb er mit einem zielbewussten Fleiße, der zu den schönsten Zuknnstshofsnungen berechtigte. Tabei war er seiner Natur nach einer edlen, echten Freundschaft fähig. Wer sich, wie ich, seinen wahrhaücn Freund nennen durfte, dem brachte er restloses Vertrauen und eme liebevolle Anhänglichkeit entgegen, der konnte and; ihm sich gänzlich anverirauen und stets auf seine Freundesdienste zählen. Wie so viele andere ist auch er zu früh von uns geschieden. Doch sein Bild wird im Herzen seiner Eltern und Fretlnde bis an ihres Daseins Ende weitcrleben. Albert I k e n b e r g Kartell-Convent. Eindrücke vom K. C.-Tag Von I>i\ jur. Siegfried Urias (Hanseae). Wohl noch kein K'. C.-Tag ist mit solcher Spanmlng und so viel heißen Wünschen erwartet worden wie dieser. Bedeutete er doch den ersten Kartell- Convent nach der Beendigung des langen zermürbenden Krieges. Wieviel neue Empfindungen verlangten nach Ausdruck, wieviel neue Erfahrungen wollten verwertet sein und wieviel neues Wollen drängte nach Betätigung. Tollte das ÜJlafj von Erlebnissen unerhörter Größe nicht ganz neue Empfindungen geweckt, sollten die bitteren Erfahrungen dieses Krieges für uns junge Juden nicht mahnender Lehrmeister gewesen sein, sollten sie unser Bekenntnis und Gesinnung grundlegend geändert haben und sollten beide vereint nicht eine Richtungsänoerung des Wollens bedingt haben? Welch eine Fülle gegcnsählicher Mcimmgen waren in den einzelnen Verbindungen in diesem Jahre vor Beendigung des Kampfes an bis zum Zusammentritt des Kartell-Convents auseinandergeraten. Die Köpfe derer, die all die Jahre dort draußen den furchtbarsten aller Kriege hatten durchleben muffen, gegen die jener jungen Leute,. die inzwischen herangewachsen waren und entweder wegen ihrer großen Jugend noch nicht zum Kriegsdienst herangezogen waren oder in der Ausbildung noch an heimatlichen Garnisonen begriffen, das Leben einzelner Verbindungen und damit des K.C. wachgehalten hatten Und ihnen allen sollte dieser Kartelltag Klärung bringen. In der Erkenntnis der Bedeutung dieses K. C.- Tages für das neue Aufleben des K. C. hatte man ihn wie keinen anderen zuvor sorgfältig vorbereitet. Mit klarein Auge übersah man auch die Schwierigkeiten, die rein technisch in solcher Zeit der Verkehrs¬ und Unterkunftshindernisse dem Zusannncntritt einer solchen Tagung bereitet sein mußten. Aber die regsamstell unb tüchtigsten Köpfe des K. C. 311 . Berlin hatten sich, unterstützt von den Verbindungen, in bcu Dienst der Sache gestellt. Und so war es von auswärts hcrbeieilendcn Kartetl- I brüdern jedem einzelnen scholl wochenlang vorher! bekannt/an welchem Ort er für die Tage Obdach! finden und lvo er während dieser Zeit stets I K. C er zu freundschaftlirhenl Beisainmenfein j suchen konnte. j Der Vortag des Kartell Convents bereits zeigte,! ivelche nie zuvor erreichte Zahl von K. C.ern diese Tagllllg zusarnmenführen würde. 'Kartellbrüder jeden Alters waren erschiencll. Man fveute sich, die { alten Freunde und Kampfgenossen nach langer : Trennung einmal wiederznscben. Mau freute sich; der bunten Pracht der verschiedensten Couleuren.; unter deneil selbst die der alten^ehrlvürdigen Viadrinen, ja sogar der alten Fecht-Saxonen aus Brcs-; lau stattlich vertreten tvaren, all der alten wohlbekannten Farben und der sreurden, neuell, der jüngsten ueugegründeten Verbindungen. Und schon dieser . Vorabend gab das freudige Bewußtsein: „Der K. C.-Gedanke ist lebendig und zukunstsvcrheißend wie nie zuvor!" Daß' schon rein äußerlich der grausaille und für uns als Deutsche und- Juderl so bitter verlaufene und beendete Krieg die Grundlage des deutschen -! vaterländischen Gedankens nicht erschüttert haben.! konnte, das bewies bereits zahlenilläßig das jähe - spontane Emporsprießen vieler lleuer Verbindungen! im letzten Jahre, nachdenl sich der Strvlll der! Zurückgekehrten Källlpfer wieder in alle Universitäten Deutschlands gelenkt hatte, unb die alle mit stattlicher Aktivitas die ersten Semester des neuen Friedells dllrchschritten. Aber mlch der Inhalt der zu den wichtigsten Fragen voil Verbindungen aus allen Teilen des deutschen Laildes gestellten Anträge zeigte die große Regsamkeit, die Geister aller Richtungen in: 5k. C. betätigt hatten. Und sie ließen eine Ahnung davon au frommen, welche hartnäckige Auseinandersetzung dieser K. C.-Tag bringen mußte. Und an den beiden folgenden Tagen sind heiße Debatten geführt worden. Gegensätzliche Meinungen, aber doch alle getragen von glühender Wärme, von inniger Liebe 51t dem alten Verbände, alle nur bestrebt, das Rechte zu treffen und das gefahrumdrohte Schifflein auf stürmisch wogendem Meer den sicheren, den richtigen Kurs zu lenken. Zwei Fragen