KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JL Das ging soweit, daß David Friedländer der /■. preitßischen Gesetzgebung bekanntlich allerlei Ersatz j für das Wort Jude vorschlvst und Havdenberg; seinen Mitarbeitern am Judengeseh von 1812? ernstlich .zu erwägen gab, ob nicht Benennungen ivic Prosaisten oder Israeliten einzuführen wären. - Auch die elsässischcn Juden haben, als sie wie die j übrige bodenständige Bevölkerung Irankreichs auf- I gefordert wurden, der Nationalversammlung von! 1788 ihre Beschtvcrden und Wünsche vorzulegen, [' ebenfalls die Bitte ausgesprochen, daß alle sie bej schimpfenden Benennungen verboten werden' sollten. Napoleon I. hat dem Rechnung getragen l und offiziell die Bezeichnung Israeli Io» einj gefiihrt, tvas dann in Österreich-Ungarn und von j bcu süddeutschen Negierungen übernommen wurde. j ES ist unbestreitbar, daß mindestens ein halbes! Jahrhundert lang die Juden selbst „den sehr verj sichtlich gewordenen Nanren Jude" verschmähten. daß erst das Geschlecht der Zunz und Rießer ihn wieder zu Ehren brachte, daß später Männer so? entgegengesetzter Geartung wie Abraham Geiger! und Heinrich Grätz ihn mit Stolz verbreiteten. So j war denn eine neue Bezeichnung sehr willkommen, \ die den Juden als Gesamtheit ein gewisses Ansehen | verleihen konnten. In Berlin fand die neue Bei Zeichnung einen besonders günstig vorbereiteten- Boden. Dort stand die französisches Kolonie infolge ihrer Tüchtigkeit und ihres , Wohlstandes in hohem Ansehen. Die Juden Ber- ' lins liebten cs, ihre Stellung im Staate mit der der i französischen Kolonie zu vergleichen, und be--? zeichneten sich selbst gern als Kolonie. David ' Friedlich der§ erste Schrift zur Förderung der! Emanzchation seiner Gkulbensgenossen führt den! Titel „Aktenstücke, die Reform der jüdischen Kolonietl in den prcmßischen Staaten betreffend" (Ber- : lin 17!) 3), auch in anderen ähnlichen Schriftstücken ' kehrt die Bezeichnung Stotonie neben Nation wieder. ' In amtlichen preußischen Kreisen wird zwar ge- Iciientlich behauptet, daß „das Wort Kolonie für | die Jndell nur spottrveisc von den hiesigen, vom \ alten Ritus abweichenden gebrmlcht wird", das! aber linderte die Staatsmänner nicht, sich des 1 Wortes zu bedienen. Auch die französische Kolonie 1 wird bisweiten als französische Nation bezeichnet; — ganz so wie cs bei den Juden vorkommt. Daj mals hatte eben das Wort „Nation" nicht die ihm - heute in Deutschland gegebene Bedeutung, sondern, j : wie es einmal in einem Schriffftück über die Juden j heißt, ..Nation oder vielmehr MenscheuNnsse". So ist cs zu erklären, daß gerade in Berlin gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Äöort „jüdische. Nation" so häufig gebraucht wurde. Es ' stellt eiu Entgegenrommen der Aufklärungszeit an die Empfindlichkeit der Juden dar, hat aber mit / dem Nationalismus unserer Tage nicht das Geringste . z, c--?? , Joseph Köhler. : Ei war «lief» einer der vielen liberalen Prvselloren. die bcu jüdischen Studenten freundlich bei der Vor« stellniig empfangen. die ibm ßöilich die Hand drücken ihm Mut zuni Examen machen, nnd ihm nicht extra, weit er llude iü, den nordische,i Knoten in der Sann einer Examenöfraoe Mi lösen geben. Le! i,strebend tat. er auch das. aber er kab darin nicht ei, , Extralcistmig. kür welche er sich bei seinem Gewissen, ml stillen Kämmerlein vom lieben Herrgott oder zumindest vom höheren Stuhle 'der Gerechtigkeit, den Orden d>s gereckten Adlers siebenter Klasie unter Nachsicht der lare zusprechen lieft. , Er war nämlich anSnabmswelse der ttberzenguna. daß es so und nickt anders sein kan». daß das Natürliche keinen Ertralobn verdient nnd auch keines Lohnes bedarf: denn das natürlich Nickm.-e zu leiste» ist eine verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines |ebe« Menschen, auch die eines Professors an der llntocrfltät Berlin. Und nickt mir de« jüdische» Siuaierendön kam er mit einer anö innerster llberzenmma kommenden Achtung entgegen, auch den Juden im nl'gcmeinen brachte er außerordentliche Hockschätzung ernnegen. zumindest dem jüdischen Geiste, den jüdischen gelingen Fähigkeiten, nnd als er ans dem Anlasse der ..Iudeiitanfen" — nicht der sich ietst so verbreitenden Seuche sondern der Drucklegung eines Heftchens dieses Namens - - anck um feine Meinung in bezug ans die Juden in seinem deutschen Paterlande angegangen ivurde. 'oo erklärte er. er Tiofre und er wünsche, das« die Juden in den Deutschen nm* neben werden, damit ber deutsche Stamm eine Neacnerattou im geistigen Sinne dadurch erlebe, Und wenn wir auch als Inden uns kür diesen Rat bestens bedanken und ihn scharf ziniilkiveisen. io muh man dock an« erkennen, daß ein ungeheurer Wert für Kobker i» den Juden gewesen sein muh, wenn er seinem ücife« geliebten Polte wünschte, es durch den Zustrom des Iudenblntes verbessert «>nd r generiert werde». Äbie kam nun er. der Nickliiid,'. icr» voni Getriebe der Juden, fern von der jüdische» Handelswest, nicht ge» blendet von de« ioneminule» jüdischen Rekchtümern und auch nickt ganz entzückt von den jüdischen Leute« der LU'ssenschast, zu einem solchen günüigen Urteile überIuden »nd über den jüdischen Geist? -Hier liegt ein Fast vor wie er besonders rar ist. so rar ,vie etwa eine Dause aus wirklicher religiöser Uberzeimima. . Kobler kam an seiner Hock "l tung für. Juden und Judentum rein ans wissen schas:N>cher Überzeugung. Ob und inwiefern er in Mannheim al Richter in Berttbrnng mit Inden gekommen war, ist »»bekannt. Als er. nach Wlirchnrg in leine Stellung gjs Ordinarius.der Reckte im Jahre 1.S78 berufen, fick Hin einigermaßen heimisch fühlte, ging er darm». eine Zeitn?»ist zu gründen, welcke beweise» sollte, daß ---"um es kn - und bündig und sckars' zu sagen —cs anck ofiue iuristi'.ir-n Dünkel Reckt geben könne, und daß Völker, die keine Juristen, keine Berufs, kenner. keine Sachverständigen des Rechtes extra zückten und pflege», dennoch ein Reckt > osikeii und ein solches immer besessen batten. Das sagte er, der Jurist, und gründete zu diesem Zwecke, oniziell mit noch zwei anderen Proseisoren. die ,.3citiihrift..für vergleichende Rechtswissenschaft", die tatsächlich nur er allein redigierte und für welche er die meiste» Aufsätze selbst schrieb, wenn er sie nickt durch seine 2«Hftlcr und Jünger be* sorgen ließ. Nack seinem ganzen Vorleben nnd seiner wistenschakt-- Ud)en Bildung ging er ein solides Reckt dort inchem wohin ilm sein Empfinden wies, ins Urland der Arier, nach Indien. Er behandelte das Reckt der Hind». bau» /'kam er zu den Rechtenstn Cevlou. «» den Reckten Chinas, s» allen möglichen Ivstastaksschen!. , «nd asrikantschen