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KC-Blätter · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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Sache in England schreiben ebenfalls „the Nation ok iiu‘ Jov*h". Holländisch gebrauchte mcm damals den Ausdruck „deJoods,he Natie". Aber weder Holland noch die Pyrenaenhalbinsel kennen den Ausdruck vor der Zeit von 1600, die Urkunden nennen dis zu Karl V. und Philipp H. „Joden", , „J mlios" o )er „ H obreos";. abxr keine - jüdische Nation. Anders gestaltet sich das Bild, lvenn lvir uns bcu portugiesischen M arrane n ztttvcnden, die von 1550 ab m wachsender Zahl neue Wohnsitze suchen. Wie sie in der Heimat als Christen gelebt haben, so treten sie auch am Ort ihrer Niederlassung zunächst als' C h r i st e n auf, suchen als , Christen das Ansenthaltsrecht nach. So sehr sie auch danach ftrcben, ■Jocnlflftcnä im geheimen jüdischen Gottesdienst Halter:, jüdische Bräuche vollziehen zu können, äußerlich und offiziell geben sie, sich als treue Söhne der Kirche. Daher treten sie als P o r t u g i e s c n auf, nennen sich unter Entlehnung d?s Namens, den die Kaufmannskolonie im Ausland, z. B. die der Niciderländer und Deutschen, allgemein führen, portugiesische Nation. Emige Beispiele aus ihren tvichtigsten.Ansiedelungen sollen das beweisen. Das älteste Privileg . für die Juden in Bordeaux vom Jahre 1550 wiöd verlieben an „mareluinds et untres Portiu gais, uppeles uouvoaux olmHious". Da dieses Privileg wihl dem Parlament von Paris, aber nicht dem von Bordeaux Zur Bestätigung vorgelegt war, richtet Heinrich Ul. kurz nach seiner Thronbesteigung 1574 an dieses die Aufforderung, «die teilte „Je in Nation portugaise" in den Genuß ihrer Rechte zu setzen. Sv lebtet: „die Spanier und Portugiesen" in Bordeaux üls „gute Katholiken", ließen ihre Kinder zur Taufe bringen, ihre Ehen in der Kirche einsegnen, ihre Toten auf den katholischen Friedhöfen begraben als \N. N. de la liation". '„OUt bei Zeit wandelten sich die Verhältnisse, die Juden dürftet: es wagen, sich offen zur jüdischen Religion zu bekennen und öffentlich alle Kultushandlungen zu vollziehen.. Das hatte zur Folge, daß ste ihre Selbstbezeichnung änderten und sich „Nation jnive portugaise" nannten. Sehr bezeichnend ist, daß auch die wenigen aus Avignon nach Bordeaux übersiedelten jüdischen Familien sich gelegentlich „Nation avigonaisc" nannten, wie auch in der Zeit vor der Revolution (1789) die Juden des Elsaß sich im Gegensatz zu den Portugiesen als „Nation jnive roguicole" ausgabeu. , Ganz so wie in Bordeaux vollzog sich die Ansiedelung der Marranen in H a m b u r g. Sie traten ebenfalls als portugiesische Kaufleute auf und galten zuerst als katholische Christen. Erst nach? geraumer Zeit erfuhr man, daß ste „der jüdischen Schrerstition.' zugetan" waren, wie der Rat an die Bürgerschaft berichtetem Die Verhandlungen über die Nied'erlassungsbedingungen (1603) führt „die' portugiesische Nation"; sie sucht dabei durchzusetzen,? daß die Unterlassung der Lause Ihrer Kinder oder der kirchlichen Eheschließung nur.mit 'Geldbußen und mit keiner härteren Strafe geahndet werden sollet Ebenso wird der Friedhof in Altona von „portugiesischen Kaushändlern ün Namen ihrer gesamten Nation" erworben, und auch hierbei wird'ausdrücklich ausbedungen, daß nicht danach gefragt werden soll, tvelrher Religion die zu besinnenden „Portugiesischen" zngehörten und rvelche Riten bei ihrer Beisetzung vollzogen würden. A!.-r auch, nachdem -die Portugiesen längst als Juden erkannt sind, bleibt ihre amtliche Bezeichnung in Hamburg „die portugiesische Nation".. So ist ein Verzeichnis sämtlicher Portugiesei: aus dem Jahre 1612 mit genauen Angaben über ihren Fam lienstand, Beruf :u:d Wohnsitz „Rolla der portugiesischen Nation" überschrieben. Sämtliche Judenardnungen a:w dem 17. Jahrhundert führen in der amtlichen Bezeichnung das Wort portugiesische Nation. Die deutschen Juden durften, wie es in: Gemeindebuch heißt, „als Diener der portugiesischen Nation" in »Hamburg tvohnen. In Mnunheim bewahrt die StiimgSgengemeinde ln ihren: Archiv eine llvfuitbc aus oem Jahre 1690, worin der Psalzgras bei Rhein der Judenschaft Kutscher und portugiesischer Nation seiner Stadt Mannheim ihre Privilegien bestül'gt. Anders, aber nicht weniger bezeichnend liegen die Dinge in Holland. Dort dursten die Marranen sich von Anfang an frei als Juden bekennen, daher hat sich ibort früh die Bezeichnung „HehreouwsHio Natio" oder „Joodsiho Natio" eingebürgert. Aber' ursprünglich nnpnten die Eingewcmverten sich ebenfalls die portugiesische und spanische Nation. Menasse bei: Israel gebraucht den Ausdruck „Io* sonores de ini naeion Esp;im>la", und die Approbation zu seinem Buche Concilrador (1632). erwähnt „1"S Sonores dela nachm Portuguosa".' L::cas, der älteste Biograph Spinozas, nennt ben Vater des Philosophen „Jnif d<* Ueligion Portngais do Nation". Im Laufe der Zeit kam, analog den: jüngeren. Gebrauche in Bordeaux, auch!:: Holland die Bezeichnung;Joodsclie Portio geesehe en Spaansebe Natie" in Übung. Von Amsterdam aus, dessen Judeck damals in der ganzen Welt so viel Bewunderung erregten, auf dem Wege über BasnagE „l,'lnstoire et Ja religion des Juifs" (1706 ff.j Und Schttdts „Jüdische Merkwürdigkeiten" (1714) gewann der Ausdruck „Jüdische Nation" 'weite Verbreitung. Die Juden griffen ihn bereitwillig auf, und wphlwollcndc Christen gönnten ihnen niese Benennung. Mit der Befestigung ihres Heimalsgefühls, ihres Besitzes und ihrer gesellschaftlichen ^Beziehungen von etwa 1750 an verstärkte sich in den Juden die Empfindungfür die 'entehrende Nebenbedeutung, welche damals dem Namen „Jude" gegeben wmdyr

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