KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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(5 .-Verbindungen übertragen, so müßten in demselben Atlgenblicke auch die Vereine deutscher.; Studenten uub alle nnbcren Korporationen, die satznngsgemäß nur Christen aufnehmen, als kon- . fefsionelle Verbindungen angesehen Werden. Airs dem Passtls über die „jüdische" Verbindung Salia — ein besserer Witz ist wahrscheinlich schon lange nicht gemacht worden — dürste sich frei- ,■ lich ergeben, daß die Absicht besteht, die K. C.-Verj bindungeu auszuschließen.' Denn die wirklich konfessionellen Korporationen haben alle Mensurverbote. Dnn „Wingolf", dem „Schwarzburgbund", wtd dem C. V. wird es herzlich gleichgültig sein, was ül Jena'beschlossen worden ist. Der G. A. des K. C. hat sich, um eine Klärung zu schaffen, an das Sekretariat des Waffenringes gewandt und hat um eine Interpretation des Beschlusses für den K. C. gebeten. Ohne daß eine ( solche Klärung erfolgt ist, kann der K. C. seinen einzelnen Verbindungen nicht die Erlaubnis geben, ein Aufnahmegesnch an den Waffenring zu stellen. Wie ist die Bezeichnung „jüdische Nation" entstanden? *) Von I. Elbogen, Perlin. Nicht wir Bücher, auch Worte haben ihre Schicksale. Mit der Beneitnung „N,ation" wird in verschiedenen Zeiten und Ländern ein ganz verschiedener Sinn verbunden. Über den B e g r.i f f „jüdische Nation" zu streiten, mag im Augenblick müßig erscheinen, nachdem die Friedenskonftrenz - wtd die Internationale mit Vertretern des jüdischen Volkes verhandelt und vollendete Tatsachen geschaffen lmben. Die vorliegenden Ausführungen wollen in erster Reihe Aufklärung über die Geschichte des Sprachgebrauchs -bieten. *) Bol. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft d«S AndentumS. L.XIN, 1919. S. 200 ff. ' : Wie ist die Bezeichnung „jüdische Nation" ent" S staicden'^ Gewöhnlich wird dagar nicht als Problem ersaßt, jonbcm vorausgen-nt, daß sie alt und bis in die Zeit von Moses Mendelssohn und David ■ Friedläuder als dor Sache ent>preü)end gebraucht, erst von den nachfolgenden „entjudeten" Gc-. schlechter« aufgegebcu wurde. David Friedlicher, i ben mau nach hcutigeul Sprachgebrauch als den \ Asstu,iliertcstcn unter den assimilierten Juden bezeichnen müßte, unter bcn Kronzeugen der jüdischen Nationalität zu finden, hätte sinnig machen und zu der Frage Anlaß geben müssen, ob es mit der jüdischen Nation bei ihm nicht eine lwsondere Bewandtnis hat. Tatsächlich kann vön einem hohen Alter der Bezeichnung keine Rede sein. Amtliche Schriftstücke sprechen gemäß den alten lateinischen Bezeichnungen (snlluoi, t nivoi^itnu Jmlucornin) von Juden, Judenschaft. Jnoeugemeinde oder jüdischer Gemeinde, aber nirgends vom Mischen Volke oder der jüdischen Nation. Auch in der deutsch geschriebenen Literatur - voll Luther bis Lessiug findet sich mit Ausnahme von wenigen Zitaten aus fremdsprachigen Schriften die Benennung jüdische Nation nicht. Da mit einem Mate taucht im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Nation für die Juden aus und ihre Verwendung wird mit dem Fortgang des Jahrhunderts, und der Ausbreitung der Aufklärung häufiger. Gerade im Berlin Leasings und .vkendelsfohns kehrt sie in amtlichen und nichlamtuchen Äußerungen; von Juden und Christen ständig wieder; in der vielumstrittcneu Frage der. Erweiterung der Rechte der Iltden gebratichen Freunde und Gegner ihrer Einbürgerung den Ausdruck „jüdische Nation" ohne jede Nebenbedeutung. Selbst irr die Sprache der Gesetze ist die Bezeichnung eiugedrungen. das bekannte Wällnersche Religionsedikt vom 9. 8.v 1788 nennt unter den in den preußischen „Staaten bis-- her geduldeten Sekten, außer.der jüdischen Nation,, die Herrenbnter" u-sw. Woher stgnunt diese Veranden e Redeweise? Es liegt nahe, an eine Übersetzung aus dem Hebräischett ztt denken, aber ein hebräisches Äquivalent für ' den Ausdruck „Mische Nation" ist zur Zeit Mendelssohns nicht bekannt,, oie modern jüdische nationale Bewegung hat zu einem ganz seltenen biblischen Wort ihre Zuflucht nehmen müssen. Biel- ' mehr weist der Ausdruck auf die r omanischen Sprachen hin. Der Rabbiner Simone Luzatto beginnt seinen ciren il »tato; Ut*bm'" (Venedig 1634), den man als den j ersten soziologischen Versuch über die Juden bezeichtren kann, mit den Worten Zn nntinn^ Ilodron", die dann häufig mit -Anwendung auf die Juden Venedigs -wiederkehren. Etwa gleichzeitig spricht Menasse ben Israel von „Eu Xayuö". sein Gesuch an Oliver . Cromwell richtet er Zn dsdalk« ok tde Mtion7 und die Freunde seiner i -