KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I ’ ' "]■ ■ 'Tf1'-’;: . : { ■" h sich selbst. Unter diesen Verhältnissen konnten Erfolge nur erzielt 'werden, wenn 'der heiteren Seite des studentischen Lsüetts nicht allzuviel Beachtung geschenkt wurde. , Ein straffes Zusaitimcnroisien, äußerste Disziplin, ein stets zu den höchsten Opfern bereiter Wille waren unentbehrlich, wollte -die kleine Zahl 'auf Erfüllung ihrer Pflichten rechnen.' Getreu dem schon von der Badenia aufgenommenen Vorbild der Viadrina wurde im Zeichen der unbedingten Satisfaktion der Fcchtbetrieb in die erste Reihen gerückt. Nachdem sich aus der Stellungnahme der großen studentischen Verbände, aber auch -der überwtegenden Zahl der Einzelkorporationen ergeben hatte, daß an Schlägcrfechten wenig zu denken war, wurde die Hauptaustnerksamkeit bem solideren Säbel geuubmet. Es kan, hinzu, daß die Ahndung antisemitischer Kränkungen stets durch die schwerere Waffe zu erfolgen hatte. Im Laufe der Zeit ist ja dann das Schlägerfechten — von der. studentischen Welt wenigstens — nur noch als sportliche Betäti- 1 gnng gewertet worden, so daß fiir ernstliche Satis- . faktion nur der Säbel blieb; die Pistole kam ja nach den allgemeinen, auch von uns gebilligten Grundsätzen als studentische Waffe nur in den seltensten Ausnahmesällen in Betracht. Eine sich ständig erneuernde Reihe von Waffenverrnfen schloß sich de.a Erwerb eigener Waffen an, die in, Jahre 1895 aus der Hinterlassenschaft der „Freien Verbindung Humboldtiana" erstanden wurden. Wenn cs die deutsche Studentenschaft — von.einzelnen unrühmlichen Ausnahmen abgesehen' — auch Hicht bis zum Weidhofener Prinzip gebracht hat, jo hat man es den Mitgliedern der „jüdischen" Verwindung nicht innner leicht gemacht, Genugtuung für erlittene Kränkung zu erhalten. Die nichtigsten Vorwände dienten wie zu allge,„einen Verrufen, so. auch den, einzelnen, weniger wafsenschneidigen Gegner. Der Jude wurde beschimpft, die Satisfaktion verweigert oder unter .unwürdigen Zumutungen angeboten. Wollten 'die Sprever hier versagen, so würden sie ihr Band nicht m Ehren , getragen haben. Das Ü b e r t u s ch i e r e n ist gewiß nicht jederinanns Sache — .aber es war be- . greislich. ja unvenneidlich geworden in einer Zeit, wo den, jüdischen Studenten sonst die jedem akademischen Bürger gebührende Achtung verweigert wurde. Jedenfalls sind wir der Meinung, daß durch den in der Sprevia sichtbar personifizierten und stets energisch betätigten Grundsatz der Selbst- '. wehr der deutsche jüdische Student in seinem akademischen Ansehen letzten Endes erheblich gefördert i worden ist. Bot doch die Sprevia nicht nur ihren . Angehörigen, sondern jedem jüdischen Studenten, '. der in seiner.Ehre gekränkt war,' den ehrlichsten; Waffenschutz. Allerdings hat mancher „Beleger", der nach Unseren Regeln eingepaukt wuöde, auf.dorn i gossen als auf der Mensur. Der Fechtbodenbetrieb - war stets das wichtigste Offizium. Hier müssen wir unseres wackeren, nun leider verstorbenen Fecht» Meisters G ü n th e r gedenken; lange Jahre hindurch hat er, im Verkehr mit mtern Bundes-, brüdern selbst von unserer Tendenz durchdrungen,; immer neuen Generationen, die Erfahrungen der Alten übermittelt, den Willen und dir Muskeln ge- , stählt. Wie innig -die Sprevia mit Günther ver- ' wachsen war, zeigt nichts besser als :>er Konvents ß beschluß (als er wohl mal zu energisch geworden war): „Dem Fechtmeister Günther soll mitgsteilt? werden, daß wir uns seinen Ton den Füchsen gegenüber verbitten; wir erziehen unsere Füchse selbst." Alle Spreven, die 'durch seine Schule ge») gangen sind, werden diesen Beschluß wohl mit .' einen, Lächeln dankbarer Erinnerung zur Kenntnis nehmen. — Daß neben dem Fechten auch andere Leibesübungen, wie Turnen und Schwimmen, be» i trieben wurden, sei der V.ollstäMgleit halber er» -. , wähnt. Unvergeßlich werden allen 'Teilnehmern .! auch die Wanderungen in größeren und kleineren Trupps sein, die dem jugendlich-schnulustigen Blicke : die Schönheiten der Berliner Urngebung enthüllten. - Allmählich beginnt in der Sprevia, wie auch anderwärts im K. C., sich ein regeres Interesse für. den Sport zu zeigen; eine Ruderriege ist im Ent»- stehen begriffen. .> Wenn so die Bestrebungen zur körperlichen Ertüchtigung unserer Buttdesbrüder im Leben der Verbindung einerubreiten Platz sinnehmen, so kann ' doch mit Fug und Recht behauptet werden, daß-, die Sprevia auch eine vorbildliche Pflegestätte für. die Tendenz geworden ist: Nur dadurch, daß der « . einzelne ihren Geist recht ersaßt, mn nimmt und in sich verarbeitet, schafft er sich die imuceti Werte, die die Kraft des Kämpfers lebendig halten.. Die . klassische Denkschrift der Vialdrina von 1886 war' in Berlin wohlbekannt. Schon auf dem Grün» dungskonvent wurde beschlossen, die jüdische Tendenz der Verbindung in den Statuten zum Ausdruck zu bringen. Aber es dauerte gar nicht lange,; da warfen die in, K. C. späterhin mit großer Leb-' Hastigkeit geführten Debatten über den Zionismus ihre Schatten voraus. Waren doch gerade in den Reihen der Sprevia einige Köpfe zu finden, in bettet, sich der nationaljüdische Grumte regte. Ein Antrag von dieser Seite, den jüdisch-nationalen Verbindungen in Österreich und der Schweiz, wenn schon unter Wahrung des abweichenden Standpunkts, die Gründung mitzuteilen unfreundschaftliche Beziehungen zu ihnen zu unterhalten, wurde abgelehnt — und der Geist, der aus dieserAblehnung sprach, blieb bis zum heutigen , Tage in der Verbindung lebendig. Er hat seinen' positiven Ausdruck in der von der Sprevia stammenden Formulierung des geltenden ersten. Absatzes,