Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 123 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2268830-2268917-2268922--2384-2271541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

123 lichkeit (unabhängig von jedem Beruf). Durchringung zu der Erkenntnis, dag doch alle Guter nicht um ihrer selbst willen da sind, sondern das, erst durch die Zwecke die Güter geheiligt werden, daß überall als Maßstab nicht die Menge, sondern der innere W?rt treten muß und daß wir darauf bei kommender Einschränkung insgesamt unser Leben einzustellen haben. Wer wagte es bisher, zufrieden zu sein? Wir wurden fortwährend von außen her gezwungen. mit uns selbst, mit unseren Leistungen, mit unseren Erfolgen, mit unserer Umgebung unzufrieden zu sein. Doch von wem? Eben von dem nervösen Zeitgeist. Und wer das nicht tat, der war als Philister verrufen. Das eine ist ja richtig, daß ein großer Teil unserer Kulturfortschritte dieser rastlosen Unzufriedenheit zu verdanken war. Wir waren das Zeitalter der Technik, das sich selbst immer mehr zu überdicten suchte, bis schließlich im Weltkrieg durch diesen babylonischen Turmbau (der unvollendete Neubau des Deutschen Museums in München möchte einem fast wie ein Widerspiel erscheinen) das ganze Gefüge unserer Lebcnsordnung verwirrt wurde. Für die Kultur jeder Zeit ist der einzelne ein Atom, aber kein bedeutungsloses, trotz verhältnismäßiger Kleinheit. Wollen wir also für unsere Kultur etwas wirken — die bisherige hat sich durch/den Krieg als im Kerne morsch erwiesen — dann müssen wir in unS selbst neue Grundlagen errichten und die wichtigste davon ist: bei Entscheidungen über das Glück unserer selbst und unserer Nachkommen müssen wir uns von solchen Gesichtspunkten leiten lassen, die wir für richtig halten, auch wenn der augenblickliche Zeitgeist anders denkt. Und nun behaupte ich: es ist für unsere akademische jüdische Jugend dringend nötig, daß. soweit es irgendwie aus beruflichen Gründen möglich ist, ein mächtiger Abfluß von der Großstadt her einsetzt. Je mehr Akademiker auf dem Lande sind, desto mehr werden die Unterschiede zwischen Stadt und Land ausgeglichen. Es werden sich viel eher Gleichstrebende zusammenfinden und die Innigkeit dieser gleichen geistigen Richtung schlägt vielleicht liier um jene viel engere Bande als in dem geistigen Tosen der Großstadt. Wie anders wirkt hier die Pflege edler Kunst, — ich denke z. B. an Kammermusik —; dort in der Stadt ein oft flüchtiges Genießen inmitten zahlreicher anderer Darbietungen; hier tiefste Erbauung, weihevolles Auskosten, andächtiges Aufnehmen. Doch nun gelange ich erst zum eigentlichen Grundgedanken, der inir die Feder in die Hand gedrückt hat: zur Akademiker- Landsiedelung (A. L.). Ich vertrete den Gesichtspunkt: jeder, der nicht zäh am akademischen Studium hängt und der in der körperlichen Wiederertüchtigung eine Aufgabe erblickt, sollte den Beruf erwählen, welcher der urwüchsigste und zugleich der gesündeste ist: Landwirtschaft (und sofern diese noch zu schwer sein sollte: Gärtnerei). Ich stelle es mir folgendermaßen vor: statt einen Teil des Vermögens für Srudienzwecke zu verwenden, werden für diesen Betrag Anteile an der A. L. erworben. Die Verwaltung der Gelder muß in Händen ehrenamtlich bestellter Persönlichkeiten liegen, welche das Vertrauen größter Kreise genießen. Mitglieder können sowohl Akademiker als Akademikerinnen sein. Der Zweck der A. L. ist Betrieb der Landwirtschaft auf genossenschaftlicher Grundlage. Die erste Zeit müßten die Mitglieder anderwärts praktisch lernen, später könnten dann weitere Mitglieder auf dem eigenen Besitz ihre Lehrzeit verbringen. Bei der kommenden Sozialisierung müßte der Staat veranlaßt werden, an die A. L. verstaatlichte Ländereien gegen mäßige Verzinsung vielleicht vorläufig auf 50 Jahre zu verpachten bzw. eine Schuldentilgung zuzulassen. Im Zusammenhänge damit oder später könnten dann noch gewerbliche, forst- und landwirtschaftliche Unternehmungen, z. B. Mühlen. Sägewerke oder auch Industrie errichtet werden. Selbstredend wurden auch Fachleute (also z. B. Gutsverwaltcr, landwirtschaftliches Personal usw.) mit angestellt. Da das Unternehmen, wenn auch zum Erwerb des Lebensunterhaltes bestimmt, doch mehr noch ideellen Zwecken dient (es soll eine Lebensgemeinschaft, nicht ein Gesellschaftsunternehmen sein), so wird ein eigenartiger feuriger Geist die Arbeitslust beleben. Die Vorbedingung wäre: Gerechtigkeit in der Verteilung der Arbeiten und Einsicht, daß jede Arbeit im Zusammenhang und nicht von kleinlichen Gesichtspunkten aus betrachtet werden muß (ich erinnere nur an das Studium der Medizin, das gewiß mrch nicht immer ästhetischen Anforderungen allzu zartfühlender Gemüter entspricht). Aber während sonst der Landwirt in seiner Tätigkeit leicht „verbauert", soll hier durch die Auswahl der Tätigen für geistiges Leben gesorgt sein, das auch stets mit dem Pulsschlag der Gegenwart in Fühlung bleiben muß. Der Geist und die seelische Art der A. L. würde' dann auch zugleich wellenartig befruchtend auf die Umgebung wirken und so indirekt Kulturarbeit leisten. Ucber die sonstige nähere Organisation, über Art der Wohnung, Höhe der Beteiligung usw. braucht hier gar nicht gehandelt zu werden, das würde eine nähere Aussprache ergeben. Wer sich für diese Angelegenheit interessiert, der wolle mir seine Ansichten über diese Frage Mitteilen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Rechtspraktikant Arthur Reichenberger (Sax.-Bav.) z. Zt. München, Ohmstraße 3/m Rgb. Are akademische Messe. Zurzeit steht die Redaktion der K. C.-Blätter mit nachfolg-ndcn Zeitungen im Austausch. Sobald sich die Verhältnisse bessern und mehr Raum zur Verfügung steht, sollen wieder Auszüge erscheinen, in denen auf wichtige Veröffentlichungen aufmerksam gemacht wird. Kartellbrüder, die am studentischen Teile der K. C.-Blätter Mitarbeiten wollen, werden gebeten, dies der Redaktion mitzuteilen. Deutsche Korpszeitung, Münchener- Buchgewerbehaus M. Müller & Sohn. — Neuphilologische Blätter, August Hoffmann, Leipzig-R., Gemeindestraße 5. — Akademische Zeitschrift für Leibesübungen, Alkred Lorentz, Leipzig. — Mitteilungen des Akademischen Hilfsbundes. E V., Berlin, Druck der Germania, Aktiengesellschaft für Verlag und Druckerei, Berlin 6 2. Stralauer Straße 25. — Die Hochschule. Furche-Verlag, Berlin. — Deutsche Akademische Zeitschrift, Verlag von K. F. Köhler in Leipzig. — Akademische Zeitschrift. Druck von Gebr. Schönhoven in Kassel und Heinrich Rechtmann in Köln. — Uni las. Organ des Verbandes der wissenschafrl. kathol. Studentenoereine Unitas. Buchdruckerei der Osnabrücker Volkszeitung. Osnabrück, Breitergang. — Deutsche Hochschulzeirung, vormals: „Deutsche Hochschulstimmen aus der Ostmark", Berlin-Steglitz, Breitestraße 22. — Frankfurter Universitätszeitung. Blazek & Bergmann, Buchhandlung. Frankfurt a. M.. Goelhestraße 34. — Wingolfs-Blätter, Buchdruckerei Paul Fischer, Mühlhausen i. Thür. — Burschenschaftliche Blätter, Carl Heymanns Verlag, Berlin W 8, Mauerstraße 43/44. — Akademische Turnbundsblätter. Zeitschrift des Akademischen Turnbunds für Turnen. Spiel und Sport an deutschen Hochschulen. Albert Lüdtke, Berlin SW 29, Belle-Allianccstraße 82. — Die Schwarzburg, Deutsche Hochschulmonatsschrift. Buchdruckerei der Schreiberhau- Diesdorfer Rettungsanstalten, Diesdorf bei Gäbersdorf, Kreis Striegau. — Breslauer Hochschulrundschau'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.