KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 118 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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zur jüdischen Kultur, zur jüdischen Volksgemeinde. Dann muß er die Konsequenzen ziehen und darf nicht mehr Rechte für sich verlangen, als einem fremden Staatsangehörigen in Deutschland zukommen. Zum anderen: Er tritt, falls er religiös indifferent ist, aus der Volksgemeinde aus, da er nicht nationaljüdisch fühlen kann, und geht dem Judentum verloren. Und endlich der goldene Mittelweg: Er bekennt sich zu der ihm eingeborenen Synthesis Deutschtum und Judentum, läßt weder das eine noch das andere verkümmern, beiden zum Segen, ihm selbst zur inneren Befriedigung! Nur der letzte Weg kann zu einer glücklichen Lösung führen, nur' er kann die große seelische „Judenfrage" restlos beantworten, und nur er kann wirklich dem Ziel der Erhaltung des deutschen Judentums dienen! Lenkt unser sturmbewegtes Schifflein diesem Wege zu? Fritz Mend'ershausen, oanä.Mr. (Lic., Sax.-Bav.) Nachschrift: Noch ehe dieser Artikel erscheinen konnte, hat die.4. Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands stattgefunden. Wie vorauszusehen war, wurde der Antrag auf Abschaffung der Neutralität abgelehnt '). An dem oben Ausgeführten ändert sich durch die Beschlüffe der Verbandstagung nichts. Der neueingefügte § 2 der Satzungen sagt nur etwas allgemeiner umschrieben, daß die Tendenz der Vereine dieselbe geblieben ist. Jeder Nationaljude kann sich mit ihm einverstanden erklären. Diese Beschlüffe werden meiner Ueberzeugung nach an der oben geschilderten Entwicklung nichts ändern. *) Hierüber kann man sehr verschiedener Meinung sein. Man vgl. die Beschlüsse des Verbandstages unter „Allgem. u. akad. Nachrichten". Die Red. Um Deutschtum und Iugendtum. Eine Besprechung von Ludwig Holländer. (Lic.). Geheimrat Fuchs, der Vorsitzende des Zentralverejns hat in den Jahren 1884—1919 zu sämtlichen großen Fragen des deutschen Judentums m grundlegenden Aufsätzen und Vortragen Stellung genommen'). Eine Sammlung dieser Ausführungen ist nunmehr erschienen und bedarf wegen ihrer Bedeutung einer eingehenden Besprechung. Hat Gabriel Riesscr in seinen ewig ftischen und zeitentsprechenden Ausführungen die Grundlage für die *) Eugen Fuchs, „Um Deutschtum und Judentum". Gesammelte Reden und Aufsätze. Herausgegeben im Aufträge des Zentralvereins von Assessor vr. Hirschfeld. Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. seelische Einstellung des Judentums auch unserer Tage für allen Kampf ums Recht gegeben, so hat Fuchs in seinem Vortrage „Bestrebungen und Ziele", der am 6. Oktober 1895 gehalten wurde, das Riesser'sche Programm für die Gegenwart aufgestellt. Es ist nicht ohne Interesse festzustellen, daß heute dem Leser der Fuchsschen Ausführungen auffällt. daß alles, was Fuchs sagt oder schreibt, nicht veraltet ist. Vor dem Kriege mögen viele der Behauptungen, die Fuchs berührt, schon in Vergessenheit geraten sein; heute, wo man in der Tat den Mut hat, den Juden nachzusagen, sie hätten in Berlin zweihundert Kinder zu Ziegenwurst verarbeitet, sind sie durchweg von Tagesbedeutung. In Einzelheiten der Frage des Kampfes ums Recht führt uns der grundsätzlich bedeutende Vortrag „konfessionelle Kandidaturen" ein, der auch bei künftigen Wahlen von besonderer Bedeutung sein wird. Die Frage, ob und inwiefern wir uns an den Parlamentswahlen beteiligen sollen, in welchem Umfange wir jüdische Kandidaturen zu beanspruchen haben, die Frage des Verhältnisses von politischer Partei und Judentum wird fortgesetzt angeschnitten, ohne daß die Betreffenden sich die grundsätzliche Bedeutung ihrer Fragen in allen ihren Folgerungen klarmachen. Hier werden die Probleme, die aufgerollt werden, gelöst. Mag man in diesem oder jenem Punkte anderer Anschauung sein wie Fuchs, die Grundlage zur Urteilsbildung ist durch seine Ausführungen gegeben. Treitschke, Ed. von Hurtmann und Sombort haben in den Jahren 1880—1914 die wichtigste Grundlage für die Erörterung jüdisch politischer Probleme geschaffen. Wie viele reden heute über diese Probleme, ohne die Aufsätze der Gegcnschriftsteller zu kennen, geschweige denn ohne ihren Inhalt geprüft zu haben. Fuchs gibt eine genaue Darstellung der Gedankengänge, führt die Jdeenrichtung ein und gibt den Standpunkt, den K.C und C. V. in diesen Fragen eingenommen haben, wieder. Auch hier wird der Leser ein Bild vor seinen Augen entrollt finden, das an Schärfe und Klarheit nichts zu wünschen übrig läßt und die Grundlage für weitere Betrachtungen gibt. So finden sich in dem Werke noch eine Reihe von Einzelabhandlungen, welche, trotzdem sie teilweise viele Jahre zurückliegen, an Frische nicht verloren haben. In den Problemen, welche im allgemeinen als innerjüdische aufgefaßt werden, hat Fuchs ebenso wie in den sogenannten antisemitischen Fragen grundlegendes geleistet. Am bekanntesten ist die, man kann wohl sagen zur Berühmtheit gelangte Abhandlung „Glaube und Heimat", welche sich mit der Frage der Stellung zum nationalen Judentum grundsätzlich befaßt. Zu „Glaube und Heimat" gehört der Aufsatz üher, „Deutschtum und Christentum", der entsprechende Erörterungen bringt, und der weit über den Rahmen des Themas Gesichtspunkte ausweist, welche für die Gründung und Ausbau unseres neuen Staatswesens von einschneidender Bedeutung sind. Fuchs Auffassungen hat der Zentralverein in seiner praktiichen Tätigkeit zu verwirklichen versucht. Was er erreicht hat und.was ihm zu tun übrig bleibt, führt die Ansprache zum 25 jährigen Stiftungsfeste des Zentralvereins „Erstrebtes und' Erreichtes" aus. Wer sich über die jüdischen Fragen der Gegenwart auch nur einigermaßen unterrichten will, wird zu dem Fuchsschen Buch greifen müssen. Es ist eine Enzyklopädie der Lebensfragen des deutschen Judentums, soweit sie politischer Natur sind. Es wird soviel über diese Dinge gesprochen. Sicht man ngher hin, so ist die Zahl der beweislosen Behauptung Legion. Wer im praktischen Leben des heutigen Judentums steht, weiß, daß aknve Tätigkeit gefördert, Gegensätzevermindert und manch ' unerfreuliche Erscheinungen vermieden werden könnten, wenn die beteiligten Menschen nach einerGrundlage für ihre Ansichten suchen würden und zu einer Klarheit über die Grundbegriffe kommen