KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 116 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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116 nicht mit Unrecht die 5k. C.er von der Mitarbeit zurück. Bisher hatte man sich gesagt, dag ein Zusammenarbeiten von Zionisten, Azwnisten und Antizionisten auf dem Boden der Pflege jüdischen Wissens und jüdischen Selbstbewußtseins durchaus möglich und im Interesse der Eintracht verdeutschen Juden zu begrüßen sei. Allmählich aber hat sich der Zionismus, wenn auch offiziell abgeleugnet, in seinen hervorragendsten Vertretern und in seinen Auswüchsen (Herr Erich Cohn in der „Jüdischen Rundschau") auf einen Boden begeben, der die Grundlage gemeinsamer Arbeit hinwegnimmt. Und die Hauptgrundlage, auf der sich Zionisten wie Antizionisten treffen können, ist zuerst die Forderung nach unbedingter, unbeschränkter Gleichberechtigung auf jedem Gebiet geistigen, kulturellen, wirtschaftlichen Lebens! Wenn diese Forderung von den Zionisten nicht einmal rückhaltlos atterkannt wird, dann können wir nicht mit ihnen gemeinsame, fruchtbringende Arbeit leisten. Den wirkungsvollen Hintergrund zu diesen Gedanken gibt das bedrohliche Anwachsen des Antisemitismus, das nicht zuletzt auf das Gebühren der Nationaljuden zurückzuführen ist. Einem in der jüdischen Bewegung bekannten Parlamentarier wurde kürzlich aus Kreisen, die dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus nahestehen, geschrieben: «Tief bedauerlich ist es, daß man im Lager der Juden selbst, besonders in nationaljüdischen Kreisen, nicht gehörig von jener Sorte landfremder Revolutionäre abrückt, die zwar dem Judentum entstammen, ihm aber meist innerlich schon ganz fernstehen. Gerade das erweckt die schlimmsten Befürchtungen für ein ungeheueres, bedrohliches Anschwellen des Antisemitismus..Und muß es denn nicht auch einen befremdenden Eindruck machen, wenn jetzt in der schwersten Not unseres Vaterlandes zionistische Eigenbrötelei den Primat des Judentums betont? Muß das nicht als ein Akt der Drückebergerei und Vaterlandslosigkeit erscheinen! Gewiß, ein Pogrom in Wilna erschüttert uns auch als Menschen und als Juden aufs tiefste, aber naher steht uns doch noch die Not unseres zu Boden geschmetterten.armen Vaterlandes, unser ureigenstes, viel schwereres Geschick! Dieser Brief scheint mir symptomatische Bedeutung zu haben. Sollen die deutschen Juden weiter ruhig mit ansehen, wie ihr Nachwuchs von den zionistischen Ideen angesteckt wird, die immer mehr und mehr um sich greifen, die die sichere Stellung der deutschen Juden zu untergraben drohen? Und dies nicht zuletzt durch die scheinbar so. harmlose, nützliche Tätigkeit in den Jugendvereinen wie irn „Blau-weiß"! Zum Glück regt sich hier und dort schon die Gegenströmung. Man merkt, daß der Blau-weiß uns Boden abgerungen hat und daß die neutrale Jugendbewegung letzten Endes auf eine Stärkung des Zionismus hinausläuft. Man gründete die jüdischen Sportvereine auf deutsch-vaterländischer Grundlage: „Die Kameraden." Sie müssen und werden die Zukunft für sich haben! Es ist dringend zu wünschen, daß die Erkenntnis sich mehr und mehr Bahn bricht, daß ein Zusammenarbeiten mit Zionisten, die sich nicht auf den Boden deutschvaterländischer Gesinnung stellen, unhaltbar ist. Aus diesem Gedanken heraus wurde zweifellos der Antrag vorbereitet, der die bald stattfindende Verbandstagung beschäftigen soll, die Statuten des Verbandes der jüdischen Jugendvereine dahin abzuändern, daß der Verband nur solche Juden aufnehmen soll, die sich voll zu deutsch-vaterländischer Gesinnung bekennen. Man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis die Junitagung des Verbandes kommen wird*)! Wird sie die Zeichen der Zeit erkennen und sich der Folgenschwere ihrer Entschlüsse bewußt sein, oder wird sie den Kopf in den Sand stecken? Was sie auch beschließen möge — eins tut not, Mitarbeiten! Kartellbrüder, haltet euch nicht ferne von den Jugendvereinen, schützt nicht Arbeit, nicht andere Gründe vor, helft alle mit. der Wahrheit und der Aufklärung zum Siege zu verhelfen! Rüttelt die Säumigen und Verschlafenen auf unter uns, wie unter allen deutschen Juden! Es geht ums Ganze, es geht um unsere Zukunft im deutschen Vaterlande! Lehret alle, doch endlich die Augen zu öffnen und die Gefahr zu erkennen, in die das deutsche Judentum durch den Zionismus gebracht ist. Umwandlung der Glaubensgemeinden in Volksgemeinden ist das Ziel, jüdische Staatsangehörige auf deutschem Boden sollen wir werden! Wenn die Zionisten das auch immer wieder ableugnen — würden wir uns etwa nicht außerhalb des Rahmens der deutschen Staatsangehörigkeit stellen, wenn unsere Kinder vom jüdischen Kindergarten mit hebräischer Unterrichtssprache durch hebräische Gymnasien zur hebräischen Hochschule kommen und so freiwillig in ein neues Ghetto gehen? Was bedeutet die kulturelle Autonomie anderes als eine Loslösung aus dem deutschen Staatsverbande! Wäre nicht die staatsbürgerliche Entrechtung, die Stellung unter ein Sonderrecht die selbstverständliche, durchaus berechtigte Folge? Und was würde die mittelbare Folge sein? Die Massenflucht der deutschgesinnten aus dem Judentum. Denn mit einem solchenMinderheits-Nationalitäten- Judentum will die übergroße Mehrheit der deutschen Juden nichts zu tun haben. Wird das Judentum als eine besondere Nationalität in Deutschland anerkannt, dann werden Tausende deutscher Juden ihre Nichtzugehörigkeit zu dieser künstlichen Nationalität betonen, sie werden einen scharfen Trennungsstrich zwischen sich und jenen ziehen und werden y Vgl. das Nachwort.