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KC-Blätter · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 115

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 115 (sequence 11)
Language
German
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115 Wohin geht die Jal-rt?') (Ueber Gegenwart und Zukunft des deutschen Zionismus unter besonderer Berücksichtigung der Jugendbewegung.) Wer, wie wir jungen K. C.er, seine heilige Aufgabe darin erblickt, für die Ideen unseres Verbandes in allen dafür in Betracht kommenden Kreisen zu wirken und ihm immer neue Jünger zuzuführen, der bemerkt mit Bedauern, wie sich die Tätigkeit der Zionisten der Verbreitung unserer Gedanken entgegenstellt. Nicht als ob es irgendwie schwer fiele, geschweige denn, unmöglich wäre, die zionistischen Argumente zu entkräften! Nein! Aber die ganze Art und Weise, wie die nationaljüdischen Agitatoren, besonders unter den Studenten, von Jugend auf die Heranwachsende Generation bearbeiten, macht uns das Ankämpfen schwer, eben weil sie schon bearbeitet ist, wenn es schon zu spät ist. Unseren Gegnern stehen. für ihre Werbearbeit besonders zwei Verbände zur Verfügung, der eine ist der jüdische Bund für Jugendwanderungen „Blau-weiß", der andere ein nicht geringer Teil der „neutralen" Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Während dieser die Bezeichnung „neutral" offen im Schilde führt, läßt jener nach außen hin die Frage offen, obwohl für jeden unparteiischen Beobachter unzweifelhaft feststeht, daß er alles andere als neutral ist. Aber geworben wird doch mit dem Argument der Neutralität. Wagte doch kürzlich ein Zionist in einer öffentlichen Versammlung die Behauptung, der „Blau-weiß-Bund" sei parteipolitisch neutral und weise jede einseitig nationaljüdische Tätigkeit weit von sich! Die Dummen werden ja nicht alle, oder vielmehr die Unaufgeklärten sind immer noch in der Mehrzahl! Ist also insofern der „Blau-weiß" gefährlicher, als er die Jugend zu eitlem künstlichen Kulturjudentum erzieht und unter der Parole der Unparteilichkeit in immer bedrohlicherem Maße den Nachwuchs der deutschen Juden zu sich hinüberzieht, so sind auch andererseits leider viele „neutrale" jüdische Jugendvereine ein nicht minder günstiger Tummelplatz für die Werbearbeit unserer Gegner. Wollen wir mit den gleichen eifervollen, politisch klugen aber nicht immer schönen Methoden kämpfen, so bleibt uns nur die Möglichkeit, es ihnen dort gleichzutun. Ich sage „neutral" in Anführungsstrichen, nicht um damit die Behauptung aufzustellen. die Jugendvereine seien in Wirklichkeit »licht unparteiisch und friedlich, sondern um anzlideuten, daß man über diese Neutralität ver- ') Wenn wir uns auch dem hier ausgesprochenen lirtctl über die neutrale Jugendbewegung, das keineswegs berechtigt ist, nicht anschiießen können, drucken wir den Artikel, der manche wertvolle Anregung gibl. an dieser Stelle gern ab. — Die Red. schiedener Auffassung sein kann. Die Neutralität besteht bekanntlich darin, daß alles Jüdische gepflegt wird, insbesondere belehrende Vorträge gehalten werden, die sich aber in keiner Weise für oder gegen irgendeine jüdisch-politische Sonderbestrebung erklären dürfen, wobei natürlich unbenommen bleibt, daß der deutsch empfindende Jude ein Thema in seinem Sinne behandelt, der Zionist es wiederum durch seine Brille sieht. Unter- oder innerhalb dieser offiziellen Neutralität aber bietet sich nun ein weites Feld für jeden Vertreter beider Richtungen, in seinem Sinne zu wirken und zu werben. Es liegt in der Idee des Zionismus wie in jeder neuen Bewegung (Sozialismis, Kommunismus), daß seine Anhänger die Werbearbeit als Lebensaufgabe betrachten. Was Wunder, daß siedaherdiesogenannteneutrale,persönlicheFühlungnahme mit ihren andersdenkenden deutschen Glaubens- und Stammesgenossen nur begrüßen, um sie zu sich hinüberzuziehen! Zumal es sich um junge Menschenkinder handelt, denen ein heißes, idealtrunkenes Herz im Busen schlägt, empfänglich für alles Schöne und Begeisternde, so auch für das natürlich besonders hervorgekehrte Schöne und Begeisternde in der zionistischen Idee. Das kann eben in einer Geistesrichtung wie der unsrigen, die dem realen Leben, der Welt der Tatsachen und nicht der Welt der Träume entspringt, nicht so enthalten sein. Es ist daher nicht zu verwundern, daß besonders in kleinen Städten, tvo bisher noch wenig K.C.er waren, die Jugendvereine, wenn nur einer oder zwei tätige Zionisten am Platze sind, statt des neutralen mehr und mehr ein zionistisches Gepräge tragen, wenngleich auch von einer einseitig zionistischen Handhabung der Geschäftsführung nicht gesprochen werden kann. Leider ziehen sich dann häufig die deutschgesinnten Juden in verblendeter Verkennung der Lage zurück, hier und da nicht zu Unrecht durch das Ueberwiegen eingewanderter Ausländer abgestoßen. Diese Gleichgültigkeit unter den deutschen Juden hat auch der Zentralverein bisher noch nicht zu beseitigen vermocht. Noch immer ist es an uns Jungen, im Sinne der'Aufklärung mit ganzer Kraft unter Einsetzung der Persönlichkeit zu wirken. Wir müssen den Gegnern den Rang ablaufen. Es darf nicht dabei bleiben, daß der K.C.er nur als junger Student unter Studenten seine Anschauungen verficht. In die breite Masse muß er sie tragen helfen, dann erst recht, wenn er nicht mehr Student, sondern in Amt und Würden ist. Die Mittel dazu bietet persönliche Werbearbeit in erster Linie. Mitarbeit in allen jüdischen Organisationen und besonders Schaffung und Mitarbeit in den neuen jüdischen Jugendvereinen auf deutsch-vaterländischer Grundlage! Die heutige Entwicklung der neutralen jüdischen Jugendvereine, die vielfach in dem gezeigten Sinne erfolgt ist, schreckt ja vielfach

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