KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 114 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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11*4 verloren zu gehen. Gestehen wir es uns aber ruhig ein: Gerade der enggeschlossene Kreis der kleineren Korporationen ist es, der sie so reizvoll und wertvoll macht. Es gibt aber einen Weg, diesen Reiz zu erhalten und diesen Reiz auch der Verbindung in München zu geben. Die Möglichkeit läßt sich durch.Teilung der großen Korporationen in kleine erreichen. So denke ich mir für die Zukunft die Struktur des K.C.: In München wird es drei K. C.-Korporationen geben, eine an der Technischen Hochschule, die Aussicht hat auf einen Semestralmitgliederzuwa chs von 3—3,5 Leuten (III p), und zwei an der Universität, die sich brüderlich in den augenblicklichen Durchschnittszuwachs teilen. Wächst der weiter, dann kann eventuell noch eine weitere Verbindung an der Universität aufgemacht werden. In Berlin trennen sich von der Sprevia die Leute von der Technischen Hochschule und machen sich selbstständig: sie haben nach Hin Aussicht auf einen Durchschnittssemestralzuwachs von 2,2 Mann. Wenn die örtlichen Verhältnisse es erlauben — ich kenne die zu wenig, um mir darüber ein Urteil zu bilden —, vereinigen sie mit sich die Tierärzte. Wächst die Zahl der Leute, die im Durchschnitte in die Sprevia eintreten, so, wie ich es berechnen zu dürfen geglaubt habe, so trennt sich von der Sprevia eine weitere Verbindung ab. Der Fall von Heidelberg wäre noch genauer zu untersuchen; eventuell kommt auch für die Bavaria eine Teilung in Frage. Ich bin aber auch sicher, daß in einer solchen Zerteilung der Korporationen eine viel wirksamere Handhabe liegt für die Erfassung aller für uns in Betracht kommenden Studenten als in sonstigen Maßnahmen, die zu»? Verstärkung der Keilfähigkeit erwogen werden: Die Konkurenz, die die einzelnen Verbindungen sich machen müsse»!, wird die mächtigste Triebfeder sein. Es bleiben noch die Fragen zu-beantworten, wie es mit der Verteilung des Keilmaterials auf die in der gleichen Stadt bestehenden Korporationen werden soll, wie mit der Freizügigkeit im K. C. woher für alle diese Verbindungen das Paukverhältnis kommen soll, woher die pekunären Mittel für einen solchen Ausbau des K. C. Ich denke mir. daß sich innerhalb des K. Cdrei engere Ringe bilden. Der eine umfaßt .die Verbindungen an den Technischen Hochschulen (Darmstadt, Karlsruhe,. Charlottenburg. München). Der zweite und dritte Ring setzt sich aus den Korporationen der Universitäten zusammen; in ihnen ist je eine der an den Universitäten München, Berlin und Heidelberg (später vielleicht auch Frankfurt!) bestehenden beiden Verbindungen; die restierenden Verbindungen (Breslau, Bonn, Freiburg, Königberg, Leipzig und zunächst noch Frankfurt) schließen sich je nach eigener Wahl dem einen oder andern der beiden Ringe an, so daß jeder etwa sechs Korporationen umfaßst. Innerhalb der einzelnen Ringe herrschte das Prinzip der Freizügigkeit. Die Auswahl der Universitätsstädte, die den Leuten dann zum Wechsel des Studienortes während der Aktivität offenstehen, ist noch immer groß genug. Inaktive und alte Herren sind nicht an die Verbindungen des eignen Ringes gebunden; sie haben als Kartelltirüder bei den Korporationen aller drei Ringe die gleichen Rechte, die sie heute bei jeder K. C.-Korporation genießen. Die Verbindungen des einen Ringes stehen im Paukverhältnis mit denen der beiden anderen. Innerhalb der einzelnen Ringe sind Schlägerpartien verboten, sie dürfen nur Ring gegen Ring gefochten werden. Säbelpartien innerhalb des K. C. bleiben auch weiterhin ausgeschlossen. Die Verbindungen des Ringes, der an den Technischen Hochschulen besteht, nehmen nur Techniker (eventuell auch in Berlin Tierärzte) auf; die beiden anderen Ringe nur Studenten der Universität. Verteilung und Zuweisung der Keilfüchse findet nicht statt. Bemühen sich z»vei Verbindungen dergleichen Universitätsstadt um den gleichen Füchsen, so siegt eben die, bei der sichrer Fuchs am wohlsten fühlt. Also Konkurrenzkampf. Die pekuniären Mittel, die heute zum verstärkten Ausbau der Keiltätigkeit gesammelt werden oder gesammelt werden sollen, werden zur Hälfte zur Gründung und zu»n Ausbau der neuen Korporationen benutzt. Infolge der Konkurenz, die sich die einzelnen Verbindungen »nachen müssen, braucht für die allgemeine Keiltätigkeit nicht so sehr gesorgt zu werden; dafür genügt die andere Hälfte des Geldes. So denke ich mir — ändern sich die Verhältnisse auf den Universitäten und Hochschulen nicht zu sehr infolge der augenblicklichen politischen Zustände — die Lösung der Aufgaben, die nach den oben angestellten Ermittelungen in nächster Zeit an den K. C. herantreren, wenn die verschärfte Keiltätigkeit einsetzt. Allerdings — so wie die Lage heute ist, kann es sich nicht darum handeln, schon jetzt die Arbeit selbst zu beginnen. Was aber trotzdem geschehen kann, das besteht darin, daß einstweilen die Leute zu dieser Aufgabe herangedildet werden. Das heißt, es müssen in Berlin und München Techniker gekeilt »verden, die man systematisch dazu erzieht, in ein paar Semestern der Stamm einer eigenen Verbindung zu werden. U»»d unter dem gleichen Gesichtspunkt ist schon jetzt Auswahl, unter den geeigneten Füchsen an den in Betracht kommenden Universitäten zu treffen. Richard Oppenheim'. Kassel, Dezember 1918. Vivat, Oreseat üoreat K. C. cand. phil. et. rer. arch. Nachwort: Die Arbeit liegt seit Monaten in den Hauptzügen fertig; ich hatte immer gehofft, vielleicht doch noch das Material aufzutreiben, das mir gestattet, die Untersuchungen auf alle K. C.-Korporationen ausdehnen zu können. Ich habe keinen Grund mehr, jetzt diese Hoffnung weiter zu hegen. Sie übergebe ich die angestellten Ermittelungen den Kartelldrüdern zur Diskussion. Es mag mancher zwar der Ansicht jein, gerade in diesem Augenblick gebe es Fragen von größerer Wichtigkeit: Ich führe dagegen an, daß der Moment gerade der günstigste ist, die Organisation auszubauen. Und der Ausbau »vird erleichtert, wenn zahlenmäßige Grundlagen vorhanden sind. Die wollte ich hier bieten, das war der einzige Zweck.