KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 113 (sequence 9)
- Language
- German
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1.13 bort entstehenden K. C.-Korporationen, sondern daß sie nur eine vorübergehende Organisation zur Erfassung des Keilmaterials darstellen, das sich infolge der augenblicklichen politischen Lage ganz anders verteilt, als es jemals war: Infolge der unruhigen Zeiten gehen sehr viele der Studenten auf die ihrer Heimatstadt nächste Universität; so drängen sich heute Mengen von ersten rcichsdcutschen jüdischen Studenten dort, wo man sie früher mit der Lupe suchen mußte Der Zustand wird aber sofort wieder aufhören — wenigstens wenn nicht alles tauscht — sobald die politische Lage wieder etwas ruhiger und sicherer geworden ist. Es wäre begrüßenswert, wenn sich der G. A. unter Vorbehalt der später einzuholenden Genehmigung des K C-Tages entschließen könnte, die Füchse, die an diesen Stammtischen ausgenommen werden, als K. C.er zu betrachten Denn sonst, wenn die Leute damit rechnen müssen, daß die bei den Stammtischen verbrachte Zeit itmen nicht bei den anderen K. C.-Verbindungen angerechnet wird und wenn sie bei der Ucdersiedlung an eine andere K (5 -Universität erst noch einmal ihr Eintrittsgesuch einreichcn müssen — das war ja der Zustand, in dem sich bisher der Stammtisch Badenia befand — dann wird sich mancher nicht so leichten Weges zum Eintritt in einen solchen Stammtisch entschließen. Denn meistens liegt den Leuten daran, K. C.er zu werden und nicht nur Mitglied des Stammtisches. Vielleicht denkt mancher, — wenn ich hier bezweifle, daß Gründungen in Greifswald, Halle. Kiel und Münster Aufsichten auf Erfolg haben, — ob es nicht möglich sein könnte, so viel junge Semester dorthin zu ziehen, dass die Eristcnzsorgen fortfallen: In Würzburg gelingt das doch, denn dort florieren nebeneinander drei jüdische Korporationen. und zwar nur dadurch, daß die Würzedurgen, Salier und Veden durch ihre Kciltängkeit junge Studenten dorthin locken. Und was denen gelingt, warum sollte das dem K. C. nicht auch möglich sein an andern Orten? Sehr einfach: Bei den Würzeburgen. Saliern und Veden keilt jeder nur und ausschließlich für seine Verbindung. Feder keilt rrur und ausschließlich für Würzburg und für die einzige Korporation, die dort für ihn in Betracht kommt. Bei uns aber keilen wir für den K. C. Uns genügt cs meist schon, wenn die Leute überhaupt K. C-er werden wollen. Haben die Keilfüchse keine Lust, der Verbindung des einen Ortes, für die wir besonders cintreten, sich anzusch ließen, dann keilen wir sie eben für eine, die ihnen mehr behagt. Das ist es. was uns den Würzburger Verbindungen gegenüber in Nachteil setzt. Wir treten nicht mit derselben Wärme für diese eine und einzige Stadt, für diese eine und einzige Verbindung ein. Und dadurch hat der K. C. weniger Aussicht, junge Semester an die kleinen Universitäten und Hochschulen zu ziehen. V. So, wie diese Arbeit heute vorliegt, macht sie leicht den Eindruck, als sei sie einzig und allein zu dem Zweck geschrieben, den alten Jammerruf der Viadrina in neuer Form vorzusetzcn: Den Iammerruf um Hilfe. Aber eigentlich sollte sie damit gar nichts zu tun haben, das ist alles nur durch Zufall und fast unbeabsichtigt hineingckommen. Denn der Hauptzweck sollte sein, einmal das ganze Gebiet der Keilfragen statistisch zu durcharbeiten. Die Unmöglichkeit das dazu notwendige Material zu erlangen, hat mich gezwungen, mich auf wenige Fragen zu beschränken. Und die ließen sich am besten so geben, daß sie sich aufbauten rings um die in der Viadrina und Badenia gegebenen Verhältnisse. So sind die unverdiemerweise in den Mittelpunkt der ganzen Arbeit gerückt, und was nun zunächst Hauptzweck war. ist in den Hintergrund getreten. Jetzt handelt es sich darum, alle Fragen, die Einzeloerbindungen angeben, fallen zu lassen und zu betrachten, was den roten Faden der ganzen^Zusammcnstellung ausmachl: Die Keilfrage im ganzen. u) Es ist in letzter Zeit im K,C/beliebt, die Keilfrage aufzurollcn und zu verlangen, daß nun in größtem Maße für den K- Cgeworden wird. ' Ist das unter den heutigen Verhältnissen möglich? Wenn man sich die Zustände in den einzelnen K. C.-Vcrbindungen ansieht, dann kommt man leicht zu dem Schluß, daß bei einer Mitgliederzahl, wie sie heute die Ghibellinia oder Rheno-Silesia aufweist, die Grenze gegeben ist, innerhalb deren ein Verbixdungsbetrieb möglich ist. der alle Bnndesbrüder zu einer Einheit verschmilzt. Vielleicht kann man sogar der Ansicht sein, daß die eine alle umfassende Gemeinschaft noch vorhanden ist in Korporatinen vom Umfang der Eprevia. Wächst die Mitgliederzahl. noch mehr, so muß sicherlich die Menge in einzelnen in sich mehr oder minder zusammcngcschlossene Freundesringe zerfallen. Das heißt, die Grenze, unterhalb der eine wahre Bundcsbrüdcrschaft der gleichzeitig Aktiven möglich ist, liegt bei einem Mitgliederbestand, bcfiea Durchschnittssemcstralzuwachs 3 bis 3,5 Mann betrögt. Tie Minimalgrenze für eine sorglos lebende Verbindung glaube ich festlegen zu dürfen für eine Korporation, deren Semestralmitgliederzuwachs etwa 1.5 bis 2 Mann ist, das heißt, für eine Verbindung, deren Bestand an Aktiven etwas größer ist als der der Viadrina-Darmstadt. Die einzige K. C.-Kor-poration. die augenblicklich weit über diesen Zustand hinausgekommen ist. ist die Licaria in München. Denn ihr Semestralmitgliederzuwachs beträgt 6.5 Mann. Ich bestreite nicht, daß meine Bundesbrüder dort glänzend erzogen werden und daß dort viel K. C.arbcit geleistet wird; aber es fehlt doch etwas, was die kleineren K. C -Korporationen besitzen und was deren Wert ausmacht: Tie einzelnen Leute gehören nicht nur zur Verbindung, sondern sie bilden die Verbindung. Instinktiv fühlt man das in Licaricn auch sehr genau, und man sucht diesem Zustand zu steuern, indem man in der Keilarbeit eine gewisse Grenze zieht. Wenn es so kommt, daß in ganz Deutschland jetzt eine verstärkte Keilarbeit des K. C. einsetzt, dann wird die Menge der Leute, die K- Cer werden, wachsen. Und wachsen wird besonders die Zahl der Eintretenden dort, wo sie schon groß ist, das heißt Berlin und eventuell Heidelberg (Heidelberg zu unter>uchen war unmöglich, weil wir die Zahlen der badischen Anstalten fehlen) werden etwa in Verhältnisse kommen, wie sie heure in München herrschen. München selbst wird in einen unausdenkbaren Zustand geraten. Tie kleineren Verbindungen werden ein wenig anwachsen. die kleinsten kaum etwas von dem neuen Zustrom spüren: Und zwar deshalb, weil ja die große Masse der rcichsdeutschen jüdischen Studenten die Großstädte und großen Universitäten bevorzugt. Der Zustand von München ist aber nicht so reizvoll, daß ich ihn Berlin und Heidelberg wünsche. Ec ist zwar sehr schön, wenn jeder vierte K. C er Bundcsdruder eines Licaren ist; aber über das hinaus lobe ich mir doch das trauliche Verhältnis der kleineren Korporationen. Und das droht dann eben auch in Berlin und Heidelberg