KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 112 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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112 ist der Viadrina verloren: und jeder der nach Darmstadt geht, fehlt dem Stammtisch Badenia. Das gibt dann ein einfaches Resultat. Statt einer einzigen Verbindung, die zu wenig hatte, um verünflig zu leben, und zu viel, um anständig zu sterben — Darmstadl — und statt eines dekorativen Anhängsels — Karlsruhe — wird der K. C. jetzt, da Karlsruhe nach seiner Aufnahme in den Verband als gleichberechtigtes Mitglied und gleich fordernder Faktor neben Darmstadt tritt, zwei Sorgenkinder haben, die sich mehr als sauer ihren Lebensunterhalt verdienen müffen. die beide stets am Verhungern sein werden und sich gegenseitig das bißchen neiden, was der andere hat. WaS ich da entwickelt habe, soll keineswegs ein Lamento sein über die Aufnahmen des Stammtisches Badenia in den K- C oder ein nachträgliches Miesmachen. Ich habe mich über den Zuwachs an Technikern offen und ehrlich gefreut. Das kann aber kein Grund sein, deshalb nicht auch einmal die Folgerungen zu überlegen, die sich aus der Aufnahme des Badenia ergeben, wenn nicht eine vollständige Umwälzung im K. C. erfolgt. Und die Umwälzung muß darin bestehen, daß nun Verbindungen gegründet werden, als zu Verbindungen, immer wieder Verbindungen — aber nur dort, wo sie notwendig sind und wirklich etwas bieten können. Jedenfalls aber — „lebenskräftig" in dem Sinn, wie wir K. C-Korporationen von unfern Universitätsstädten her gewöhnt sind, Korporationen, in denen sich die Schar der Füchse drängt, so wird die Badenia niemals werden. Wir müffen schon froh sein, bei ihr und bei der Viadrina, wenn sie überhaupt einigermaßen zu bestehen vermögen. 2. - Der Krieg hat alle Verhältnisse geändert. An vielen kleinen und kleinsten Universitäten ist heute eine Menge junger reichsdeutscher jüdischer Semester immatrikuliert; das hat dazu geführt, daß hier und da „K. C- Stammtische" und „Stammtische mit K. C.-Tendenz" gegründet worden sind. Ich halte es deshalb für notwendig, zu untersuchen, wieweit sich an den Universitäten derartige Gründungen lohnen. Mein Material gestattet mir nur, einen Ueberblick zu geben über die preußischen Universitäten. t) Die Anzahl der reichsdeutschen jüdischen Studenten: Semester Berlin SBom. Breslau Göttingen Greifswald Halle Kiel Königsberg Marburg Münster 99 758 62 202 15 11 16 20 47 21 . 99/00 882 45 197 16 12 11 14 53 18 02 735 66 196 29 14 11 42 55 25 CD 02/03 875 47 187 17 9 11 29 56 26 9 05 749 66 184 45 10 14 18 56 48 17 05/06 941 . 62 196 36 13 18 17 52 42 19 08 767 82 205 39 19 28 56 61 68 14 08/09 994 62 249 36 16 32 27 55 48 21 11 767 87 195 35 16 24 40 54 47 11 11/12 930 74 220 35 12 28 22 62 39 14 Durchschnitt 99—11/12 840 65 203 . 30 13 19 29 55 38 — „ ' 05—11/12 856 72 208 38 14 24 30 57 47 16 Legt man, um zu errechnen, wieviel von diesen reichsdeutschen jüdischen Studenten im Semesterdurchschnitt die Universität zum ersten Male beziehen, ein neunsemestrigcs Studium zugrunde, so ergeben sich folgende Zahlen für den Durchschnitt der Semester von 1905—11/12: Berlin Bonn Breslau Göttingcn Greifswald Halle Kiel Königsberg Marburg Münster 95,3 8 33,4 4,2 1,7 2,7 3,3 6,3 5,2 1,8 In Bonn'werden nach IIIw-s fast 43% der dort im Semesterdurchschnitt bei neunsemestriger Studiendauer neu immatrikulierten reichsdeutschen jüdischen Studenten im K. C. aktiv. Wenn man annimmt, daß sich dieser hohe Prozentsatz an allen kleinen Universitäten erreichen läßt, und wenn man vpraussetzt, daß ein Semestraldurchschnittszuwachs von zwei Mann die Mindestgrenze des Durchschnittszuwachses für eine einigermaßen florierende Verbindung bedeutet *), so haben K. C.-Organisationen außer in Berlin, Bonn, Breslau und Königsberg, wo sie vorhanden sind, höchstens noch Aussicht in Marburg und Göttingen. Trotzdem möchte ich hier nicht zu sehr dafür eintreten, in Marburg und Göttingen K- C.-Korporationen &u gründen: Marburg ist Landesuniversität für Heffen-Naffau. Göttingen für Hannover. Die Juristen, die in der Provinz Heffen-Naffau oder Hannover angestellr werden wollen, müssen mindestens zwei Semester in Marburg bzw. Hannover studiert haben. Für die an den Landesunioersitäten vorgeschriebenen Semester werden fast stets dre beiden letzten vor dem Examen benutzt. So werden unter den 5,2 bzw. 4,2 jedes Semester neu immatrikulierten Studenten wahrscheinlich sehr viel ältere Semester sein, für die eine Aktivität nicht mehr in Frage kommt. Selbst wenn auch unter diesen älteren Semestern einige K. C. er sind, die von anderen K. C.-Städten Herkommen, werden sie kaum in Marburg oder Göttingen viel K.C -Arbeit leisten können, weil sie für ihr Examen schaffen müssen. In Göttingen hat sich bereits ein Stammtisch gebildet; das ist zu begrüßen, wenn er seine Arbeit in Ruhe fortsetzt, d. h. wenn er einige Semester ins Land gehen läßt, ehe er sich entscheidet, ob er zu einer Dauergrundung werden^ kann oder nur ein Gebilde bleiben, das für die Uebergangszeit feine Arbeit schafft und dann abrritt. Einen ähnlichen Zustand würde ich mich in Marburg begrüßen. Aber auch in Münster und —wie ich höre — auch in Halle hat man sich zu Stammtischen zusammengeschlossen und keilt kräftig darauf los. Dagegen ist nichts einzuwenden. wenn sich .die Leute, die die Stammtische gegründet haben, stets vor Augen halten, daß sie damit nicht den Grundstein legen zur Bildung einer ev. später x) Der Durchschnlttssemcstralzuwachs der unter schwierigsten Verhältnissen bestehenden Viadrina ist nach nt 1,5 Mann.