KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Woche zum mindesten einmal bei dem Konvent muß er für seine Handlungen dem B. C. genaueste Rechenschaft ablegen. Der erste Chargierte wird, wenn nur einigermaßen energische Konventsansitzer vorhanden sind, äußerst streng kontrollier!. Im Gegensatz zu jedem Despoten ist er durchaus nicht unabsetzbar, sondern der Konvent hat es sehr wohl in der Hand, ihn abtreten zu lassen, wenn er mit seiner Geschäftsführung nicht zufrieden ist. Als altem Studenten und Studierenden ist mir auch das Sturmlaufen gegen jede akademische Tradition ganz besonders unverständlich. Gerade der Mann der Wissenschaft weiß doch, wie sehr er alles, was er ist und weiß, anderen, seinen geistigen Vorfahren, schuldig ist. Gerade die Wissenschaft ist doch ohne Ueberlieserung völlig undenkbar. Und deshalb hängen wir auch an den alten Formen, die niemandem schaden. Wir wollen die Amtsroben der Profefforen, wir wollen die feierliche Verpflichtung des Mulus durch den Rektor durch Handschlag bei Beginn seiner Studien, wir wollen das altertümliche Doktordiplom, kurz auch alles, was mit dem Begriffe „akademische Freiheit" zusammenhängt, nicht missen, trotzdem es sicher auch ohne all diese Aeußerlich keilen ginge. Und ebenso wollen wir die Aeußerlichkeiten des nichtwissenschaftlichen Lebens der deutschen Studenten, seinen Verbindungsbetrieb, nicht miffen. Aus alledem geht also hervor, daß ein völliger Umsturz des bisherigen Verbindungslebens durchaus nicht erforderlich ist, daß es vielmehr völlig genügt, die alten und erprobten Formen insofern mit neuem Geiste zu erfüllen, als ihre Anwendung der allgemeinen Menschenvernunft entsprechen muß. Dann wird auch, wie es bisher der Fall war, das Korporationsleben weiter eine große Anziehungskraft für den jungen Akademiker haben, und die als aktiver Verbindungsstudent verbrachten Semester werden ihm für sein ganzes Leben eine der schönsten Erinnerungen bleiben. Zlcöer die Wachstumsvewegungen und Keittätigkett einzelner K. G.-Wervindungen, Sesonders der Seiden am Sitz von Technischen Kochschuten vestehenden und üöer die Keitfrage im K. K. im allgemeinen. Eine zum Teil statistisch durchgeführte Untersuchung bis zum Sommersemester 1913 von Richard Oppenheim (Lic.) cand. phil. et. rer. arch. * - (Schluß.) s) Der durchschnittliche Semestralzwachs in Karlsmuhe ist nach lg ein Tlann pro Semester. Dieser geringe Keilerfolg ist verständlich, wenn man sich die schwache Besuchsziffer von Karlsruhe vor Augen hält: Unter allen K. C.-Korporationen findet Karlsruhe die ungünstigsten Vorbedingungen. Es lvird wohl niemand im K. Cdaran zweifeln, daß in Karlsruhe — und übrigens auch in Darmstadt, wo die Erfolge gleich schwach sind — die Keilarbeit mit Einsatz aller Kräfte betrieben worden ist. Wenn die Resultate trotzdem keine besseren sind, so liegt das daran, daß kaum Material vorhanden ist, das sich keilen läßt. Wodurch kommt das aber und läßt sich das nicht bestem? Läßt es sich nicht erreichen, daß mehr junge reichsdeutsche jüdische Semester dorthin gehen? Ich kenne nur die Bestrebungen, die in dieser Beziehung Darmstadt gemacht hat. Man hat dort sehr oft versucht, den Kartellbrüdern die Notwendigkeit vor Augen zu führen stärker auf die Technikerkeilfüchse einzuwirken, daß sie nach Darmstadt gehen. Ich zweifle nicht, daß mancher der Kartellbrüder auch den Versuch dazu gemacht hat. Nur scheinbar stets vergeblich. Tie Zahl der reichsdeutschen jüdischen ersten Semester, die dorhin kam, ist stets gleich gering geblieben. Und der Grund dafür: Darmstadt — und ebenso ist es mit Karlsruhe — reizt die jungen Semester zu wenig. Es liegt in der Natur der jüdischen Studenten — man vergleiche dazu die wenigen in lll<» gegebenen Zahlen — vorzugsweise die großen Städte aufzusuchen, in denen das'Leben pulsiert, wo Theater und Konzerte sind, wo sie Vorträge hören können und Museen besuchen, wo sie mit andern Worten all den Interessen nachzugehen vermögen, die sie neben ihrem Studium besitzen. Für all diese Dinge bieten die kleinen Städte nicht sehr viel; dort ist der Hauptinhalt des Studentenlebens der Betrieb in den Verbindungen und die Studienarbeit selbst. Daher kommt es, daß die jungen Semester die kleinen Universitäts- und Hochschulstädte meiden, daß sie nicht nach Darmstadt kommen und nicht nach Karlsruhe. Es gelingt vielleicht, einmal den einen oder anderen dorthin zu dirigieren: aber die große Maffe wird in den ersten Studienjahren, in denen noch Zeit ist, die Blumen zu pflücken, die am Wege blühen, stets dort fern bleiben. So kommt es, daß ich mir für Darmstadt und Karlsruhe nichts von einem allgemeinen verstärkten Keilbetrieb verspreche, denn der wird diesen Zustand auch nicht ändern. Ich sehe, will man Darmstadt und Karlsruhe aufhelfen, nur einen Weg: die Gründung von K. C-Verbindungen an den Technischen Hochschulen in Charlottenburg und München. Daß die Gründung möglich ist, haben die vorhergehenden Abschnitte bewiesen. Bleibt die Gründung aus und sind beide Verbindungen nur auf die paar Mann angewiesen, die sie an der Stätte ihres eigenen Wirkens keilen können und auf die wenigen K C.er, die zufällig in Berlin und München aktiv werden und eventuell nach Karlsruhe oder Darmsladt übergehen, dann bleiben sie die schwächlichen Gewächse, die sic heule sind, dann müffen sie sich eben mühselig von einem Semester ins andere schleppen, immer wieder mit den Gedanken spielend, ob es nicht das beste wäre, ganz vom Erdboden zu verschwinden. Dann wird der Stammtisch Badenia — mit Recht natürlich — in der gleichen Tonart in der das bisher die Viadrina allein getan hat. die paar K. C -Techniker der Spreven und Licaren an sich zu ziehen suchen: Jeder aber, der nach Karlsruhe geht.