KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Couleur von anderen Bevölkerungsklassen unterscheidet, ist zuzugeben, kann ihm aber nicht zum Vorwurf gemacht werden, da es wohl auch in einer ganz sozialistischen Republik nicht Vorschrift sein dürfte, dag alle völlig gleich angezogen gehen. Im Gegenteil, je freiheitlicher ein Staat zu sein behauptet, um so mehr wird er es wohl den einzelnen oder Vereinigungen von einzelnen überlassen müssen, sich ihre Gewandungen selbst zu wählen. Es kommt ja auch niemand auf den Gedanken, z. B. die Schiffer der Standesüberheblichkeit zu beschuldigen, weil sie in einer Uniform, nämlich ill ihrer Schifferbluse und Mütze, einherziehen. Der beste Beweis aber dafür, daß das Tragen der Couleur die große Masse nicht vor den Kopf stößt, ist, daß im ganzen Sommersemester 1919 trotz der politisch so erregten Zeit auf deutschen Hochschulen keinerlei Zwischenfälle zwischen den verschiedenen Beoölkerungsklaffen aus diesem Grunde eingetreten sind. Da nun das Tragen der Couleur für den jungen deutschen Studenten einmal eine große persönliche Freude bildet, dann ihn aber durch die gleichen Farben mit den älteren Angehörigen seiner Korporation und durch das Farbentragen überhaupt mit dem ganzen alten romantischen deutschen Hochschulleben verbindet, wird gegen das Weitertragen der Couleur überhaupt nichts einzuwenden sein, zumal unter der Studentenmütze sich ebensogut ein streng reaktionärer wie ein durchaus freiheitlich gesinnter Kopf befinden kann. Man darf auch nicht vergessen, daß nur die aktiven, d. h. normalerweise die 18—20 jährigen Studenten Band und bunte Mütze tragen, und daß diese Studenten eben junge Leute sind, die neben ihrer Arbeit Freude haben wollen, und das Couleurtragen ist ihnen ein Freude, die wir ihnen gönnen wollen! Auch der erzieherische Wert des Farbentragens ist nicht zu verkennen. Der junge Student muß sich immer bewußt sein, daß er dem Symbol seiner Korporation gewisse Rücksichten in seinem Verkehr und seinem Auftreten schuldig ist. und diese Rücksichtnahme kann seiner ganzen Entwicklung nur dienlich sein. Und alles das ist nach der Umänderung des Deutschen Kaiserreichs in eine deutsche Republik nicht anders geworden. Auch die oft gehörte Aeußerung, die ernste und schwere Lage unseres hartgeprüften Vaterlandes verbiete das Tragen bunter Mützen und Bänder, ist nicht richtig. Ebenso wie der einzelne Rlensch über ein Unglück nicht Zeit seines Lebens trauern kann, wird auch ein Volk, vor allem ein kraftvolles, sich nicht nur müßigem Wehklagen widmen und dauernd in Sack und Asche gehen. Im Gegenteil, man muß mit neuem Lebensmut und neuer Lebensfreude an die Aufgabe des täglillien Lebens herantreten, und — zu den sauren Wochen gehören nun einmal immer die frohen Feste! — Und ganz besonders die Jugend wird sich ihre Lebensfreude nicht verkümmern lassen, also auch nicht die akademische Jugend, der man daher die ihr eigentümlichen Freuden, und zu diesen gehört das Couleurtragen, nicht durch nutzloses Wehklagen verderben soll! Was ferner das rein studentische Fechten, das Schlägerfechten, anlangt, so kann ich mich nur auf meine in Heft 22 der K. C.-Blätter S. 1075 ff. veröffentlichten Ausführungen in meinem Artikel „Krieg und Mensur" beziehen. Alles, was ich damals über die Beibehaltung der Schlägermensur ausgeführt habe, kann ich nur in vollem Umfange aufrecht erhalten. Die. Frage des Duells, des eigentlichen Zweikampfes mit Säbel oder Pistole, will ich in diesem Artikel, der sich nur mit rein studentischen Fragen befassen soll, nicht erörtern. Nur so viel glaube ich sagen zu können, daß der Beibehaltung der rein sportlichen Schlägermensur selbst dann nichts im Wege stünde, wenn der neue sozialistische Staat das Duell als solches mit entehrender Freiheitsstrafe belegte und es auf diese Weise abschaffte, da ja eben die Schlägermensur kein Duell ist und auch durchuus nicht zum Aüstrag von Ehrenhändeln, wie das Duell, bestimmt ist. Und Sport wird wohl aüch der radikalste Sozialist nicht unter Strafe stellen! Ich will nun zu den einzelnen Punkten in dem Artikel von Jacob Stellung nehmen: 1. Die Ausführungen über den Unterschied von Füchsen und Burschen innerhalb der Verbindung scheinen mir recht wenig durchdacht zu sein, da Jacob zu keinem definitiven Resultat kommt und zugibt, daß ein gewisser Unterschied aufrecht erhalten werden muß. Gegen die Auswüchse des Unterordnungsverhältnisses der beiden Kategorien ist aber bereits seit vielen Jahren Stellung genommen worden, so daß eine besondere Begründung dieses Kampfes mit der Revolution und den Folgerungen aus dieser durchaus nicht erforderlich erscheint. Daß die Füchse an der Leitung der Verbindung noch keinen wesentlichen Anteil haben, wird jedem vernünftigen Menschen als selbstverständlich erscheinen. Der eben in die Verbindung eingetretene junge Student, der von dem ganzen Betrieb des Verbindungslebens noch keine rechte Ahnung hat, ist eben noch nicht in der Lage, Entscheidungen schwerwiegenderer Natur zu treffen. Dagegen anzukämpfen ist einfach unverständlich. Denn in sämtlichen anderen Verhältnissen, wo mehrere Menschen zusammen zu tun haben, sieht man ja das gleiche. In keinem Handelsgeschäft wird der Lehrling zu schwerwiegenden Entscheidungen herangezogen, kein Handwerker wird seine Lehrjungen über irgendwelche vorzunehmenden Arbeiten um einen entscheidenden Rat angehen, kein Eltempaar wird die