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KC-Blätter · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 108

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 Krneucrmijl des Wervindungsl'eSens'). Bon t'iovuijiSaffcifor nr.hu-. Ernst Rosenthal(Thuringiae.) Svb. C5ruft Jacob hat mit seinem Artikel gleicher Ueberschrift in der vertraulichen Beilage der K. C- Vläner vom l. Mai 19 l9 in der Tat die Diskussion über Fragen eröffnet, die wohl sämtliche Kariellverbindungen schon des öfteren lebhaft beschäftigt haben, und von denen wohl auch mehrere auf der« nächsten K. C.-Tage ihre Erledigung werden finden müssen. Allerdings bin ich der Meinung, daß man die von Jacob vorgeschlagenen Aeränderungen kaum mehr als eine „Erneuerung" des Verbindungslebens bezeichnen können wird, sondern als eine Vernichtung des Verbindungslebens und Ersetzung durch etwas ganz anderes. Aber die Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des alten deutschen Verbindungslebens, wie wir es vor dem Kriege gehabt haben, und denjenigen, die es in jeder Beziehung für überlebt halten, wird sich ja doch nicht vermeiden lassen, und es ist daher nur mit Freuden zu begrüßen, wenn die Diskussion darüber möglichst bald einsetzt. Wünschenswert wäre es allerdings dabei, daß sich an der Diskussion hauptsächlich solche Verbandsbrüder beteiligten, die das Friedens-Korporationsleben kennen, also aus eigener Erfahrung reden können, und ganz nicht junge K. C.er, die während, des Krieges aktiv geworden sind. Vorweg bemerken und ganz ausdrücklich betonen möchte ich, daß ich mich in meinen heutigen Ausführungen nur mit den Fragen der Beibehaltung, Veränderung oder Abschaffung alles dessen, was man zum studentischen Komment rechnet, beschäftigen werde, da der heftigste Streit über diese Fragen besteht, aber in den K. C.-Blättern noch nicht zum Austrag gekommen ist; Fragen der Tendenz dagegen sind vor allem in beu Kriegsjahren in unserer Verbandszeitung fast überreichlich ') Die vertrauliche Beilage der letzten Nummer unserer K. C.-Bläner enthielt einen Aufsatz von Ernst Jacob (Rheiio Silcsiac, Spreviae, Cilesiae) über „Erneuerung des Verbindungslebens". Seine Ausführungen ließen das Aufireten nach außen hin unberührt, gingen ober darauf hinaus, zeitgemäße Reformen des inneren Betriebes anzuregen. U. a.: gründliche Reform der Fuchsenstundc für Komment, mehr Zeit für die Tendenzfuchi'enstnndc: Beschräntung der formellen Kneipen und Beschncidung des Trinkkomments, dafür mehr gcnn'ittiche Zusammenkünfte, allwöchentliche wissenschaftliche Abende, Beschränkung der Konvente nach Häufigkeit und Umfang; ferner verlangt er eine besser den Aufgaben der Verbindung angcpoßte Organisation. Das Kuratorium der K. C -Blatter hat beschlossen, diese Debatte, soweit es möglich ist, inr öffentlichen Hefte fortzuführen, da der Umfang der vertraulichen Beilage unbedingt eingeschränkt werden nruß. behandelt worden, so daß das bisherige Stiefkind, der Komment, ein besonderes Recht auf eingehende Behandlung hat. Die Zeit, die seit der Abfassung des Jacobschen Artikels bis heute (Anfang Juli 1919) verstoßen ist, wird Jacob bereits belehrt haben, daß der Einfluß der politischen Revolution und es damit gänzlich veränderten Staatslebens auf die akademischen Verhältnisse doch nicht der geworden ist. wie er ihn sich vorgestellt hat. Sein Satz: „Gefachten wird ja doch augenblicklich noch nicht und auch kaum Couleur getragen", der ja bereits von der Redaktion als nicht mehr zutreffend gekennzeichnet worden ist, hat sich in der Tat als völlig unhaltbar erwiesen. An sämtlichen deutschen Hochschulen haben alle Farben tragenden Verbindungen ihre Couleur wieder aufgesetzt. Die einzige Schwierigkeit, die sie dabei finden, ist höchstens in Stoffmangel — und zwar dieses Mal in des Wortes ursprünglichem Sinne — begründet. Bis jetzt ist mir auch noch nicht zu Ohren gekommen, daß an irgendeiner der deutschen Hochschulen Zusammenstöße zwischen den farbentragenden Studenten und anderen Teilen der Bevölkerung aus dem Grunde vorgekommen wären, weil der Student eine bunte Mütze auf dem Kopf hat. Es ist auch nicht einzusehen, welchen Einfluß die Revolution auf das Couleurtrageu haben soll. Wenn die Gegner des Farbentragens behaupten, das Couleurwesen wäre eins der markantesten Kennzeichen des alten imperialistischen Regimes, so ist das unzutreffend, denn Farben tragen die deutschen Studenten auf deutschen Hochschulen bereits wesentlich länger, als es überhaupt ein geeintes Deutsches Reich und damit zusammenhängend ein imperialistisches Regime gibt, bzw. gab; ihre stärkste Verfolgung erfuhren die farbentragenden Studenten gerade im Anfang des 19. Jahrhunderts als sie — vor allem die deutsche Burschenschaft — die Verkörperung des freiheitlichen Strebens der deutschen Jugend waren und als ihre Sehnsucht nach einem einigen Deutschen Reich ging. So sind ja auch die Farben der deutschen Burschenschaft schwarz-rot-gold von dem heutigen deutschen Parlament als Reichsfarben angenommen worden. Der farbentragende Student ist also ursprünglich weit eher ein Vertreter und Vorkämpfer freiheitlicher Bestrebungen und Ideale als ein Verfechter der Reaktion. Es wird nur an ihm liegen, das auch wieder zu werden. In der wilhelminischen Aera allerdings hatte er sich — wie zugegeben werden muß — wesentlich von dieser Geistesrichtung entfernt. Deswegen aber die äußeren Symbole, Band und bunte Mütze, die ursprünglich Symbole dcr Freiheit waren, büßen zu lassen, dürfte wohl kaum der richtige Standpunkt sein. Daß der Student sich durch das Tragen seiner

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