KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Schönfärberei in dieser praktischen Frage von sich weist' und die tatsächlichen Verhältnisse darstellt. Sind nun die Nichtzionisten auch bisher schon Skeptiker gewesen, so sind sie doch geradezu überrascht durch das geringe Maß von Hoffnungen, das Lichtheim gibt. In allen Punkten sind die Aussichten, die er eröffnet, außerordentlich trübe, insbesondere wenn man sie an den Versprechungen mißt, mit denen die Judenheit seit Jahrzehnten gefüttert worden ist. Die Broschüre hat großes Aufsehen erregt und sie macht einen durchaus überzeugenden Eindruck. Charakteristisch ist, daß Lichtheim (Sette 24) in der Acaberfrage keinen anderen Ausweg sieht, als die Enteignung (!!!) des arabischen Großgrundbesitzes! Ein durchaus würdiger Auftakt für die Forderungen des Volkes der Gerechtigkeit. „Jüdische Flieger im Kriege." Ein Blatt der Erinnerung von vr. Felix Theilhaber-Berlin. Berlin 1919. . Verlag Louis Lamm. Gegen die Juden ist im Kriege der Vorwurf der Feigheit erhoben worden. Diesem Vorwurf entgegenzutreten und jüdischen Helden ein Erinnerungsdenkmal zu setzen, hat Theilhaber sein Büchlein zusammengestellt, das eine sehr große Anzahl von jüdischen Fliegern, ihr Leben und ihre Taten verzeichnet. Gewiß ist diese Sammlung noch nicht vollständig; es wird einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben müffen, die volle Beteiligung von Juden am Weltkriege zu erfassen. Es wird sich dann ergeben, daß nicht nur die Leiden der Juden im Osten unendliche waren, sondern daß auch ihre aktiven Taten die Beachtung der Weltgeschichte finden werden. Im Buche Theilhabers finden sich auch K- C.er angeführt, und eS sei daran erinnert, daß ein Artikel aus seiner Feder über dieses Gebiet bereits in unseren Blättern erschienen ist. „Der Judenstaat." Von Theodor Herzl. Neue Auflage mit einem Vorwort von Professor Dt. Otto Marburg. 1918. Jüdischer Verlag, Berlin. 2?swpor» mutantur! Der Jüdische Verlag hat den „Judenstaat" von Herzl neu herausgegeben; ein gewiß historisch freudig zu begrüßendes Unternehmen. Man sollte eS aber nicht glauben, daß seit der ersten Herausgabe kaum ein Vierteljahrhundert verflossen ist. Was ist aus dem Zionismus in diesen 25 Jahren geworden! Eindringlich führt die Lektüre vor Augen, daß Herzl heute nur noch ein Name ist. Ob freilich die neue Entwicklung von seinem rein politischen Standpunkt aus so sehr erfreulich ist, mag noch dahinstehen. „Auto-Emanzipation." Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden. Mit einer Vorbemerkung von Achad Haam. 2. Auflage. Jüdischer Verlag. Berlin 1919. Auch die Auto-Emanzipation von Leo Pinsker ist neu herausgegeben worden. Die Broschüre, die 1882 erschien und damals wenig Beachtung fand, ist insofern ein Vorläufer deS Zionismus, als sie die absolute Fremdheit der Juden und die Unmöglichkeit der Assimilation annimmt und nach einer neuen Heimat für die fanden sucht, um die Judenfiage für immer zu lösen, ceilich »erlangte Pinsker nicht Palästina, und in der eschichte des modernen Zionismus spielt er demnach nur die Rolle eines tastenden Voroersuches. „Die drei Forderungen des jüdische» Volkes." Von Nach um Gold mann. Jüdischer Verlag. Berlin 1919. Die drei Forderungen des jüdischen Volkes sind nach Nachum Goldmann Palästina, die nationale Autonomie und die Gleichberechtigung. Das Büchlein ist voll von inneren Widersprüchen. Trotz aller Mühe hat Goldmann weder zu zeigen vermocht, daß nationales Judentum mit den Pflichten gegen die Heimat sich verewigen läßt, und noch weniger hat er den Widerspruch zu lösen vermocht, daß nationale Autonomie sich mit unbedingter persönlicher Gleichberechtigung in der Praxis kaum je wird verbinden lassen. „Der Zionismus." Sein Wesen und seine Organisation von vr. S. Bernstein. Herausgegeben vom Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation. Trykt I. Rasmussen & Rughs Bogtrykeri. Kobehavn.1916. Bernsteins Buch will keine objektive Darstellung des Zionismus geben, sondern es soll eine Agitationsschrift sein. Besonders sogfältig werden die Vorgänge der - neueren Zeit behandelt, und es dürfte kein Zeugnis übersehen sein, daß seitens der Sozialisten und Demokraten für den Zionismus abgelegt worden ift: Charakteristisch für seine Methode und seine Ziele ist es, wenn er, der die nationale Einheit von Juden annimmt die in hundert verschiedene Länder zerstreut sind, die viele verschiedene Sprachen sprechen, auf Seite 86 seiner Broschüre bestreitet. daß die arabische Bevölkerung in Syrien eine Nation bildet: „Es wäre verfehlt, wollte man sämtliche arabisch sprechenden Elemente als eine nationale Einheit betrachten!" Zu bemerken ist zu solchen vom Parteidogma verblendeten Anschauungen weiter nichts. vr. Siegfried Bernheld, Das jüdische Volk und seine Jugend. 1919. R. Löwit Verlag, Berlin, Wien, Leipzig. Wenn ein jüdischer Vater seinem Kinde einen „germanischen" Namen gibt, so herrscht bei allem was gut nationaljüdisch ist, Verachtung und Entrüstung ob dieser Assimilation. Wenn aber ein Nationaljude die wertvollen religiösen Güter seines Judentums verachtungsvoll beiseite stößt, um einen modernen Götzen auf den Sockel zu erheben und vor ihm anbetend aufs Knie zu fallen, so ist es anscheinend ganz in der Ordnung. Und die jüdische öffentliche Meinung läßt sich das ruhig gefallen, und wird vielleicht dem „jüdischen" Geiste in Bernhelds Buch Lieder des Lobes singen. Und darum sei es offen ausgesprochen, daß uns seit langer, langer Zeit kein Zeugnis einer so schrankenlosen, so unjüdischen und darum verwerflichen Assimilation vorgekommen ist, wie dieses Buch über die jüdische Jugend. Daß es eine echt jüdische Pädagogik gibt, die aus.Thora und Talmud zu unS spricht, weiß Bernheld nicht oder er erkennt sie nicht an. Seine Thora sind die gesammelten Werke von Gustav Wyneken, dessen Grundsätzen — mögen sie noch so unjüdisch, unwirklich und lebensfremd sein — er sich als ewigen Offenbarungen beugt.. Das Buch ist gewiß interessant, wenn auch für den, der sich in der modernen pädagogischen Literatur umgeschaut hat, keineswegs originell. Es ist glänzend geschrieben und von einem ehrlichen Wollen erfüllt. Viele seiner Vorschläge sind fraglos gesund und ausführbar, stehen auch keineswegs im Widerspruch zu der jüdischen Lehre. Aber in den großen Zügen, in den Anschauungen vom Wesen und der Aufgabe des Kindes wie der Jugend, in den Grundsätzen der Bildung des Charakters und des Geistes ist auch nicht ein Hauch des wirklich jüdischen Geistes der Thora zu verspüren. Freilich ist die Thora „unmodern", und dem Götzen der Modernität bringt eben auch der Nationaljude gehorsamst sein Opfer dar, ohne lange zu prüfen, ob das Neue etwas taugt. Wir aber erklären in diesem Falle das Modems für das Schlechte und glauben, daß in späteren Zeiten, wenn die Quellen des Heils, an denen Bernheld gierig schlürft, längst versiegt und vergessen sein werden, in strenge Zucht und Unterordnung wirkliche, wertvolle Persönlichkeit nur im Geiste