KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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den Pfarrern und den Zahnärzten. Dagegen ist die Not bei den Philologen geradezu fürchterlich; sie wird noch vergrößert werden, wenn erst aus den von den Feinden zurückgehaltenen Gebieten die Beamten zurückströmen. Selbst unter den günstigsten Bedingungen rechnete der Vortragende für die Philologen eine Wartezeit von 18 bis 20 Jahren aus, was um so trauriger ist, als auch ein Uebergang zu den Archivaren oder Bibliothekaren unmöglich ist, da jährlich von den ersten nur 3, von! den zweiten nur 30 bis 25 gebraucht werden. Von den 36000 Aerzten, die wir besitzen, haben heute bereits 56 v. H. unter 7000 Mk. Einkommen; 18000 Mediziner'studieren an den Hochschulen und der jährliche Höchstbetrag beträgt 800. Aehnlich steht es bei den Juristen. Wenn die Regierung die Beamtenstellen auch weiterhin nach parteipolitischen Rücksichten besetzt, so werden die Verhältnisse noch schlimmer werden. Verlangt muß« daher unbedingt werden, daß die fachliche Leistung Wertmaßstab bleibt, daß weiter der Titelschutz bestehen bleibt und daß mittelmäßige Begabungen von den Universitäten fernbleihen. Studentenvertretung Berlin. Nach der Revolution war von der gesamten Studentenschaft ein aus neun Mitgliedern bestehender Studentenrat gewählt worden, mit der Aufgabe, die Studentenschaft nach außen zu vertreten, eine Verfassung auszuarbeiten und für die Durchführung der Selbstverwaltung Sorge zu tragen. Neben ihm behielten der engere Ausschuß und die von diesem eingesetzten Aemter ihre Verwaltungsausgaben bei. Nach und nach entstand gegen den Studentenrat eine starke Stimmung, hervorgerufen vor allem durch seine Stellungnahme zur Schließung der Universität, die Untätigkeit in der Verfassungsfrage und den Umstand, daßder Studentenrat vor der Rückkehr der Kriegsteilnehmer gewählt worden war.KEs wurde daher ein 25er Ausschuß eingesetzt, bestehend aus neun Philosophen. achtJuristen und Nationalökonomen, sechs Medizinern und zwei Theologen. Dieser arbeitete in kältester Zeit eine Verfassung aus und brachte sie in geheimer Abstimmung zur Annahme. Nach ihr wird an jedem Semester in geheimer Verhältniswahl eine Studentenvertretung gewählt und zwar entfällt auf je 100 immatrikulierte rerchsdeutsche Studenten 1 Vertreter. Dieses Parlament wählt aus seiner Mitte einen stebenaliedrigen Studentenausschuß als exekutives Organ und Arbeitsausschuß für Verwaltungs-, Fach- und sonstige Fragen, außerdem einen Vorstand zur Leitung der Versammlungen des Plenums. Um dem Neben- und Durcheinander der verschiedenen alten Studentenvertretungen ein Ende zu machen, wurden noch im Zwischensemester Wahlen ausgeschrieben. Gewählt wurden 120 Vertreter. Die.Mehrheit hatte der politisch und religiös neutrale Fachwissenschaftliche Ring, der eine gesunde Hochschulreform erstrebt. Außerdem hatten eigene Listen aufgestellt: die lose Vereinigung im schwarzen Waffenring, die übrigen Korporationen (Deutsche Gruppe), dieWandervögel, die Kneipkouleur tragenden Verbindungen, das K. I. V. mit dem B. I. A., der K. C. und die ihm nahestehenden Freistudenten und Mitglieder des A. I. G. V. und die sozialistische Studentenpartei. Aus der Tätigkeit der Studentenvertretung verdient Erwähnung der Beschluß der Einberufung eines allgemeinen deutschen Studententages und die Stellungnahme gegen die Schließung der Hochschulen. Jüdische Bibliotheken. Von erfahrener Seite ist der Vorschlag gemacht worden, zwecks intensiver Ausgestaltung der Bibliotheken jüdischer Vereine und Gesellschaften, eine Organisation ihrer Bibliothekare zu schaffen. Es soll hier die Arbeit der Bibliothekare durch allgemeine Leitsätze erleichtert und die Möglichkeit des Ausrausches von Erfahrungen gegeben werden. Wir nehmen an, daß .die Schaffung dieser Organisation jedem Bibliothekar nur willkommen sein kann. Interessenten wollen sich an Herrn Paul Lindenberg, Berlin, Blücherstraße 23, wenden. Mücher- und Mtätterschau. „Religions-Judentum." Von * * * Chemnitz. Druck von I. C. Pickenhahn Sohn. 1919. Die Broschüre behandelt in sechs. Kapiteln alle Fragen der nationaljüdischen Auffassung und versteht es ausgezeichnet, in einem geschlossenen Bilde nicht nur das Wesen, sondern auch die innere Notwendigkeit, die Folgerichtigkeit und die historische Ewigkeit des Religionsjudentums zu beleuchten. Die Broschüre, die sehr empfohlen werden kann, hält sich von allen demagogischen Mätzchen fern und wirkt durch die überzeugende Kraft, der schlichten Gedankengänge. Sie gehört bestimmt zu dem Besten, was in letzter Zeit über die nationaljüdische Theorie geschrieben worden ist und kann insbesondere für die Belehrung der jüngeren Verbandsbrüder durchaus empfohlen werden. „Die Judenpolitik der rumänischen Regierung." Don vr. S. Bernstein. Herausgegeben vomKopenhagener Bureau der zionistischen Organisation. Kobenhavn. Martiur Truelsens Bogtrykkeri. 1918. In einem anschaulichen Bilde schildert Bernstein die furchtbare Judenpolitik Rumäniens, von den ältesten Zeiten bis zu Ende des Krieges. Die schlichten Bilder reden eine erschütternde Sprache, und das Blut steigt einem zu Kopfe, wenn man daran denkt» daß soviel Haß und Gemeinheit ungestraft in der Welt walten dürfen. Wenn man aber auf der anderen Seite sich überlegt, daß eS daS mächtige England ist, der angebliche Beschützer der Juden, unter dessen Augen und mit dessen ausgesprochener und selbstverständlich vorhandener Zustimmung das verbündete Rumänien seine Scheußlichkeiten gegen die armen Juden begangen hat, so kommt man zu ganz merkwürdigen Gedanken über die Zukunft einer Welt, in der englische Grundsätze herrschen sollen, und man sieht, was man sonst nur instinktiv gespürt hat, daß auch die Judenheit nichts sein wird, als ein Stein auf dem Schachbrett des englischen Imperiums. „Nach dem Pogrom." Von ChaimNachmann Bialik Aus dem Hebräischen von Abraham Schwadron. 1919 R. Löwit Verlag, Wien-Berlin. Preis: 2 Kr. Die Gedichte Bialiks, die aus dem Jahre 1903 stammen, sind eine erschütternde Anklage nicht nur gegen die Schlechtigkeit der Menschheit, sondern auch gegen die Schwäche der Judenheit. Es ist nicht das Mitleid der Welt, das er anruft, sondern der Held im jüdischen Menschen, den er vergeblich beschwört. Der Reinertrag des Büchleins ist für die Progromopfer bestimmt/ und so verdient es schon aus diesem Grunde weitere Verbreitung. „Der Aufbau des jüdischen Palästina." Von Richard Lichtheim. 1919. Jüdischer Verlag, Berlin. Lichtheims Broschüre unterscheidet sich von. der Flut der sonstigen zionistischen Literatur dadurch, daß er alle